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VI. RINGE
Unter den Bronzen aus dem Artemision gibt es eine Reihe von Ringen unterschiedlicher Form und Größe599.
Bei einigen ist aufgrund ihres Formats und ihrer Gestaltung eine Verwendung als Fingerring offensichtlich.
Fingerringe sind aber im spätgeometrischen und früharchaischen Artemision nicht besonders zahlreich und
stellen unter den Bronzen ebenso wie auch unter den anderen Metallerzeugnissen keine markante Fund-
gruppe dar, sie gehörten hier offensichtlich nicht zu den üblichen Weihegaben. Eine ähnliche Situation trifft
man auch in den meisten anderen griechischen Heiligtümern dieser Periode an. In den an Bronzeschmuck so
reichen Heiligtümern wie dem Athena-Heiligtum von Lindos, dem Zeus-Heiligtum von Olympia oder dem
Athena-Limenia-Heiligtum von Perachora, um nur einige zu nennen, kamen ebenfalls vergleichsweise weni-
ge Fingerringe zutage600.
Jene Stücke, deren genaue Funktion nicht bestimmt werden kann, sind hier unter den »diversen Ringen«
erfasst: Bei manchen Objekten kann wegen des Formats auch eine Funktion als Fingerring nicht ausgeschlos-
sen werden. Die massiven, geschlossenen Ringe größeren Durchmessers müssen in jedem Fall anderen Zwe-
cken gedient haben.
VI. 1 Diverse Ringe (Kat. 639-660)
VI. 1.1 Geschlossene, rundstabige Ringe (Kat. 639-650, Taf. 41)
Die Ringe Kat. 639-650 haben einen runden, ovalen oder facettierten Querschnitt. Mit Ausnahme des Ringes Kat. 647, der an
fünf Stellen eine Verzierung aus umlaufenden Rillen trägt, sind die Stücke undekoriert. Der Durchmesser der größeren, massiven
Ringe Kat. 639-642, 644 und 647 beträgt zwischen 2,6 und 5,0 cm, jener der kleineren Kat. 643. 645. 646 und 648-650 zwischen
1.55 und 2,5 cm.
Die konkrete Funktion dieser Ringe kann nicht festgestellt werden. Die größeren, massiven Exemplare Kat.
639-642, 644 und 647 könnten als bewegliche Verbindungselemente von diversen Geräten und Möbeln oder als
Henkel bzw. Ösen von Gefäßen gedient haben601. Die kleineren Ringe Kat. 643, 645, 646, 648-650 waren wohl
Glieder von Ketten, Anhänger verschiedener Art, Dekor von Fibeln o. Ä.602 603. Größe und Massivität schließen bei
den meisten der hier behandelten Stücke eine Verwendung als Finger- oder Armring eindeutig aus.
Unverzierte Ringe verschiedener Größe und Stärke finden sich in beinahe jedem griechischen Heiligtum
und treten häufig in sehr großer Zahl auf’03. Die einfache Form der Ringe lässt kaum einen sicheren Schluss
auf ihre Funktion zu; auch die Fundsituation kann in den meisten Fällen nicht zur Klärung dieser Frage

599 Hogarth 1908. 149 erwähnt eine Reihe Bronzeringe, die er als Fingerringe bezeichnet. Er nennt elf glatte Ringe, davon einige mit
abgeschrägten Kanten, und einen aus einem Metallband gefertigten Ring, ferner acht gebrochene Ringe, deren Enden einander
überlappen oder gegenständig sind.
60(1 Vgl. Philipp 1981, 138.
601 Vgl. dazu auch die Abschnitte zu Henkeln und zu Pferdetrensen. Kapitel XII.4; s. auch G. M. Richter, The Furniture of the Greeks,
Etruscans and Romans (1966) 119 Abb. 600 über eine Verwendung als Vorhangringe.
602 Vgl. Comstock - Vermeule 1971. 225 Nr. 311 Abb.; 231 Nr. 330 Abb.
603 So etwa in: Emporio auf Chios: Boardman 1967, 211 ft'. Nr. 242-246 Abb. 139; die Stücke werden aufgrund ihrer Größe als Fin-
gerringe angesprochen. Kato Phana auf Chios: Kourouniotis 1916, 210 Abb. 34 und Lamb 1934/35, 150 Taf. 32, 17. 23: »The
two plain rings ... are probably not for the finger.« Lindos: Blinkenberg 1931, 119. 121 Nr. 284. 285 Taf. 12. Ägina: Furtwängler
1906, 417 Nr. 138-141 und Maass - Kilian-Dirlmeier 1998. 65 f. 97 Nr. 129-132 Abb. 17. Poseidon-Heiligtum von Sounion: B.
Stais, Eouviou ävaoKcwJiai urro B. Eraq, AEphem 1917, 195 f. Abb. 7. Heraion von Argos: De Cou 1905, 251 ft. lat. 90 ft. Pera-
chora: Payne 1940, 178 Taf. 78: vgl. auch die Ringe aus Silber: ebenda 185 Taf. 84, 11. 12. 14. 17. 20. 21. Olympia: Furtwängler
1890, 63 f. Taf. 24 und Philipp 1981, 139 ff. Pherai: Kilian 1975a, Taf. 71 ff. Aetos/Ithaka: Robertson 1948. 119 Nr. 38-80 Taf.
50. Philia: Kilian-Dirlmeier 2002, 159 ff. Taf. 165 ft'.; vgl. auch die große Zahl entsprechender Ringe aus Olynth: Robinson 1941,
132. 229 ff. Taf. 62 f; s. auch G. M. A. Richter. The Metropolitan Museum of Art. Greek, Etruscan and Roman Bronzes (1915)
342 ff.
 
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