Klebinder-Gauß, Gudrun; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 12,3): Bronzefunde aus dem Artemision von Ephesos — Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2007

Page: 143
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/fie_bd12_3/0150
License: Creative Commons - Attribution - NoDerivatives
0.5
1 cm
facsimile
IX. Gefäße

143

Die Spulenbänder Kat. 826 und 828 entsprechen in der Anordnung der Spulen den phrygischen Beispielen,
die gewöhnlich eine Spule an einem Ende des Bandes und eine zweite in dessen Mitte tragen. Dennoch un-
terscheiden sich die beiden Spulenbänder aus dem Artemision durch die einfache Gestaltung der Spulen
deutlich und sind daher besser als lokale Erzeugnisse anzusprechen.
Auch das Spulenband Kat. 827 kann kaum aus einer phrygischen Werkstatt stammen. Die Art, in der die
Spulen angeordnet sind, begegnet in Phrygien nicht und hat auch sonst bislang keine Parallelen. Die Durch-
lochung des Bandes könnte der Befestigung an der Gefäßwandung gedient haben. Vielleicht vertritt Kat. 827
eine Variante, bei der das Spulenband zwischen zwei Attaschen ohne Unterbrechung durchlief. Eine der-
artige Gestaltung ist bisher nur von zwei Keramiknachbildungen aus Gordion und Sardes bekannt, unter den
Metallgefäßen begegnet sie nicht1025.
IX.4 Kessel (Kat. 829-832)
Von den aus dünn getriebenem Blech gefertigten Kesseln blieben im Artemision nur einzelne Fragmente er-
halten, die zumeist keine genaue Rekonstruktion der ursprünglichen Form erlauben. Neben einer Reihe von
Randfragmenten werden sicherlich auch zahlreiche Blechteile zur Wandung von Kesseln gehört haben. Die im
Heiligtum gefundenen Greifenprotomen Kat. 869-876 setzen jedenfalls die Existenz großer Kessel voraus.
IX.4.1 Kessel mit einem nach aussen umgefalzten, vertikalen Mündungsrand (Kat. 829-831, Taf. 66-67)
Kat. 829 ist das Randfragment eines Kessels. Das am Rand leicht verdickte Blech der glatten Wandung ist krempenartig nach
außen gefalzt. Das Fragment ist schlecht erhalten und sekundär verbogen, sodass über die ursprüngliche Form des Gefäßes keine
genauen Aussagen gemacht werden können. Es scheint sich aber um einen Kessel größeren Durchmessers zu handeln. Eine
Reihe weiterer, schlecht erhaltener Fragmente mit umgefalztem Rand stammt wohl ebenfalls von Kesseln. Bei einem Stück ist
der Rand durch zweimaliges Umbiegen des Blechs gebildet.
Das aus dünnem Blech gefertigte Gefäß Kat. 830 ist flach zusammengedrückt, blieb aber in seinem vollen Umfang erhalten, nur
der untere Teil fehlt. Der Gefäßrand ist nach außen umgefalzt und bildet eine breite Krempe. Die steile Wandung ist im unteren
Bereich umlaufend mit einem fischgrätartigen Muster verziert. Das in der Nähe gefundene Fragment Kat. 831 gehört wahr-
scheinlich zum selben Gefäß, wenn auch aufgrund des schlechten Erhaltungszustandes keine Anpassungen festgestellt werden
können.
Das Fragment Kat. 829 stammt wahrscheinlich von einem größeren, geschlossenen Kessel mit einem flachen,
horizontalen Mündungsring, wie sie in archaischer Zeit im gesamten griechischen Raum vorkommen1026. Die
glattwandigen Kessel blieben häufig unverziert, konnten aber auch, wie etwa ein Fund aus dem Heraion von
Samos belegt, mit Rollenattaschen oder, wie ein Kessel aus Olympia, mit Greifenprotomen besetzt sein.
Für den kleineren Kessel Kat. 830 sind keine unmittelbaren Parallelen bekannt.
IX.4.2 Steilwandiger Kessel mit beiderseits horizontal verbreitertem Rand (Kat. 832, Taf. 66)
Das Fragment Kat. 832 gehört zu einem größeren, steilwandigen Gefäß. Der Rand ist beiderseits horizontal verstärkt und fällt
leicht nach innen ab. An der Außenseite verläuft unter dem vorkragenden Rand ein schmaler, vertiefter Streifen.
Der schlechte Erhaltungszustand des Fragmentes Kat. 832 lässt keine Aussagen über die ursprüngliche Form
des Gefäßes zu. Es könnte von einem niedrigen, steilwandigen Kessel mit flach gewölbtem Boden oder von
einem geschlossenen Kessel stammen1027.
IX.5 Diverse Randfragmente (Kat. 833-841)
IX.5.1 Randfragmente von Schalen (Kat. 833-837, Taf. 68)
Die Fragmente Kat. 833-835 stammen von Schalen mit steil ansteigender Wandung und einem leicht einziehenden, sich nach
innen rund oder kantig verdickenden Rand.
1025 Vgl. Knudsen 1964, 65 f. mit Anm. 17.
1026 z. B. Heraion von Samos, Ausstellung Museum Vathy; Milet: Held 2000, 121 B 22 Taf. 18. Olympia: Gauer 1991, 20 ff. Typus
A 4 (Le 15. 16) Abb. 7, 1. 2 Taf. I. 1; Taf. 5. I. 3. Argos, Heraion: De Cou 1905, 272 Nr. 1799 Taf. 104.
1027 Vgl. Gauer 1991, 20 ff. Typus A 3 (Le 10. 11) Abb. 6; 30 ff. Typus C 5 (Le 50. 51) Abb. 11, I. 2.
loading ...