Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Editor]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 13.1917

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Kleine Mitteilungen und Anzeigen

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parochiali in choro . . . obiit, uti vixit per quam pie.
Statuit, ut pauperes funus eius comitentur et exequiis
intersint; elemosyna dein ipsis erogetur1."

Im folgenden Jahre erscheint dann Sautiers
Reimerei, Münzeis Hauptgewährsmann.

Mit diesen Mitteilungen dürften nunmehr die
Akten über den Taufstein geschlossen werden. Wen-
zinger hat nur seine Ausführung überwacht. Geschaffen
wurde er von Joseph Höhr und Franz Xaver Hauser
nach dem Zeugnis der Originalrechnungen.

Joseph Höhr hatte im Jahre 1764 auf Grund
hervorragender Leistungen das akademische Bürger-
recht von der Universität erhalten. Dabei setzte sie
voraus, dass der Künstler niemals seine Kunst hand-
werksmäßig betreiben werde. Zwei Jahre später
erhielt er einen Auftrag für ein Marienbild in die zweite
Kaiserkapelle, das inzwischen abhanden gekommen
ist2. Das folgende Jahr, 1767, arbeitete er in St.
Gallen für Wenzinger. Zu Anfang Juli 1767 fuhr er
im Auftrag der Münsterfabrik nach Schieitheim bei
Schaffhausen und erwarb bei Johann Stamm daselbst
einen Stein, an dem St. auch zugleich bis zum Anfang
des nächsten Jahres die Vorarbeiten zum Taufstein
erledigte und für seine Mühe und die Fracht nach
Freiburg insgesamt 74 fl. 221/.., kr. berechnete. Höhr

1 S. 309 Dementsprechend hat das Totenbuch Bd. 1779
bis 1807, S. 224: . . . Kunstmaler und Bildhauer 87'/„ Jahre
alt; an Lungenentzündung.

2 Heinr. Schreiber (Geschichte und Beschreibung des
Münsters [1820] S. 263) hatte es noch gesehen.

und Hauser teilten sich in di e Ausführung: Höhr schuf
den eigentlichen Taufstein, Hauser die Deckelgruppe
mit der Taufe Christi3. Nach 13 Jahren wurde Höhr
beauftragt, den während der Belagerung von 1744
heruntergeschossenen Wasserspeier am Ölberg zu er-
gänzen. Sein „Fisch"4, den er selbst modelliert und in
wirklich exakter künstlerischer Weise ausgeführt hat,
legt Zeugnis ab von seinem hervorragenden künst-
lerischen Können. Sein Anrecht als Schöpfer der
Puttengruppe wird in der Folge nicht mehr bestritten
werden dürfen, und das Kunstwerk gewänne noch viel
mehr, wenn es von dem grauen Anstrich, in dem es
seit bald 100 Jahren glänzt, einmal befreit würde und
in der ehemaligen Farbenfreudigkeit dastünde. Höhr
verdiente wirklich einmal eine eingehende künstle-
rische Würdigung. An Arbeiten, die das Merkmal
seines Schaffens tragen, ist in Freiburg und Umgebung
kein Mangel. Manche Rokokoarbeit, die bislang einem
Unbekannten zugeschrieben oder für Wenzinger in
Anspruch genommen wird, ist das Werk der Hände
Höhrs. Und wenn auch Wenzingers Künstlerstern
erblasste, sein Ruhm als Armenvater, den ihm die
dankbaren Zeitgenossen verliehen, wird ihm bleiben,
wie sein Verdienst als Förderer der schönen Künste.
Höhr aber, den man unrühmlich vergessen, erhielte
seinen rechten Platz als echter Künstler.

3 Vgl. die eingehenden Angaben aus den Rechnungen bei
Schuster, Münsterblätter 5, 4 f.

1 Rechnung der Münsterfabrik 1781, Beilage.

Der St. Georgsbrunnen auf dem Münsterplatz.

Von

Archivrat Prof. Dr. Peter P. Albert.

£ie Südwestecke des Münsterplatzes
\B/^r§^K schmückte einst bis zum Anfang der
40er Jahre des vorigen Jahrhunderts,
wo eine Erneuerung stattfand1, ein
kunstreicher spätgotischer Brunnen,
dessen Säule von einem Ritterstandbilde St. Georgs,
des alten Stadtpatrons, bekrönt war. Der bekannte
Münchner Architekturmaler, Radierer und Lithograph
Domenico Quaglio hat um 1820 auf einem pittoresken
Bilde des südwestlichen Münsterplatzes die einzige

1 Vgl. Friedr. Kempf und K. Schuster, Das Freiburger
Münster (1906) S. 46. K. Schuster, Baugeschichtliches über das
Freiburger Münster aus alten Chroniken: Münsterblätter 7
(1911) S. 38.

vorhandene Aufnahme2, Kunstmaler Karl Schuster
im 8. Jahrgang dieser Zeitschrift3 von dem in seinen
Hauptteilen noch erhaltenen Ritter St. Georg eine
Wiederherstellung gegeben, woraus u. a. hervorgeht,
dass der Formschneider Gregor Sickinger bei der
bildlichen Verzierung seiner „Abcontrafehtung der
Statt Freyburg im Breyßgaw 1589" nicht zu wenig
auch dem St. Georg auf dem Münsterbrunnen ab-
geschaut hat. Die Hauptfragen nach der Zeit der
Errichtung des Brunnens und der Brunnenfigur, nach
den Kosten und dem Meister hat Schuster mangels
aller und jeglicher schriftlichen Überlieferung unbe-

'-' Siehe Münsterblätter 7, 39; dazu 4, 25.
a S. 48.
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