Münsterbau-Verein <Freiburg, Breisgau> [Editor]
Freiburger Münsterblätter: Halbjahrsschrift für die Geschichte und Kunst des Freiburger Münsters — 13.1917

Page: 39
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,i er Name Geissinger ist in dieser Zeit-
schrift schon so oft genannt, seine Samm-
lung von Inschriften und Abbildungen
schon so oft zum Zeugnis angerufen
und zumal im 8. Jahrgang (1912) von
K. Schuster in seinem Aufsatz über „Die Gräber im
Münster1' so ausgiebig herangezogen worden, dass
es geboten erscheint, sich den Mann und seine Ar-
beiten einmal etwas näher, als dies von Schuster an
genannter Stelle geschehen ist, zu besehen. Vorweg
sei es gesagt, was auch schon aus der Art und Weise,
wie auf ihn verwiesen, und aus dem Gewicht, das
ihm dabei beigelegt wird, erhellt, dass man es nicht
mit einer wissenschaftlichen oder zeichnerischen
Kraft von irgendwelcher namhaften Bedeutung zu
tun hat: allein seine rastlose, rührende Liebe zum
Münster und die Erfassung des Augenblicks, Kunst
und Geschichte des Hauptgotteshauses seiner Vater-
stadt im Spiegel der Zeit festzuhalten, bilden aus-
schließlich sein Verdienst. Kritik darf man nicht von
ihm erwarten und nicht an ihm üben, denn das, was
er vorfand, und so, wie er es antraf, hat er in Wort
und Bild recht und schlecht verzeichnet und den
Nachfahren überliefert; die Beschreibung und bild-
liche Wiedergabe von so viel Verlorengegangenem
oder seitdem mehr oder weniger stark Verändertem
gibt seinem Unternehmen den Wert, wofür die
Münsterforschung allen Anlass hat dankbar zu sein.
Joseph Felizian Geissinger war am 14. Dezember
17401 als einziger Sohn des aus Gecse (Gezys) in

1 Vgl. meine Geschichtschreibung der Stadt Freiburg in
alter und neuer Zeit (1901) S. 30 Anm. — Den vorliegenden
Ausführungen liegen die Teilungsakten des Karl Joseph Geis-
singerschen Nachlasses von 1787 im Stadtarchiv als Haupt-
quelle über die Familie Geissinger zu Grunde.

Siebenbürgen zugewanderten Schneiders Karl Joseph
Geissinger und seiner Frau Euphrosyna geb. Mayer
zu Freiburg geboren und erhielt hier auch seine
ganze Schulbildung2 bis zum Eintritt in das Priester-
seminar; an der Universität war er am 8. Januar
1761 als „Logicus" immatrikuliert worden. Nachdem
er noch einige Zeit bei seinem Oheim von der Mutter-
seite, dem Pfarrer Matthäus Mayer, zu Herbolzheim
(gest. 1769) sich aufgehalten und bei einer adeligen
Herrschaft im Elsass eine Hofmeisterstelle bekleidet
hatte, wurde er im Herbst 1772 in das Priester-
seminar zu Meersburg aufgenommen und empfing
dort am 4. Juni 1773 die Priesterweihe. Er war dann
in der Seelsorge tätig, zunächst etwa vier Jahre lang
als Vikar zu Bleichheim (für die Filiale Nordweil
und Kirnhalden), wo er während 3/4Janren aucn die
ganze Pfarrei versah, und darauf zu Kappel im Tal
(für Littenweiler)1. Dazwischen hielt er sich, da
er, wie er selbst sich ausdrückt, „vicariatlos wäre",
wiederholt längere Zeit, im ganzen etwa zwei Jahre,
zu Freiburg auf, zu allerlei kleineren priesterlichen

2 Im akademischen Gymnasium der Jesuiten. Der damit
verbundenen marianischen Schülerkongregation gehörte er 1754
bis 1758 als Mitglied an; vgl. den Catalogus sodalium derselben,
Handschr. Nr. 34') der Universitäts-Bibl. Bl. 42 v, 44 v, 49 v.

3 Im amtlichen Priesterverzeichnis des Bistums Konstanz
(Catalogus personarum ecclesiasticarum et locorum dioecesis
Constantiensis) für das Jahr 1779 ist Geissinger (p. 71) unter
den „Clerici non beneficiati" des Landkapitels Freiburg im
fünften Jahr als Vikar zu Bleichheim aufgeführt, bei den
während des Drucks erfolgten Veränderungen aber (p. 274)
schon als Vikar zu Kappel. — Seine Priesterweihe erfolgte nach
Ausweis des Liber ordinatorum im Erzbischöflichen Archiv „in
angaria pentecostes" 1773 „in capella ss. apostolorum Petri et
Pauli sub palatio episcopali" durch den Weihbischof August
Freih. von Hornstein zu Weiterdingen, Bischof von Epiphania
i. p. i.
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