Hartlaub, Gustav Friedrich ; Doré, Gustave [Ill.]
Gustave Doré — Leipzig, [1924]

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III.

WESEN.

Frankreich erhob ihn, England verführte ihn, Weg und Beftimmung wies ihm die
Heimat. Dore hat es in den Kriegsjahren70171 für nötig gehalten, als Elfälfer durch
tendenziös-chauviniftifdie Riefenbilder fein reines Franzofentum zu bekennen. Eben dies
enthüllt den wahren Sachverhalt. Er war Elfäfler, kein reiner Franzofe, noch weniger
freilich deutfchen Blutes und Sinnes. So ftand er als Menfch und Künltler „zwifchenden
Raffen", und vielleicht kommt es daher, daß er in Deutfchland und England mindeftens

Aus Balzac, Contes drolatiques. 1855.

folche Popularität gewann wie in Frankreich felblt. Man follte, auch wenn man von dem
eigentlichen Stammescharakter abfieht, den Einfluß der frühen Elfäffilchen Kindheitsein-
drücke bei Dore nicht gering einfchätzen, obgleich der Knabe bereits zehnjährig nach Bourg
überfiedelte, wo der Vater Brückenbauten zu leiten hatte, und wo er felber die Schule
befuchte. Elfaß, das find die Vogefen, die Vogefen mit der unbefchreiblichen Eigenart ihrer
düfter ernften Bergkonturen, ihrem melancholifchen Tannenwuchs, ihren balladenhaften
Klöfiern und Burgruinen, die hier fo finfter ftreng über die Landfchaft gebieten wie kaum
fonltwo. Von diefem Kapital hat der Meifter fein Lebtag gezehrt. Elfaß, das ift Straßburg,

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