Hartlaub, Gustav Friedrich [Editor]; Städtische Kunsthalle <Mannheim> [Editor]; Munch, Edvard [Ill.]
Edvard Munch: Gemälde und Graphik ; 7. November 1926 bis 9. Januar 1927 — Mannheim, [1926]

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denen weniger Munch als vielmehr seine Nachfolger und Nach»
ahmer erlegen waren und die uns heute weniger wichtig sind.
Daß seine Gemälde oft wie riesige Farbzeichnungen wirken,
daß sie die Fläche dekorativ stilisieren, wer möchte es leugnen?
Aber was einem Leistikow, einem Stuck einmal zum Verhänge
nis geworden ist, das darf hier der Vorschriften des Kunst»
Wissens spotten, weil es so siegreich mit Ausdrude und Not»
wendigkeit geladen erscheint. Gewiß war Munch einmal
„modern", ja modisch, die Zeitrichtung trug ihn empor. Ge»
wiß war das „Okkulte", das Spiritualistische Modestimmung
in den 90er Jahren, gehörte Exzentrisches zu der Lieb»
haberei der Boheme des Jahrhundertendes. Gewiß wären die
fast mediumistischen Züge in der Frühzeit des Meisters, wäre
dieses plötzliche Auslassen der
bleiben der Leinwand, dieses aufkhiE-

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Radierungen, dieses oft nur halb ME_t
Formen bei jedem anderen Maler =_
der versagenden Schwäche. Bei E ™
es — nehmt alles nur in allem — E_
psychischen Hemmungen, Verlegt ^

Aengste, das tief Unbehagliche dieE
weil es nicht nur krankhaft» zwaiEE o
lieh notwendig, ja unerhört bedeutE
Ausdrude einer ewigen Anlage un:E"
sie sich im Konflikt mit heutiger E—
wendig entwickeln mußte.

Die Persönlichkeit siegt. WasE-^
bedenklich schien, scheint heute nE.
solches an Aktualität eingebüßt hat.ELF
logische, vor kurzem noch aus guten <=_
wieder zugegeben werden. Wir vE_co
Künstler auch ein Dichter, in jede -
stecken muß. Und was man an FcE ^
gerügt hat, kann uns, die wir den E
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uns im Wege, daß das, was wir amE“
als Gefahr empfanden, auch an ihtr=~
zu fürchten schien. Und was man „E—

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