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o bald man anfteng auf dem lande und in den Garten seinen Aufenthalt zu
nehmen, führte Zuerst die Nothwendigkeit Wohngebäude ein. Die Fürsten
baueten Lustschlösser, und der Adel und der Bürger Landhäuser, die nach Umfang,
Architektur, Einrichtung und Charakter von einer großen Verschiedenheit waren.
Man führte sowohl in großem als in kleinern Garten minder beträchtliche Gebäude
ein, sowohl zur Verzierung, als auch Zum kurzen Aufenthalt und zum Genuß ländli-
cher Vergnügungen. Es entstanden kleine Gartengebaude, Pavillons, Lusthauser,
Lustkabinette, Vogelhäuser u. s. w. Man suchte nicht lange darauf den Bezirk der
Ergötzungen, der Einbildungskraft und des Geschmacks zu erweitern, indem man
Gebäude einführke, die Zu dieser Absicht behülfiich schienen. Man legte Grotten,
Einsiedeleyen, Ruinen, Tempel an, nicht sowohl zur Bewohnung, als vielmehr,
um mit diesen nachgeahmten Werken die Phantasie zu beschäftigen, und die Garten-
platze mehr zu beleben.. Man zierte sie mit Inschriften. Zum Ausruhen waren
Sitze, zur Verbindung der getrennten Theile Brücken und Thore nöthig; man er-
kannte indessen, daß sie zugleich Mittel der Verzierung werden konnten. Man gieng
weiter. Man stellte Statuen und Monumente auf.
Es ist sichtbar, daß ein Theil dieser Werke der Künste mehr Nokhdurft und
Bequemlichkeit, ein anderer Theil mehr Verzierung ist. Zuweilen kann einerlei)
Gegenstand an einem Ort Bedürfniß, und an einem andern Orte bloße Verschöne-
rung seyn. In sehr vielen Fällen kann diese so hervorstechend werden, daß man ver-
gißt, daß die Nothwendigkeit die erste Veranlassung dazu gab.
Die ältesten Garten waren von Werken der Künste noch sehr entblößt; m einer
bemoosten Hütte, in einem prachtlosen Landhäuschen sättigte sich der unverwöhnte
A 2 Geschmack
 
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