Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 10.1889

Page: CCCXXVI
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Ergänzungen zu ßurgkmair's Genealogie des Kaisers Maximilian L

schwarz, wogegen der Druck in der Hofbibliothek dort
weiss ist. Der Zustand in der Ambrasersammlung ist
also der frühere.

Ohne Aenderung scheinen folgende Blätter geblieben
%u sein: Nr. i, 45, 46, 47, 4g, 5j, 54, 5j, 58, 5g, 60,
61, 62, 63, 64, 65, 66, 67, 68, 6g, 70, 72, y5, 76.

DerWappenschildfehlt beifolgenden Probedrucken
in der Ambrasersammlung: Nr. 2, 5, 7, 8, g, 10, 13,
14, i5, 16, 17, 18, ig, 20, 21, 26, 2g, 30, ßS, 36, 37, 38,
3g, 40, 41, 42, 43, 5o, 5i, 52, 55.

Was noch übrig bleibt, also 3, 4, 6, 11, 12, 22, 23,
24, 25, 27, 28, 31, 32, 33, 56, \eigt irgend eine unbe-
deutende Verkümmerung, die als Druckverschiedenheit
angesehen werden kann und nicht als Etat gelten muss.

Mehr als die angeführten Unterschiede aber inter-
essirt uns hier der Umstand, dass sich neben den eigent-
lich schon bekannten Figuren im Ambraserbande auch
noch Probedrucke von Figuren %ur Genealogie des Kai-
sers Maximilian finden, die bisher gänzlich unbe-
kannt waren. So ergänzen sich also die von Laschit^er
publicirte Reihe und die im Ambraserbande vorhandene
gegenseitig. Hier werden die bis heute unveröffentlichten
Blätter der Ambrasersammlung in photolithographischem
Druck wiedergegeben. Ich bezeichne sie mit den Num-
mern von 78 aufwärts, damit sie unmittelbar an
Laschit^ers Reihe angeschlossen werden können. Kleine
Abweichungen in den Dimensionen der neuen Drucke
von denen der Originale waren nicht zu vermeiden.

Wen die Figuren vorstellen, lässt sich ohnewei-
teres bei den meisten nicht einmal vermuthungsweise
sagen, da vielen jede Beischrift, jedesWappen fehlt. Die
sitzende Königsfigur (Nr. 81) stellt wohl Philipp den
Schönen als König von Castilien vor. Sie entspricht un-
gefähr jener Zeichnung, die Quirin von Leitner aus dem
Tetschener Codex im VII. Jahrbuchsbande veröffentlicht
hat. Die Unterschiede sind indess nicht ganz unbe-
trächtlich.

Die ^weite sitzende Figur eines Königs (Nr. 83)
entspricht mit ungleich grösserer Uebereinstimmung der
Zeichnung aus dem Tetschener Codex, die Quirin von
Leitner als Ludwig II, König von Ungarn, abgebildethat.

Die aufrechtstehende Jünglingsfigur (Nr. 87)
dürfte abermals Philipp den Schönen vorstellen, wenn

ich nach dem Wappen und den Gesichtszügen so
schliessen darf.

Nr. 88, ein Er^her^og im Knabenalter, dürfte den
nachmaligen Kaiser Karl V. vorstellen.

Es scheint, dass man besonders bezüglich der beiden
Letztgenannten im Zweifel war, in welcher Form sie inder
Genealogie ^u erscheinen hätten, da von der Darstellung
Philipps des Schönen drei Varianten vorhanden sind und
auch für Karl neben dem erwähnten Knabenporträt
(Nr. 88) noch ein zweites, für die Genealogie bestimmtes
Abbild im Tetschener Codex erhalten ist (Reg. Nr. 458o).

Durch den Probedruck Nr. 88 scheint das Bild
der Rückseite hindurch, das sich bei einigem Zusehen
als der Probedruck Nr. 87 ergibt.

Dass der müde Landmann, der auf Nr. go dar-
gestellt ist, sicher zur Genealogie gehört, lässt sich aus
dem räumlich gemeinsamen Vorkommen im Ambraser-
bande vermuthen, der sonst keinerlei Kunstdrucke ent-
hält. Die Frage, ob er etwa den alternden Kaiser Ma-
ximilian vorstellt, wüsste ich nicht %u beantworten.

Das Vorhandensein einer längeren Reihe von Probe-
drucken, aus denen offenbar manche (meist schwächere)
Blätter ausgeschieden worden sind, Stützt einige Ver-
muthungen, die Quirin von Leitner ausgesprochen hat. Es
wird dadurch höchst wahrscheinlich, dass Kaiser Maxi-
milian dem beabsichtigten Werke eine Art Redaction hat
angedeihen lassen. Dabei dürften einige der Blätter,die sich
hier neu mitgetheilt finden, ausgeschlossen worden sein.

Wie Laschit^er wohl richtig annimmt, ist eine
eigentliche Auflage gar nie abgezogen worden. Der Codex
der Hofbibliothek mit den 77 Schnitten mag aber das
Handexemplar vorstellen, das nach geschehener Redac-
tion durch den Allerhöchsten Auftraggeber für diesen
zusammengestellt worden ist. Dabei scheint von der ur-
sprünglichen breiteren Anlage des Ganzen, die unter
Anderem auch die Descendenz von Kaiser Maximilian
umfasste, abgegangen worden zu sein. Die Vermuthung,
dass die Genealogie auch in absteigender Linie fortge-
setzt werden sollte, hat schonQuirin von Leitner auf Grund-
lage der Zeichnungen im Tetschener Codex mit Bestimmt-
heit geäussert. Sie findet durch die hier mitgetheilten
Probedrucke die vollste Bestätigung.
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