Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 14.1893

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INVENTARE AUS DEM ARCHIVO DEL PALACIO ZU MADRID,

HERAUSGEGEBEN VON

DB- RUDOLF BEER,

AMANUENSIS DER K. K. HOFBIBLIOTHEK.

Vorbemerkung.

Trotz der während der letzten Decennien in immer
reicherem Masse erfolgten Publicationen von Urkunden,
welche die spanische Kunstgeschichte betreffen, — es
braucht hier nur an Namen wie Zarco de! Valle, Pedro
de Madra^o, Davillier, Plön u. a. sowie an die in
diesem Jahrbuche niedergelegten Urkundensammlungen
erinnert %u werden — mag das Fehlen eines um-
fassenden Inventars einer grösseren Kunstsammlung
und natürlich hier in erster Linie eines solchen, das
die Schätze des regierenden Hauses betrifft, als eine
Lücke schmerzlich empfunden worden sein.

Allerdings existirt unseres Wissens keine solche
umfassende Registrirung aus jener Zeit, auf welche
sich die meisten der Publicationen, die wir im Auge
haben, beziehen. Das XVI. Jahrhundert bedeutet für
Spanien in mehr als einer Hinsicht eine Art geschlos-
sener Kunstperiode: man begann den Besitz zu über-
schauen nicht, da man sammelte sondern da man
gesammelt hatte. Und so ist uns naturgemäss erst aus
dem Schlüsse des genannten Zeitraumes eine zusam-
menfassende Darstellung des bedeutendsten spanischen
Kunstschatzes erhalten, welche nicht nur alle spanischen
Aufzeichnungen dieser Art an Bedeutung weitaus über-
trifft sondern nach dem Urtheil aller Sachverständigen
als Unicum ersten Ranges hingestellt werden muss:
das Inventar der Kunstschätze Philipp II. zur Zeit
seines Ablebens. Es war daher dem Schreiber dieser
Zeilen, als er im Auftrage des hohen Oberstkämmerer-
Amtes Seiner k. und k. apost. Majestät die spanischen
Archive und Bibliotheken mit Rücksicht auf Urkunden
über die Kunstbestrebungen der spanischen Habsburger
durchforschte, als nächste Aufgabe gestellt worden,
dieses im Palastarchive zu Madrid aufbewahrte In-
ventar zu studiren und die Veröffentlichung desselben
in allen seinen kunstgeschichtlich wichtigeren Theilen
anzubahnen.

Die vorliegende Publication bietet das Ergebniss
der in diesem Sinne unternommenen Arbeiten.

Das Madrider Palastarchiv hat die Bestimmung,
alle das königliche Haus speciell betreffenden Urkunden
aufzunehmen. Es ist gewissermassen, zeitlich genom-
men, eine spätere Ergänzung des Generalarchives zu
Simancas, was den Inhalt der Urkunden anbelangt, auf
XIV.

den Palast, auf die Krone beschränkt, während die
Schätze in Simancas ganz Spanien, ja die ganze civili-
sirte Welt umfassen.

Aus diesem Grunde finden sich im Madrider
Palastarchive nur sehr wenig Karl V. betreffende Ur-
kunden, welcher mehr der Politik und den Entschei-
dungen auf der Wahlstatt als der Familie lebte. Von
Philipp IL, III. und IV. finden sich Acten in unab-
sehbarer Zahl.

Das hier vorgelegte Inventar ist bereits von ver-
schiedenen Forschern, allerdings nicht in zureichender
Weise, zur Benützung herangezogen worden. Pedro
de Madrazo hat in seinem trefflichen Grundrisse: Viaje
artistico de tres siglos por las colecciones de cuadros
de los Reyes de Espaha, Barcelona 1884, p. 54, blos
die Ueberschriften der Bilderabtheilungen mitgetheilt,
einige Notizen aus diesen ganz kurz se'nem be-
kannten Katalog des Museo del Prado verwerthet.

Auch sonst wurden einzelne Partien des Inven-
tars von verschiedenen Gelehrten abgeschrieben, jedoch
nur gelegentlich zur Mittheilung gebracht.

Wenn Justi in seinem gediegenen Aufsatze: »Die
spanische Brautfahrt des Prinzen von Wales im Jahre
1623« (Deutsche Rundschau, Bd. XXXVI, Jahrg. 1883,
p. xqj—232) berichtet (p. 211), dass das Inventar Phi-
lipp II. im Palastarchive fünf Foliobände umfasse, so
bedarf diese Notiz e'ner Modificirung. Es ist aller-
dings richtig, dass fünfgleichmässig eingebundene Folio-
bände auf dem Rücken den Titel: Inventario . . . Felipe
segundo tragen. Das eigentliche Inventar ist jedoch in
Band I und II enthalten, die eine geschlossene Einheit
bilden, ca. 20.000 Artikel anführen und für alle Studien
auf diesem Gebiete die Grundlage zu bilden haben.

Eine Vergleichung von Band III und IV mit Band
I und II lehrte, dass III in engerer Schrift wesentlich
dasselbe enthält wie Band I und II. Einiges ist weg-
gelassen — gleich die erste Rubrik fehlt —, Anderes
geändert. Band IV bezieht sich speciell auf den Ver-
kauf und registrirt die Gegenstände nach dem Absätze,
den sie fanden.

Mit Band V hat es seine eigene Bewandtniss.
Dieser Band gehört nur äusserlich zur Collection und
der Rückentitel Felipe II. ist falsch. Thatsächlich ent-

a
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