Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 14.1893

Seite: 346
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DR ERNST RITTER VON BERGMANN.

m 26. April 1892 starb in Wien Dr. Ernst Ritter von Bergmann, Custos der Sammlung
ägyptischer Alterthümer des Allerhöchsten Kaiserhauses, im neunundvierzigsten Jahre
seines Lebens, im dreissigsten seiner Dienstleistung.

Geboren am 4. Februar 1844 zu Wien als Sohn des nachmaligen Directors des k. k. Münz-
und Antiken-Cabinets und der Ambrasersammlung und wirklichen Mitgliedes der kaiserlichen Aka-
demie der Wissenschaften Dr. Josef Ritter von Bergmann (geboren zu Hittisau i3. November 1796,
gestorben zu Graz 29. Juli 1872) und der Louise von Bergmann, gebornen Freiin von Pratobevera
(geboren 15. October 1807, gestorben 2. October 1888), einer jüngeren Schwester des ehemaligen
Justizministers, absolvirte er daselbst das Gymnasium, studirte hierauf an den Universitäten von Wien
und Göttingen und trat im Jahre 1862 in den Dienst der kaiserlichen Sammlungen, von welchen er die
orientalischen Münzen und die ägyptischen Alterthümer in einer den Ergebnissen der neueren For-
schung entsprechenden Weise bearbeitete.

Namentlich die Aegyptologie erlitt durch seinen Tod einen empfindlichen Verlust; denn des
Verblichenen zahlreiche, vielseitige und jederzeit gediegene Arbeiten auf diesem Gebiete zeichneten
sich ebensowohl durch umsichtige Gelehrsamkeit und gesunde Kritik als durch Methode der Forschung
und Klarheit in der Darlegung der gewonnenen Resultate aus. Dazu kam ein wohlthuender Hinter-
grund echt wissenschaftlicher Wahrheitsliebe, welche seine Arbeiten durchleuchtete und das Ansehen,
das er in allen Fachkreisen genoss, noch erhöhte.

Er war es, durch dessen Wirken innerhalb des Rahmens der Sammlung altägyptischer Objecte
des Allerhöchsten Kaiserhauses diese früher ziemlich unbeachtet gebliebene Collection, welche Stücke
ersten Ranges besitzt, der Wissenschaft erst vollständig erschlossen wurde.

Denn erfreute sich auch die genannte Sammlung seit ihrer Gründung im Jahre 1823 in Folge
des regen Verkehres der jeweiligen Directoren mit hervorragenden französischen Aegyptologen, wie
Champollion le jeune und Vicomte E. de Rouge, beständiger Aufhellungen (bereits 1826 war vom
Director des k. k. Münz- und Antiken-Cabinets Anton von Steinbüchel durch seine »Beschreibung der
k. k. Sammlung ägyptischer Alterthümer« ein für jene Zeit vortrefflicher Leitfaden zur Orientirung
verfasst worden), so bedingten doch die ausserordentlichen Fortschritte in den hamitischen und speciell
ägyptologischen Wissenschaften, wie sie sich vorzugsweise in den Werken von Hincks, Samuel Birch,
Goodwin, C. Leemans, W. Pleyte, Mariette, de Rouge, Chabas, Pierret, Deveria, Maspero, Reinisch,
Rosellini, Lanzone, Schiaparelli, Naville, Lieblein, Piehl, Valdemar Schmidt von Kopenhagen, Lepsius,
Brugsch, Dümichen, Ebers, Eisenlohr zeigten, allmälig eine sehr viel erweiterte und specifisch wissen-
schaftliche Bearbeitung derselben. Da war es nun vorzugsweise v. Bergmann, welcher mit angeborenem
Talente und hingebungsvollem Eifer das tiefe Dunkel, welches bis zu seinem Wirken noch über den
zahlreichen seiner Obhut anvertrauten Objecten gelagert hatte, in solchem Grade zu zerstreuen ver-
standen hat, dass bei seinem Hinscheiden keine Inschrift der Tausende von schriftbedeckten Schätzen,
die seiner Fürsorge unterstanden, ungelesen geblieben war.
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