Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 14.1893

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K. k. Statthalterei-Archiv in Innsbruck.

veranschlagte Gewicht des Brunnens betreffend, hätten sie
gefunden, dass das Werk, wenn es nach der Visirung
ausgeführt werden solle, geringer nicht herzustellen sei.
Die Schüssel oder das Becken sei eben weit und werde
gan\ anders ausgeführt als es im gmäl aussehe. Aller-
dings könnten aber durch Weglassen der knorren
oder puggl nahe an 10 Centner Metalls erspart
werden.

In Betreff des zu Kaisers Maximilian I. Grabmal
gehörigen Bildwerks, für welche Arbeit Colin iooo Gul-
den sammt dem Unterhalt verlange, hätten sie sowohl
hinsichtlich der Bilder als auch der anderen Tum Grab-
male gehörigen Stücke einen Ueberschlag gemacht, wie
viel jedes einzelne an Gewicht halten, wie viel Wachs
und anderes Zeug dazu nothwendig sein würde, wie aus
beifolgendem Particulare zu entnehmen sei, worauf
sie dann mit Colin verhandelt hätten, was er für
das Schneiden der einzelnen Bilder und Stücke ver-
lange.

Und wiewol er von den vorbegerten tausent gul-
din sambt der Unterhaltung, weil er an den vier grossen
pildern arbait, zu weichen nit vermaint hat, in be-
denkung, das dieselb ausserhalb der vier grossen
pilder nit allain nur geschnitten werden muesse, wie
euer gnad vielleicht vermainen, sonder wann's schon
geschnitten ist, das er's zum andern mal in ybs ab-
formen und mit demselben zu prennen und zuezu-
richten vil mue haben und folgends erst von wax in
ybs giessen muesse, so aber auch nit alles geratt und
oft zu Zeiten zwai oder dreumal von wax gegossen
werden muess, ee ains recht geratt, welches alles und
folgends, wann's gössen ist, mit dem ausberaiten und
seubern vil zeit hinnemb. Wenn aber das zum Grab
und Brunnen gehörige kleine Bildwerk auch nur ein-
fach zu schneiden wäre wie die grossen Bilder, wolle
er dieselben um 200 Gulden, den Brunnen um 5o Gul-
den billiger machen. Ungeachtet dessen habe aber
Colin sein Begehren zuletzt doch nach den Stücken
gestellt und sei trotz ihrer Vorstellungen darauf
beharrt.

Nach reiflicher Erwägung der Sache fänden sie
nun, dass Colin das von ihm Verlangte wohl verdiene,
daher sie ihm nichts abgesprochen wissen möchten. Er
werde seine Arbeit ohne allen Zweifel sauber und
fleissig verrichten und es wäre nicht bald Einer zu be-
kommen, der diese Arbeit um solchen Preis übernehmen
würde. So kunstliche meister wie Colin seien mit ge-
ringem Gelde nicht ins Land zu bringen. In Betreff
seines Verlangens, dass ihm, so lange er an den vier
grossen Bildern, die er in der Werkstätte der beiden
Löffler machen müsse, arbeite, der Unterhalt gegeben
werde, da er und die Gesellen von ihrer Herberge bis
zur Werkstätte einen weiten Weg machen müssten,
hätten sie ihm nichts ^"gestanden, brächten dies aber
auf seinen Wunsch zur Kenntniss der Regierung, auf
deren Geneigtheit es ankomme, ihn für solche Ver-
säumniss und Ungelegenheit entsprechend zu ent-
schädigen.

Dem weiteren Befehle der Regierung, Colins
Arbeiten zum Grabmale zu untersuchen, ob sie den
Visirungen vollkommen gemäss und die Historien ge-
nugsam erhebt gemacht worden seien, sei Uschall nach-
gekommen und dieser habe nach seinem Verständniss
nichts Anderes finden können, als dass die historien den

visierungen gleichmässig und genugsam erhebt seien.
Von den Historien seien dreizehn ganz vollendet und
sieben davon noch zu bezahlen. Colins Verdienst hiefür
betrage 1400 Gulden; was der Meister aber davon be-
reits empfangen habe, könne bei der Kammer erhoben
werden. Drei Historien habe Colin noch in der Arbeit
und würden dieselben binnen fünf Wochen vollendet,
da daran gar wenig mehr zu arbeiten sei. Colin bitte
deshalb, ihm ausser den jüngst verordneten 200 Gul-
den weitere 300 Gulden anzuweisen, da er das Geld
dringend benöthige. Endlich möge die Regierung dafür
sorgen, dass ehemöglichst mehr Visirungen oder Hi-
storien geschickt würden. Den Hauszins betreffend,
sei dieser dem Colin für i56~4 mit 26 Gulden an-
zuweisen.

Or. mit den eigenhändigen Unterschriften und Petschaften
des P. Uschall, der beiden Löffler und des Ä. Keener, A. VII. —
Demselben liegt bei:

Verzaichnus der pilder, so zu weilend kaiser
Maximilians begrebnus geschnitten und ge-
gossen werden sollen; wievil man metall, wax
und ybs darzue notturftig sein und zu schnei-
den gesteen werden.

Erstlichen kaiser Maximilian kniend pildnus mit-
sambt dem kiss und decken, darauf er kniet, auf dis
pild ist angeschlagen 3o centen metall und 3 centen wax
und wirdet zu schneiden gesteen 150 fl.

Zu den zwaien kindlen, so vor kaiser Maximilians
pildnus mit iren fackln steen und ain offen puech halten,
ist angeschlagen 3 centen metal und 50 pfund wax.

Zu den zwaien kindlen, so hinder kaiser Maxi-
milian mit iren fackeln steen, ist angeschlagen 2 centen
metal und 50 pfund wax und von disen vier kindlen
zu schneiden 100 fi.

Auf das kaiserlich wappen sambt den zwaien
greifen und kaiserlichen cron ist angeschlagen 5 centen
metal, 50 pfund wax und davon zu schneiden 70 fl.

Auf die sechs kindlen auf dem obern gesimbs ist
angeschlagen 3 centen metal, 1 centen wax und davon
zu schneiden 120 fl.

Auf die vier adler auf den vier eggen ist ange-
schlagen 2 centen metal, 40 pfund wax und davon zu
schneiden 80 fl.

Auf die drei pilder oder Virtutes unter die egg
angeschlagen 3o centen metal, 3 centen wax und davon
zu schneiden 200 fl.

Das viert pild ist durch weilend maister Noe
Lehner, pildhauer, schon in wax geschnitten aber das
metal darauf angeschlagen 10 centen.

Auf die untern leisten oder friesen mit den kriegs-
rüstungen, so 36 werkschuech lang sein, wirdet ange-
schlagen 10 centen metal, 80 pfund wax und davon zu
schneiden 180 fl.

Suma des metals 95 centen.

Suma des wax 9 centen 70 pfund.

Suma des schneiderlons 900 fl.

Prunnen.

Zu dem prunnen ist angeschlagen 50 centen metal,
50 pfund wax und davon zu schneiden für cost und
Ion 200 fl.

Und zu aller obgeschribner arbait noch 12 cen-
ten ybs.
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