Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 17.1896

Page: 101
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DIE PORTRÄTSAMMLUNG DES ERZHERZOGS FERDINAND

VON TIROL

Von

Dr. Friedrich Kenner.

Die italienischen Bildnisse.

WEM

achdem in den beiden ersten Theilen dieser Publication, wie es nahe lag, die
Bildnisse des Erzhauses und jene des lothringischen Hauses nebst einigen älteren
Fürstenbildern nunmehr österreichischer Länder und Ungarns1 sowie endlich die
deutschen Bildnisse besprochen worden sind,2 hat sich die Fortsetzung mit den
italienischen zu beschäftigen. Mit ihnen beginnt die dermalige Aufstellung der
ganzen Sammlung; an ihrer Spitze stehen Päpste, Cardinäle und Bischöfe
nebst einzelnen Kirchenlehrern und Ordensheiligen, wofür nicht so sehr
die allgemeine, weltgeschichtliche Stellung, welche die Kirche und ihre Vertreter einnehmen, als spe-
ciell ihre Bedeutung für die Entwicklung der Kunst den Ausschlag gab. Diese hat nicht blos in Italien
sondern auch in Deutschland und in allen übrigen Ländern von jener Seite her Impuls und Object
ihrer Thätigkeit empfangen, insbesondere aber in ihrem Mittelpunkte Rom selbst zu allen Zeiten die
Blüthen ihrer Schöpfungen niedergelegt. In den Bildnissen der genannten Reihe wird dies sehr deut-
lich hervortreten, indem keine andere für die zu Grunde liegenden Originale die gleiche Zahl von
Meisterwerken ersten Ranges aus verschiedenen Zeitläuften ausweist.

An sie erst werden sich die Fürstenbildnisse italienischer Staaten anreihen, deren vorwiegend
localer Charakter die geographische Anordnung empfahl. Es folgen daher zunächst die oberitalieni-
schen Staaten, soweit sie in den Bildnissen unserer Sammlung vertreten sind: Venedig, Mantua,
Verona, Mailand, Savoyen und Parma; hieran schliessen sich die mittelitalienischen: Urbino
und Florenz, an diese endlich Neapel. Den Schluss bilden die italienischen Celebritäten, welche
nach dem Alphabet ihrer Zunamen in eine Reihe vereinigt wurden, dies lediglich aus praktischen
Gründen, um sie ohne Rücksicht auf die Städte, in denen sie geboren sind, und auf die Berufsarten, in
welchen sie sich hervorgethan, leicht auffinden zu können.

Päpste.

Die Sammlung des Erzherzogs Ferdinand besitzt nicht mehr als 42 Päpstebildnisse. Die Auswahl
ist also eine beschränkte. Sie übergeht die älteren Päpste nahezu ganz. Vom IV. bis zum X. Jahr-
hunderte sind nur vier, aus dem XI. nur eines, aus dem XII. nur drei Bilder vorhanden; ebenso fehlen

1 Jahrbuch XIV (1892), S. 37 ff.
= Jahrbuch XV (1893), S. 147 ff.
XVII.

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