Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 17.1896

Page: 307
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Fig. i. Karl V. und Ferdinand I.

DER MÖMPELGARTER FLÜGELALTAR DES HANS LEONHARD SCHÄUFELEIN

UND

DER MEISTER VON MESSKIRCH.

Von

Heinrich Modern.

I. Zur Geschichte des Flügelaltars.

m ig. November 1615 erblickte in Stuttgart ein Sohn des regierenden Herzogs
Johann Friedrich von Württemberg und der Herzogin Barbara Sophie, Schwester
des Kurfürsten Johann Siegmund von Brandenburg, das Licht der Welt. Im
März des Jahres 1616 fand die Taufe des jungen Prinzen statt, zu welcher Herzog
Johann Friedrich zahlreiche Einladungen an regierende Häupter des deutschen
Reiches, den Adel und an die Reichsstädte hatte ergehen lassen. Unter den durch-
wegs evangelischen Fürsten, die dieser Aufforderung nachgekommen waren, er-
schien als Vertreter des Herzogs Philipp II. von Pommern-Stettin am 17. März der vielgenannte Augs-
burger Patricier Philipp Hainhofer in Stuttgart.

In seiner bekannten weitschweifigen und redseligen Weise hat Philipp Hainhofer über die Stutt-
garter Kindtaufe vom Jahre 1616 seinem Mandanten eine »Relation« erstattet, von welcher zwei Ab-
schriften erhalten sind, deren eine sich in der herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, die zweite in
der Universitätsbibliothek zu Heidelberg befindet. Professor Adolf von Oechelhäuser hat in den »Neuen
Heidelberger Jahrbüchern« (Jahrgang I, Heft 2, Heidelberg, G. Koester, 1891) diese Relation mit einer
historischen Einleitung und mit Anmerkungen veröffentlicht.1

In erster Linie berichtet Hainhofer über die Festlichkeiten, den Empfang der Gäste, die Fest-
gelage, die Taufe, die Bälle, die Turniere zu Pferd und Fuss, Kübelrennen, Feuerwerke, italienische
Possendarstellungen (Commedie dell' arte) etc. etc. Aber der vielgereiste und gebildete Staatsmann,
der weltkluge und erfahrene Patricier des grossen Augsburg, insbesondere aber der Kunstfreund und
Sammler kommen in seinen Schilderungen stets zur Geltung und verleihen ihnen bleibenden cultur-
und kunsthistorischen Werth. Wir gewinnen aus ihnen ein farbenfrisches Bild vom Leben an Fürsten-
höfen zu Beginn des XVII. Jahrhunderts, ein Bild, das durch den grossen deutschen Krieg und seine
Verwüstungen bald gründlich umgestaltet werden sollte.

1 Zu den von Oechelhäuser, S. 25g, aufgezählten, uns erhaltenen Handschriften von Hainhofer'schen Relationen wäre
ad Nr. 9 nachzutragen die Handschrift der Wiener k. k. Hofbibliothek »Relatio Philippi Hainhofers, fürstlichen Pommer-
schen und Lünenburgischen raths, von haus aus burgers und assessoris des löblichen Stattgerichts in Augspurg, nachher
Dresden verrichter raise anno 1629« (Codex Manuscript., Nr. 883o) mit vielen Holzschnitten und Kupferstichen.

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