Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 26.1906/​1907

Page: 373
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EIN PRUNKSCHRANK DES PRINZEN EUGEN.

Von

Arpad Weixlgärtner.

Im Jänner 1905 fanden die Sammlungen von
Waffen und kunstindustriellen Gegenständen des
Allerhöchsten Kaiserhauses ihren zwar höchst
wertvollen, aber nicht allzu reichhaltigen Besitz
an Möbeln auf ebenso unerwartete wie erfreu-
liche Weise um ein Prunkstück ersten Ranges
vermehrt, um ein nicht weniger charakteristisch
als kostbar ausgestattetes barockes Kabinett, das
Herr Gustav Benda aus Wien, der feinsinnige
Kunstfreund und erfolgreiche Sammler, dem
kunsthistorischen Hofmuseum, dessen alten
Schätzen einen neuen ebenbürtigen hinzu-
fügend, hohen Herzens gewidmet hatte.1 Daß
der vorzüglich erhaltene Schrank, wie auf den
ersten Blick ersichtlich ist, mit einem der glän-
zendsten Namen der österreichischen Geschichte,
mit dem des Prinzen Eugen, im engsten Zusam-
menhange steht, steigert natürlich seinen Wert,
nicht nur im allgemeinen sondern namentlich
für die habsburgische Kunstsammlung.

Der Schrank, der nunmehr als Inv.-Nr. 7163
der kunstindustriellen Sammlung einverleibt ist,
war von dem Antiquar M. Salomon in Dresden
erworben worden, der ihn schon längere Zeit auf
dem Lager hatte. Herr Salomon gab an, daß
das Kabinett ein Werk des Augsburger Gold-
schmieds Johann Andreas Thelot und dem Prin-
zen Eugen anläßlich der Schlacht von Peterwar-
dein von Kaiser Karl VI. verehrt worden sei. Dieselben Angaben finden sich auch in dem mir von
Herrn Salomon freundlichst zugesandten Supplement d'Art des New York Herald vom 3. April 1904,
wo auch in kleinen Autotypien eine Gesamtansicht des Möbels2 und die in seinem Innern angebrachte
Federzeichnung mit der Schlacht von Peterwardein abgebildet sind. Jene Angaben versichert Herr
Salomon von dem früheren Besitzer des Schrankes erhalten zu haben, dessen Namen geheimzuhalten er
sich seinerzeit habe verpflichten müssen.

Fig. I. Fama.

1 Seither verdanken die genannten Sammlungen Herrn Benda schon wieder andere gleich hervorragende Bereiche-
rungen: das Schriftmusterbuch Francesco Alunnos da Ferrara (März 1905) und zwei Bleistatuetten Georg Raphael Donners
(Februar 1906).

2 Eine solche auch in Kunst und Kunsthandwerk, Wien 1906, IX, S. 261.

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