Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 26.1906/​1907

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AKTENSTÜCKE

ZUR

GESCHICHTE DER WIENER KUNSTKAMMER

IN DER

HERZOGLICHEN BIBLIOTHEK ZU WOLFENBÜTTEL

HERAUSGEGEBEN VON

WILHELM KÖHLER.

Vorbemerku ng.

Die herzogliche Bibliothek in Wolfenbüttel ent-
hält in der Abteilung «Novi» ihres Handschriften-
bestandes unter Nr. 370 und 371 zwei Stösse von teils
gehefteten, teils geheftet gewesenen Lagen und Einzel-
blättern von Papier, die im Laufe der Zeit vollständig
durcheinander geraten sind.1 Über die Provenienz der
beiden Faszikel, auch über die Zeit der Erwerbung
durch die Bibliothek war nichts zu ermitteln. Ehemals
waren sie eingeschlagen in ein jetzt zerrissenes Papier,
auf dem in verzierten Kapitalen steht: Inventaria
keiserlicher Sachen und sonderlich das haus Oester-
reich betr. | 42.

Es wird infolge der chronologischen Anordnung
der Aktenstücke notwendig sein, gleich im Anfang die
zusammengehörigen Gruppen festzustellen und mit kur-
zen Bezeichnungen zu belegen, um die Untersuchung
ihres Verhältnisses zu einander zu erleichtern.

A. Nr. 370, fol. io5—1S2. Nr. 371, fol. igg—48g.

Inventar von 2082 Objekten mit fortlaufender Num-
merierung, ohne nähere Bezeichnung; nach einer bis auf
Abweichungen in der Orthographie genau entsprechen-
den Handschrift des Haus-, Hof- und Staatsarchives in
Wien gedruckt in diesem Jahrbuch, Bd. XX, S. XLIXff.
Die Nummern des Wolfenbüttler Verzeichnisses — also
in A — entsprechen den hinter der Objektbeschreibung
stehenden Nummern im Drucke — der die Bezeichnung
D erhalten möge —, da das dort vorangehende Bücher-
verzeichnis hier fehlt. Korrekturen und Zusätze in A,
das auf schlechtem Papier mit größter Flüchtigkeit

1 Meinem Vater, Dr. Fran\ Köhler, danke ich für den Hin-
weis auf die Handschrift, Herrn Oberbibliothekar Prof. Dr. Milch-
sack für gütiges Entgegenkommen bei ihrer Benützung.

XXVI.

geschrieben ist, sind in D durchweg berücksichtigt. Man
wird demnach annehmen dürfen, daß D mittelbar oder
unmittelbar auf A zurückgeht. Dabei scheint schon A
eine ältere Vorlage zu benützen; wenigstens deuten dar-
auf einige Stellen hin, wo der Schreiber, offenbar weil
er im Zweifel über die Lesung der Vorlage war, zwei
Lesarten nebeneinander bringt, von denen erst die kor-
rigierende Hand nachträglich die eine gestrichen hat.1
Durch die Übereinstimmung mit D ist A bestimm-
bar als Verzeichnis der Hinterlassenschaft von Kaiser
Matthias an Kunst- und Wertgegenständen, so weit sie
sich 161g in der kaiserlichen Burg in Wien befanden,
oder doch eines Teiles derselben. Die Aufnahme des
Inventars begann, nachdem Matthias am 20. März ge-
storben war, wie wir wissen,2 erst nach Anfang Juni;
wann sie beendigt wurde, ist nicht bekannt. Eine Reihe
von Randbemerkunsen in A gibt über die Ausscheidung
einer Anzahl von Objekten aus dieser Hinterlassenschaft
Auskunft, wovon weiterhin noch die Rede sein wird.

B. Nr. 370, fol. 9 —12. Nr. 370, fol. 161— 4~6.
Nr. 3-1, fol. i—i5o. Nr. 370, fol. 71—79-

Lagen von verschiedener Stärke mit Nummerierung
von 1 bis 2Q auf jedem Umschlag und nachfolgenden
Überschriften :

1 An dieser Stelle mag ein sinnstörender Fehler in der Hand-
schrift des Staatsarchives korrigiert werden. Dhat unter Nr. 385z:
ein frauenbildnuss von Albrecht Dierer i5o8 mit Ferdinandi . . . bild-
nuss. A hat fol. 460': ein frauenbildnuss von Albrecht Dierer 1:08.
1 deto mit Ferdinandi . . . bildnuss. C ls. unten! hat fol. 63' noch
anders: ein fürstlich bild! von Albrecht Düercr anno l5o8. 1 dito
mit Ferdinandi .. . bildnus. Da es sich nur um die bekannte, «Agnes
Dürer» benannte Medaille handeln kann, ist sicher die Fassung von
A die richtige.

2 Jahrbuch XX, Reg. 17407, 1740g.

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