Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 27.1907-1909

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ÜBER DIE SCHICKSALE DES ILIONEUS.

Von

Fig. I. • Ghibertis Isaak
vom Konkurrenzrelief.

Alois Grünwald.

Man hat schon früh die Vermutung ausgesprochen, der jugend-

I ck von Ghibertis Konkurrenzrelief des Jahres 1401 müsse in

7 „ommenhange mit der Antike stehen. Die Schönheit
irgendeinem Z.usanuu'-"* o

. ~i „n- Hie Vornehmheit und Eleganz der Haltung, ver-
der Linienführung, av>. » o o

■ • pr Feinheit in der Ausfuhrung einzelner Details, die bei

bunden mit emei .. „ ,

• pr 7eit ihresgleichen sucht, hat stets die Bewunderung

einem Akte jenei u

j k»; Hpn Forschern aber die Frage angeregt, ob nicht ein
aller gefunden, bei den r _ e f f.'

Kunstwerk Ghiberti zu seiner Schöpfung inspiriert habe. Je

d m ersonlichen Empfinden des Einzelnen, nach seinem Ver-

\„t\Vp war man bald geneigt, eine stärkere Beeinflussung
hältnisse zur AntiKc wai o
v-„cr]prc anzunehmen, bald im Isaak (Fig. 1) ein mehr
des jungen Kunsuci

Werk zu erblicken,
selbständiges ^ Gelehrte haben sich mit Ghiberti und seiner Stel-
urf Antike beschäftigt — ich nenne von neueren Arbeiten nur
HR ockhaus' «Forschungen über Florentiner Kunstwerke», Leipzig
1 "der nur die Paradiesestür berücksichtigt ist, und J. v.
1902, wo Über einige Antiken Ghibertis (Jahrbuch der

Schlossers AbJaDd'U 8, en des Allerh. Kaiserhauses, Band XXIV,
kunsthistorischen bammiuub ... , . .' „ ,

n<jes Quellenmatenal eine erfolgreiche Forschung
Heft 4, Wien 1904), die besonders durch ihr g anz^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ heutigen Tage nkht ge.

auf historisch sicherer Grundlage erst ermöglicht a ^ ^ festzustellende Wiedergabe eines

hangen, Ghiberti «eine formlich e S^ieoac « , beziehungsweise die Frage Mch ^ Vor_

antiken Motivs» (Schlosser, b. 15» ™J / j^tw-eb Lösung zuzuführend

bild, n.ch dem Grade «iner ^.^^ gemhrt von der richtigen Er.

SET. t ° s" Ä in Form eine, Hypothese m« Ghibertis .saak in Zusammenhang g

mar ÄS -n die Annotatoren de, Vasari-Ansgabe vom Jahre ,83a, die - allerdings ohne

i- d u f onfrf jer l778 von Großherzog Leopold aus dem Besitze der
iede Begründung — die Behauptung aufstellen, der 177 ~ , , 1

' ^ , ,- u „„: i7:„^t„m Ghibertis gewesen, vermutet v. Schlosser, unser Kunstler

Familie Gaddi erworbene Torso sei Eigentum unmer g »

, . tt • c+:„f rrocphen und sich von ihm vielleicht bei der Schöpfung des

habe das Werk im Hause seines Stielvaters gesenen u 1-0

Isaak beeinflussen lassen.

,. . . .;, e;ne gelegentliche Bemerkung W. Bodes nicht übergehen, der in

! Wir möchten trotz einer kleinen Ungenaust ^ ^ Konkurrenzrej£ QhM finde sich <eine mit dern

den «Florentiner Bildhauern der Renaissance» 1902, -^^^ Figur fast g£treu kop;ert». Da sich in München kein Ido-
sogenannten Idolino der Münchener Glyptothek na e Namensverwechslung vor und es ist die von uns später heran-

lino befindet, so Hegt höchst wahrscheinlich eme hg, Figur (M tr-J alcht zu.
gezogene Statue gemeint; die Annahme einer nat1^ N 3 Brunn-Bruckmann, Denkmäler, Taf. 29.

Amelung, Führer durch die Antiken in Florenz,

er

XXVII.

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