Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 33.1916

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Rudolf Artur Peltzer.

bei vielen anderen Plänen war Sustris die treibende Kraft, der seine italienischen und niederlän-
dischen Mitarbeiter — unter denen der 1586 aus Florenz berufene Peter Candid der bedeutendste
war — nach Gefallen dirigierte. Neben diesen beweglichen und anpassungsfähigen Wanderkünstlern
italienischer Schulung hatten die einheimischen Kräfte und selbst ein so tüchtiger Maler wie
Christoph Schwarz schweren Stand, obwohl auch er ein Uberläufer war. Unter Tizians und
Tintorettos Einwirkung war Schwarz ein halber Venezianer geworden, verstand es jedoch, den
Zusammenhang mit der bodenständigen älteren deutschen Malerei noch aufrecht zu erhalten. Fassaden-
malereien hatten ihn in München berühmt gemacht und die Freskotechnik, die er bevorzugte, beein-
flußte auch seine Ölmalerei. Seit 1586 arbeitete Schwarz an seinem Hauptwerk, dem riesigen Altar
der Jesuitenkirche, der den Sieg St. Michaels über die Mächte der Finsternis verherrlichen sollte.

In diese Periode einer überaus lebhaften, gärenden und angespannten Kunstentwicklung fiel
Hans Rottenhammers Jugend. Er war 1564 in München geboren,1 wo sein Vater Thomas im
herzoglichen Hofstalle diente.2 Erst mit 18 Jahren kam Hans Rätehamer, wie er in den Zunftakten
genannt wird,3 zu dem Hofmaler Hans Donauer in die Lehre, bei dem er sich auf sechs Jahre,
also bis 1588, verdingte.4 Donauer3 war ein Maler von geringer Bedeutung, bei dem Rottenhammer
nicht viel mehr als das Technische seiner Kunst, zumal der Freskomalerei, lernen konnte. Einen
weitergehenden Einfluß auf dessen Ausbildung hat er nicht ausgeübt. Aber es war doch wichtig,
daß auch Donauer, wie aus dem noch erhaltenen Fries im Dachauer Schloß zu schließen ist,6 in
Oberitalien gewesen war. So bewegte sich Donauers Manier innerhalb der von Sustris angegebenen
Richtung. Als dessen Mitarbeiter ist er in den Jahren 1585—1588 bei der Ausmalung des Antiqua-
riums in der Residenz tätig, wo er die noch erhaltenen zahlreichen Landschaften aus Altbayern ein-
fügte. Vertrautheit mit der venezianischen Landschaftsmalerei, die man erwarten sollte, verraten
diese nach Naturaufnahmen hergestellten nüchternen Städte- und Schloßbilder allerdings nicht; sie
haben mehr deutschen Charakter.

2. Romfahrt und Aufenthalt in Venedig. 1589—1606.

Der junge Rottenhammer scheint bald nach der Vollendung dieser Arbeiten, bei denen er
wohl mitgeholfen hatte, seine Italienfahrt angetreten zu haben, und zwar, wie es heißt,7 mit Unter-
stützung des Herzogs. Man muß also sein Talent schon frühzeitig erkannt haben. Im Jahre 1589
war er nach der Aufschrift auf der Handzeichnung in Rotterdam bereits im Venezianischen, in
Treviso. So strebte er demselben Ziele zu, das einst Dürer, Altdorfer, Burgkmair, Amberger,
Schwarz und viele andere oberdeutsche Künstler unwiderstehlich angezogen hatte. Ihnen allen

1 Geburtsort und Jahr überliefert schon Karel van Mander, Das [.eben der niederländischen und deutschen Maler,
übersetzt von H. Floerke, München und Leipzig 1906, Bd. II, S. 341. Als Monachiensis wird Rottenhammer auch auf einem
Stiche des Raphael Sadeler (s. Verz. V, Nr. 42), als Bojer auf einem solchen des Lukas Kilian (Verz. V, Nr. 25) bezeichnet;
auf der Handzeichnung von 1589 in Rotterdam steht: «Hans Rättnhamer von Minichen» (Verz. IV, Nr. 68). Weitere urkund-
liche Belege aus dem Stadtarchiv Augsburg bei Friesenegger, Hans Rottenhammer und seine Augsburger Rathausgemälde:
Zeitschrift des historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, 34. Jahrgang (1908), S. 146 ff.

3 So V.Stetten, der aus archivalischen Quellen schöpfte: Kunst-, Gewerbe- und Handwerks-Geschichte der Reichs-
stadt Augsburg, I.Teil (1779), S. 285; II (1788), S. 189. Spätere Schriftsteller haben irreführend den Vater zum «Hofstall-
maler» (?) und schließlich zum «Hofmaler» befördert, bei dem Hans den ersten Unterricht erhalten habe.

3 Nagler, Künstlerlexikon, Bd. XIII, S. 468. In den achtziger Jahren schreibt Rottenhammer seinen Namen in dieser
Form, zum Beispiel auf den Handzeichnungen in Amsterdam und Rotterdam; auch v. Stetten bezeugt die Schreibweise
Rättenhammer. Die späteren Gemälde tragen meist die Signatur Rottnhamer, seltener Rottenhamer. 1617 signiert er «Hans
Rotenhaimer». Daneben kommen in gleichzeitigen Urkunden und auf Stichen die Formen Rothamer, Rotenhamer, Rothen-
hammer, Rottenhammer, auch Radtenhaimer und Rothenhaimber vor. In Italien wurde der Name korrumpiert in Rottamer
Rottonamer, Rahtnamer, Rhoteramer, Rutenam usw.

4 Nagler a. a. 0.

' Ober Donauer: Paulus in Thieme-Beckers Künstlerlexikon, Bd. IX (1913), S. 432.

6 Bassermann-Jordan, Die dekorative Malerei der Renaissance am bayerischen Hofe, München 1900, S. 53.

7 Nagler, Künstlerlexikon, a. a. O.
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