Österreich / Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale [Editor]
Jahrbuch der K. K. Zentral-Kommission für Erforschung und Erhaltung der Kunst- und Historischen Denkmale — NF. 4.1906

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Die Funde von Krungl und Hohenberg
Von Dr. Ernst Diez
(Dazu Tafeln VIII und IX)

Mein unvergeßlicher Lehrer, Professor Wilhelm Gur-
litt hat mich bereits im Jahre 1904 mit der Publikation
der Funde betraut. Der Umstand jedoch, daß der nunmehr
auch dahingeschiedene Professor Alois Riegl die Publizie-
rung derselben in den zweiten Band seiner „Spätröm. Kunst-
industrie“ aufnehmen wollte, ließ mich von dem Vorhaben
abstehen. Da durch Riegls Tod die Fortsetzung seines
monumentalen Werkes sehr in Frage gestellt ist, glaube
ich es dem Andenken Gurlitts schuldig zu sein, diese
Funde wissenschaftlichen Kreisen jezt zugänglich zu machen.
Das steiermärkische Landesmuseuni in Graz
birgt eine Anzahl von Funden, die in den Jahren
1873, 1894 und 1896 ff. in den beiden obersteirischen
Dörfern Krungl unweit Aussee und Hohenberg
bei Steinach-Irdning erst durch Zufall, schließlich
durch systematische Grabungen des Joanneums zu-
tage kamen. 1873 stieß man beim Wiederaufbau
des durch Feuersbrunst zerstörten Dorfes Krungl
auf Reste eiserner Waffen und fand ferner eine
Garnitur von Riemenbeschlägen (Taf. VIII10 — 15).1)
Im Frühling 1894 fand man in Hohenberg ähnliche,
jedoch reichere Waffenreste und desgleichen eine
Garnitur von Riemenbeschlägen (Taf. VIII 1—9).2)
Im Herbst 1896 endlich wurde der damalige Kustos
des Joanneums Dr. Otto Fischbach beauftragt,
die bereits bekannten Fundorte von Krungl und
Hohenberg eindringlicher zu prüfen. Es gelang
ihm, in Hohenberg und Krungl eine große An-
zahl von Gräbern aufzudecken, die reiche Aus-
beute boten. Er veröffentlichte einen mit litho-
graphierten Abbildungen sämtlicher Fundstücke
1) Arch. Ertesitö XIV (1894) 359 f. (Fundbericht von
Otto Fischbach).
2) Ebd. XV (1895) 249 ff. (Fundbericht von Fischbach).
Jahrbuch der k. k. Zentral-Kommission IV i, 1906

nach verläßlichen Zeichnungen versehenen Gra-
bungsbericht. J)
Der Umstand, daß derartige Funde aus der
Zeit der endigenden Völkerwanderung in unseren
Alpenländern selten sind — Kettlach, Krungl und
Hohenberg sind bisher die einzigen ergiebigen
Fundstätten — hat mich dazu bewogen, die in
ungarischer Sprache gedruckten und daher der
heimatlichen und internationalen Forschung mehr
oder weniger unzugänglichen Berichte Fischbachs
ins Deutsche übertragen zu lassen.2)
Wir entnehmen seinem Bericht vom Krungler
Fund (Arch. Ertes. 1894) folgendes: In dem der
Pfarre Mitterndorf angehörenden Dorf Krungl
wurden 1873, als zum Aufbau eines der durch
die Feuersbrunst zerstörten Häuser Sand geführt
wurde, am südöstlichen Ende des Dorfes, auf dem
kieselsteinigen Grunde des Landwirtes Kletnkopf
auf einem Territorium von 48 ?w2, 60 cm unter
der Erdfläche, acht — nach Aussage anderer sechs
— ziemlich gut erhaltene menschliche Skelette
gefunden. Auf zwei kräftigen Skeletten ruhte
querwärts ein stark von Rost zerfressenes Eisen-
schwert, dessen in drei Stücke gebrochener, etwa
16 cm langer Griff in einen halbkugelförmigen
Knopf endigte. Die Länge der Klinge betrug
57 cm\ die des im Querschnitt quadratförmigen,
stabähnlichen Quereisens etwa 3'5—6 cm. Hier und
da war die Klinge noch mit Holzteilchen bedeckt.
In der Nähe des Schwertes wurden eine Bronze-
schnalle und Riemenbeschläge aus Bronze gefunden,
!) XVII (1897) 133 ff.
2) Dr. phil. Emmy Seidler hat diese Übersetzungen
mit dankenswerter Genauigkeit ausgeführt.
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