Kekulé von Stradonitz, Reinhard [Editor]; Kekulé von Stradonitz, Reinhard [Oth.]
Die antiken Terrakotten (Band II): Die Terracotten von Sicilien — Berlin u.a., 1884

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lassen. Ans seinem Nachlas* sind Papiere auf der Bibliothek
des bischöflichen Seminars in Siracusa, welche überschrieben
sind: Lettere del presidente Francesco di Paola Avolio in-
dtriite ad alauii letteraii. da servire dt. addisioiic all' opera
delle antiche fatttire di argilla che si n'frovano in Sicilia
distrilndte in quatiro libri. Das erste Buch hat die Ueber-
schrift Sopra i grossolani anficht lavori di argilla; es ent-
halt sieben Briefe, welche, an Francesco Ferrara, Mario
Muslimen, Cannelo La Farinn, Giuseppe Crispi (IV und V),
Raffaele Polin und Giuseppe Alessi gerichtet, über die fol-
genden Gegenstände handeln:

De' Processi cliimici da imprendersi su In materia com-
poneute gli anächi lavorii di argilla per per/esionar le mo-
derne stovigtte.

De' porsi, degli aeqiddotti. de* tubi. de' mattend e delle
tegole di argilla.

De' vasi grossolani, delle dioie con sigle o con labbri.
lavorati a disegno, delle «nie sepolcrali. de' piatti e della
quaiith della creta della quäle so» fonuati.

De' viamdnii leltcrati.

Delle anticlie tavole di argilla seritte colorate e dipinte.

Delle metofii, de fregi, de' paviiueuti. de' bassirilieri,
de' tempietli e delle are di argilla.

Delle antiche ghiande e stregghie d't argilla.

Ausser diesem ersten Buch Briefe haben mir noch
einige einzelne Notizblätter vorgelegen. Das zweite Buch
sollte von den Lampen handeln, delle hteerne antiche. Was
etwa davon und von den übrigen Büchern von Avolio voll-
endet und vorhanden sein mag, konnte ich bei der mangel-
haften Ordnung, in welcher diese Papiere auf der Bibliothek
aufbewahrt werden, nicht feststellen.

W. Zahn hat Terracottcn in Palermo bei Pisani ge-
zeichnet, in Catania im Museum Biscari gezeichnet und
abgeformt. Er hatte, wie er selbst im Oktober 1S33 (Or-
namente aller klassischen Kunstepochen, Heft 4, zu Taf. 18)
ankündigt und Alessi mehrfach berichtet (Storia critica 1
S. 233 Anm. 1. S. 331 Anm. 3), die Absicht, eine zusam-
menhangende Veröffentlichung derselben zu veranstalten.
Diese Absicht ist jedoch nicht ausgeführt worden und ich
habe, trotz vielfacher Bemühungen, nicht erfahren können,
wo dieser Teil des Zahn'schcn Nachlaffes verblieben ist.

Eine in ihrer Kürze meisterhafte Uebcrsicht über die
Terracollen und Vasen in Sicilien hat Eduard Gerhard ge-
geben in dem in den Annali 1835 S. 26—53 und mit einem
Widmungsbrief an Serradifalco besonders abgedruckten Auf-
satz Intorno i monumenti figulini della Sicilia. Während
Avolio hauptsächlich darauf ausging festzustellen, zu was
man das Material des Thoncs verwendet habe, sind bei
Gerhard die eigentlich archäologischen Fragen nach den
üblichen Gegenständen der Darstellung, nach dem Stil der-
selben, nach den Unterschieden, welche sich fi.tr die Zeit
<.\>:r Entstehung und aus den Fundorten zu ergeben scheinen,

Gerhards kurzer Aufsatz ist die einzige zusammen-
fassende Behandlung die bisher vorlag. Aber auch über
die Ergebnisse <]cy einzelnen Fundstellen ist leider wenig
und noch weniger ausreichendes veröffentlicht worden. liier
sind neben einzelnen Mitteilungen in Alessi's Storia critica
di Sicilia die beiden Schriften von Fiüppo Ansaldi Sulla
religione degli antichi Centuripini dedolta dai monumenti
(Catania 1846) und I monumenti deil' antica Centuripi
(Catania 1S51) rühmend hervorzuheben. Der Verfasser war
für die Aufgaben, die er sich stellte, wissenschaftlich nicht-

ausreichend ausgerüstet und seine Schlüsse sind stets zu
kurz. Aber er berichtet treulich, sorgfältig und ein«chcnd
was er gesellen und gehört hat. Aus neueren Zeiten liegen
über die Funde in Megara und Sclinus, auch über die in
Soloeis, Berichte von Cavallari vor, der dabei auch eine
Scheidung der Terracottcn in verschiedene Gruppen ver-
sucht hat.

In Palermo sind die beiden Museen, welche auch Terra-
cottcn aufnahmen, bald nach einander gegründet worden,
das nach seinem Stifter Ignazio Salnitro benannte Museum
der Jesuiten 1730, das im Kloster von S. Martino delle
seale 1744. Dieses letztere ist von Antonio de Requesens
begonnen und von Salvadore di Blasi weitergeführt worden
(Scina Prospetto I S. 47. Salinas De! Real Museo di Palermo
S. 14. 22. C. 1. L. X 2 S. 752). In den beiden Samm-
lungen, welche jetzt ebenso wie die Sammlung der Universität
Bestandteile des einen königlichen Museums in Palenno
sind, ist die Herkunft der Terracottcn hin und wieder auf
den Stücken selbst angemerkt worden: weitere Nachweise
fanden sich nicht vor und sind auch sonsther nicht zu ent-
nehmen. In dem Breve ragguaglio del Museo del Monastero
di S. Martino delle scale, in den Opuscoli di autori Siciliani
Band XV (Palermo 1774) S. 45—S2 erwähnt Di Blasi die
Terracottcn nur flüchtig S. 66:

Pasamiuo indi a federe la grau quantilii di Monumenti

di creta, neu solo delle inmtmerabili lucenie.....ma catche

violte Jsidi ed altre deita, animali, priapi e attaechi diversi
a rillevo e di aleune di esse avete le figurc come di quel
Priapo di . cid conservo la forma trovata tra le rovhie di
Girgcnfi su di cid scrissi una lettera ch'e nette suddette Jlfe-

Von der ganzen Masse der Terracottcn im Museum
in Palermo wird man annehmen dürfen, dass sie aus Sicilien
stammt. Es können nur vereinzelte Stücke sein, die aus
Neapel gebracht worden sind. Die Vermehrung geschah
und geschieht durch Ankäufe, Geschenke und Ausgrabungen,
und zwar fallen ordmmgsmässig alle Fundstücke aus den
von Staatswegen in den Provinzen von Palermo, Trapani,
Girgenti und Caltanisetta unternommenen Ausgrabungen an
das Museum in Palermo, während also z. B. die Fundstücke
von Megara von Rechtswegen nach Siracusa gehören. Im
Jahre 1S60 ist die Sammlung Astuto, 1866 die Sammlung
Campolo dem Museum einverleibt worden. Antonino Astuto
lebte in Noto, aber er hat seinen Besitz von den ver-
schiedensten Orten her zusammengebracht, während Cam-
polo in Terranova sammelte und zwar wie es scheint nur
Gegenstände von dort und aus der Nähe besass. Die Privat-
sammlung, welche Antonino Salinas dem von ihm verwal-
teten Museum geschenkt hat, enthielt von Terracottcn nur
einige wenige, aber sehr wertvolle Stücke. Ueber den
Bestand und die Geschichte des Museums in Palenno vergl.
Salinas Del Real Museo di Palermo (1S73) und desselben
Guida popolare del Museo di Palermo (1S82). — Ein paar
Stücke rühren von Pancrazj her, der also in seinem amore
spasmodieo per ogni miserabilisshno avanxo di antichita auch
die Terracottcn nicht verschmähte, die er doch in seinen
Antichita Siciliane nirgends auch nur mit einem Worte
erwähnt. Die Sammlung des Baron Pietro Pisani, welche
wenigstens bei weitem zum grössten Teil aus Kcntoripa
stammt, ist nach Karlsruhe gekommen: die Erwerbung
scheint im Winter 1S37—3S in Neapel erfolgt zu sein
(Frölmer Die griechischen Vasen und Terracottcn in Karls-
ruhe S. V). Von den Sammlungen des Principe di Trabia,

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