Kekulé von Stradonitz, Reinhard [Editor]; Kekulé von Stradonitz, Reinhard [Oth.]
Die antiken Terrakotten (Band II): Die Terracotten von Sicilien — Berlin u.a., 1884

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EINLEITUNG.

Literatur. Museen. Eigenart der statischen Terracotten.

j$S? u dem Plane einer Gesamtaufnahme aller Alter-
tümer Siemens, welche Torremuzza im Jahr 1764
p veröffentlicht hat, finden die Terracotten eine
* Stelle. Idea di im tesoro che contenga wia gene-
rale raecolta di tutlc le autichi/a di Siciiia proposta da Gabfiele
Lancilotto Castello principe di Torremuzsa Palermitano a' let-
teraü Siciliani anianti delle anliche memorie della palria —
so ist der in den Opuscoli di autori Siciliani Band VIII
S. 1S1 —197 gedruckte Aufsatz überschrieben, in welchem,
unter Verwerfung der von Spon versuchten Gliedeeiing" des
archäologischen Materials, die einzelnen Denkmälerklassen
aufgezählt werden, weiche eine gesonderte Behandlung er-
heischen. Auf Architectonographia, Iconograplua (welche die
Statuen aus Marmor und Metall umfassen soll), Toreumato-
graphia, Epigrammatographia, Numismatica, Glyptographia
folgt, vor der alles was übrig bleibt aufnehmenden Schluss-
abtcilung, die Ceramica. Dieselbe wird folgendermasscn
umschrieben: La ceramica figurata, o siana i lavori di creta,
forwar possono da sc soll la settima classe dcl nostro Tesoro.
Questa pu'o dividersi principalmente in Ire capi, quali sono i
Voü o donarj, ü Vasellamc figurata, e le Lucerue. Qucstc
opere di terra coita che tutto giaruo e in gran nmnero si
rinvengono nella Siciiia, riconoscousi dag/' intendenti Anti-
quar) di Ire speeie diverse; alcuue di lavoro molto consiiui/e
alle fattiire Egizianc, altre di gusto Greco falsanicnte credute
Etrusche, cd altre infine im poco piit grossolauc sia nel
lavoro della creta, sia ancora nel conlorno delle figure; si
ascrivono i primi agli antichi Fenicj abitatori delV /sola, ed
a' Carfaginesi, che per alquanti secoli furono di una parte
di essa padroni: le secondc a' Greä, che co/le loro Cohmie
slabilirono tante grandi e belle citt'a, e le ultivic so/10 certa-
meute di manifattura Romana. Bei dieser Bestimmung
dreier Epochen denkt Torremuzza offenbar hauptsächlich,
vermutlich ausschliesslich an die Vasen. Es geht dies auch
aus dem nächstfolgenden Satze hervor: San) al certo una
tale raecolta di Vasi figurati uou solo pregevole per i lumi
ehe ne ritrarrh l'antica Storia della nostra /sola, ma anche
al sommo ricercata da' dotti Antiquar] forestieri, ricavandolo
iwi dallc precise istauze che piit volle taluni dl cssi per averne
i disegui ci hau fatte. Ueberhaupt sind damals die Terra-
cottenfiguren zwar gesammelt und in einzelnen Aufmerk-
samkeit erregenden Beispielen erörtert worden. Aber im
ganzen genommen und im Vergleich mit den Vasen fanden
sie wenig Wertschätzimg. Domenico Scinä in dem Pro-
spetto della storia lettcraria di Siciiia nel secolo deeimottavo
(Palermo 1824—27), in welchem ich über die literarischen
und wissenschaftlichen Bestrebungen jener Zeit die meiste
Belehrung fand, hat Band II S. 150 die Anmerkung: /l p.

Salvadore di Blasi scrisse una. memoria sidl' arte plastica
in Sieilia, che manoscritta si comerva nella Hbreria di questo
comunc. Diese Handschrift ist leider bisher nicht wieder
aufgefunden worden: als ich im Oktober 1882 auf der
städtischen Bibliothek zu Palermo danach fragte, wusste
man mir keine Auskunft zu geben; als, auf meine Ver-
anlassung, im Jahr darauf, im August, Dr. J. Dürr die Nach-
frage erneuerte, ward ihm der Bescheid, die Handschrift sei
wol einmal vorhanden gewesen, aber spurlos verschwunden.
Aber auch diese Abhandlung von Di Blasi wird sich ver-
mutlich mehr mit den Vasen als mit figürlichen Terracotten
beschäftigt haben.

Die Ceramica gehört zu den Klassen des geplanten
Thesaurus antiquitatum Sicularum, welche unbearbeitet
blieben. Den Wunsch danach, und zwar wie Torremuzza
nach einer Zusammenfassung aller Vasen und Terracotten,
erneuerte Alessi, in der Storia critica di Siciiia IV (Catania
1S37) S. 216: .... Sarebbe questa im' Opera dotta in tal
geliere e soinma gloria alta Siciiia giä Greca arrecherebbe.
Un primo passa si e fatto dal nostro presideute Avolio, il
quäle coinineiando dalle semplici fattiire di creta si e arrestato
alla . Ceramica figurata. Auch bei dieser Beschränkung
enthält die von Francesco di Paola Avolio veröffentlichte
Schrift Delle anliche fatture di argilla che si' ritrovano
in Siciiia (Palermo 182g), zumal im Verhältnis zum Um-
fang, sehr verschiedenartiges neben einander. Avolio geht
darauf aus, möglichst alles was aus Thon hergestellt
wurde, Ziegel und VVasserleitungsrohrc, alle Geiasse und
Gcfässstcmpel neben figürlichen Terracotten und Reliels
zusammen zu bringen. Seine Arbeit verdient gewiss alles
Lob, das man ihr gespendet hat. Freilich ist die Darlegung
des Stoffes, die überdies durch die beständige Vermischung
von Schlüssen aus der literarischen Uebcrlieferung mit dem
durch die Funde tatsächlich gegebenen gestört wird, un-
vollständiger als man erwarten sollte und sie ist am aller-
wenigsten ausgiebig für die figürlichen Terracotten. Irgend
eine Scheidung der einzelnen Gattungen in stilistisch und
zeitlich oder nach den Fundorten gesonderte Gruppen ist
nicht unternommen und es ist oft schwer aus Avolio's
Worten zu entnehmen, von was eigentlich die Rede ist.
Aber immerhin gibt Avolio tatsächliches und gesichertes
Material; er bringt es im Zusammenhang nach bestimmten
Gesichtspunkten vor; cr'hat zum ersten male den Kreis der
Denkmälergattung, so wie er meinte ihn umschreiben zu
sollen, vollständig zu überschauen und in Hauptzügen
zu ordnen versucht. Der gedruckten Schrift Delle antiche
fatture di argilla, welche in zwei Bücher geteilt ist, wollte
Avolio noch vier Bücher Briefe als Fortsetzung folgen
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