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Kern, Otto [Editor]
Die Inschriften von Magnesia am Maeander — Berlin, 1900

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https://doi.org/10.11588/diglit.4618#0216
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172

Tigris, sondern zwischen dein grossen und kleinen Zäb, dem
Aükoc und Kdxrpoc; der Griechen [Assemani BO 4.708 ff.
Justi Beitr. z. pers. Geogr. 1,24. Nöldeke Herrn. 5,458].
Es kann also sehr wohlMecrn, xujv xroxctutuv oder Meari genannt
worden sein, was dann Stephanos oder seinen Epitomator
veranlasste Euphrat, Tigris und Mesene liineinzubringen.

Schliesslich erwähnt noch Ptolemaeos Mesene an einer
verdorbenen Stelle, und zwar in Verbindung mit Apamea,
5,18, 9/10:

Ärrauaa 70" 45'. 34° 20'. uq)' tjv tj xnü BaaiXeiou iroxa-
uoö irpöi; töv TiYpiv auußo\r| (fjc;) dTfüc; (r\) Mear|(vr|) xdtpa.
Iv b£ Tf|l aXXm [udör|i] x^pat TtöXeic; ai'be, es folgt ein Ver-
zeichnis der mesopotamischen Städte, die nicht am Euphrat
und Tigris liegen, da diese schon vorher genannt sind.
Will jemand annehmen, dass Ptolemaeos Mesene mit MeoT|
Xilipa bezeichnet hat. so will ich nicht widersprechen; nur
hat er sicher nicht Mesopotamien udön, X^JP01 genannt. Mit
Ptolemaeos Notiz über die Einmündung des 'Königscanais'
unterhalb Apamea ist vielleicht zu verbinden die Stelle
bei Plinius 6,146 quidam et alia duo oppida longis inter-
vallis Tigri praenavigari tradunt, Barbatiam moxDumatham
[anders Ptol. 5,19,7] ... et Apameam sitam ubi restagnatio
Euphratis cum Tigri confluat; doch dürfte es nicht ge-
raten sein, weitere Schlüsse auf diese Kombination zu
bauen. Der von Ptolemaeos hier und an anderen Stellen
[5,20.2. 18,8] erwähnte Königsoanal, Nahr-al-Malik der
Araber kommt in der klassischen Litteratur oft vor und
stammt schon aus babylonischer Zeit [vgl. Abyden. bei
Euseb. PE 9,41.7. Polyb. 5,51.6. Strab. 16,747. Isidor.
mans. Parth. 1 p. 249. Plin. 7,120. Ammian. 23,6,25. 24,
2,7. 6.1. Zosim. 3.19.3. 24,2. Malal. 13 p. 330 Dind.].
Er zweigte sich vom Euphrat ab etwa an derselben
Stelle wie der heutige Nähr Radwäniye, sw. von Bagdad
[Kiepert, ZGE 18 [1883], 13], über seine Mündung in den
Tigris schwanken die Angaben. Nach Isidor muss sie n.
vonSeleukeia gelegen haben, die Historiker Julians berichten
von einem Trajan zugeschriebenen Oanal, der s. von Seleu-
keia den Königscanal mit den Tigris verband; arabische
Geographen kennen ebenfalls eine Mündung 5' Farsakh s.
von Al-Madäin d. h. Seleukeia und Ktesiphon [vgl. Ibn
Serapion Journ. of the Asiat. Soe. 27 [1895], 70]. Doch
braucht darum Ptolemaeos Angabe noch nicht falsch zu
sein; der Canal kann, unbeschadet einiger zum Tigris führen-
der Seitenarme, noch weit über Seleukeia hinaus den Tigris
auf der w. Seite begleitet haben, wie ja noch jetzt die
Spuren eines alten Canals unter dem Namen Habl ed Dheheb
sich auf lange Strecken hin neben dem Tigris hinziehen.
Nöldeke teilt mir mit, dass in der Blütezeit Baghdäd's
in dessen Gegend mehrere grosse Canäle vom Euphrat in
den Tigris gegangen und wieder unter einander verbunden
sind; vielleicht würde sich die Hauptrichtung, nicht das
Einzelne, für das 9. und 10. Jahrhundert bestimmen lassen.

Es ist jetzt noch nötig, die Nordgrenze von Mesene
wenigstens einigermassen festzustellen; ziemlieh erhebliche
Schwankungen müssen natürlich zugegeben werden. Nach
Plinius [6,132] stiess Mesene n. an Sittakene. die Apollo-
niatis der hellenistischen Zeit [Strab. 11.524. 15,732]. Die
Landschaft grenzte ö. an Susiana und wurde von der
Strasse Babylon — Susa ihrer ganzen Länge nach durch-

quert: xoTi; £K BaßuXiüvoc eic £oüaa ßabiZouai bia t?\<; Iixxa-
Kqvqt; r] öboc üiraaa irpö<; euu. Die gerade Linie und
starke, die Gesamtrichtung ablenkende 1 mwege braucht
eine Strasse in diesem absolut ebenen Lande nicht zu
machen — zwischen Babylon und Susa schneidet den Tigris
etwas unterhalb der grossen Biegung, die er bei Iniäni
'Ali-el-Gharbi nach SO. macht. Die Grenze zwischen
Mesene und Sittakene dürfte also etwas s. dieser Linie zu
ziehen sein. Ferner geben arabische Schriftsteller an. dass
Al-Madhär. die damalige Hauptstadt von ftlaisän, 4 Tage-
reisen n. von Basra liege und Maisän ein grosser Land-
strich zwischen Basra und Wäsit sei [Mitteilung Nöldeke's,
vgl. auch Journ. of the As. Soc. 27,302]. Nimmt man nun
hinzu, dass nach der oben angeführten Stelle des Ptolemaeos
Apamea in der Nähe von Mesene lag. also an oder etwas
jenseil der Nordgrenze der Landschaft, so darf man schliessen,
dass es ungefähr in der Gegend der jetzigen türkischen
Stadt 'Amära lag.

Dazu passt, dass Plinius es oberhalb der Mündung
des Ohoaspes setzt : denn wenn auch diese nicht mehr genau
zu bestimmen ist. da der Kerkah sich .jetzt in Sümpfen
verliert, so kann sie doch nach der Sichtung des Flusses
in antiker Zeit nicht nördlicher als 'Amära gelegen haben.
Dagegen hat Plinius einen argen Irrtum begangen dadurch.
dass er 'diesseit Seleukeia' als oberhalb statt unterhalb ver-
stand, wie St. Martin [Recherehes sur Thistoire et la
geographie de la Mesene et de la Characene 83ff.[ gegen-
über D'Anvilles Theorie von einem doppelten 3Iesene und
einem doppelten meseniselicn Apamea richtig hervorgehoben
hat. Nur macht auch St. Martin den Fehler, die Grenzen
Mesenes zu weit nach N. zu schieben, da er Plinius Zahlen
zu sehr vertraut. Die von Plinius angegebene^ Distanz
zwischen Seleukeia und Apamea, 125 Millien = 1000 Stadien
- 180 Kilometer, führt auf der genauesten Karte, der von
Kiepert ZGE 18 [1883] am Lauf des Tigris abgemessen,
nur bis Scheich Dja'ad, noch oberhalb Küt el 'Amära, und
selbst wenn man die Krümmungen des Flusses abschneidet,
nicht weiter als wie zu dem Punkt, wo der Satt el Hai
sich vom Tigris abzweigt. So weit nach NW. kann aber
Mesene nie gereicht haben; diese Gegend wird von den
Arabern zu Wäsit gerechnet.

Apamea Mesenes existirte noch in arabischer Zeit.
Abulfelda [trad. par Guyard II 2. 39] berichtet,' dass es
ausser dem Fämyah in Syrien auch eins im Träq (Baby-
lonien) bei Wäsit und Fam-as-Silh [7 Farsakh oberhalb von
Wäsit nach NO. vgl. Journ. of the Asiat. Soc. 27,44. St.
Martin a. a. O. 106] gäbe. Aus dem Kitab-Altenbih Mas'udi's
[10. Jahrh. n. Chr.] führt St. Martin [a. a. 0. 105] eine Stelle
in Übersetzung an die richtigen Namensformen hat

Nöldeke mir nach de Goejes Ausgabe S. 74 mitgeteilt —
dass Spuren des alten ö. Tigrislaufes noch zu sehen seien
zwischen Fam-as-Silh, Bahendaf, Bädaräjä, Bäkusäjä, Fämijat
al 'Iräq bis Bädibm, l)abarbi(V), Qerqüb, Tib, Säburzän,
Dumarkän. Nahrgür. Madhär. Zum Verständnis der Stelle
ist nötig zu wissen, dass die Araber den w. Lauf des Tigris,
der ungefähr dem heutigen Satt el Hai entsprochen haben
muss, als den Hauptarm des Tigris ansehen, den ö. als
einen Seitencanal, der früher mehr Wasser gehabt hätte.
Diesen, der etwa mit dem heutigen Tigrislauf zusammen-



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