Kissling, Hermann
Die Kirche in Täferrot: [Ostalbkreis] — Täferrot, 1984

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Zur Geschichte und Kirchen-
geschichte Täferrots

„Zu den am schönsten gelegenen Ortschaften in der näheren Umgebung
Gmünds gehört jedenfalls das Dörfchen Täferrot, das umsäumt von waldigen
Bergeshängen, tief eingebettet im Leintal liegt und namentlich den Wanderer,
der von dem 9 km entfernten Gmünd herkommt, wie ein Idealbild einer
schwäbischen Dorflandschaft aufs lieblichste begrüßt. Einen besonders reiz-
vollen Charakter bekommt Täferrot durch seine Kirche, die mit ihrem unter-
setzten massigen Turm und mit ihrem wuchtigen, altertümlichen Dach einen
wirksamen Gegensatz zu den bewaldeten Bergrücken bildet, der sich von
Osten her in das Tal hereinschiebt."1

So zeichnet im Jahr 1906 Pfarrer Theodor Dornfeld mit liebevollem Ver-
ständnis den Mutterort seiner Gemeinde. Er skizziert die bewegte Landschaft
des kleinen Walddorfes, das sich in dem grünen Grund niedergelassen und
eingerichtet hat. Und er verweist auf die damals noch ganz mit Hohlziegeln
gedeckte Kirche, seit eh und je Mitte dieses Gemeinwesens.
Eine heutige Schilderung Täferrots würde weniger romantisch gefärbt be-
schreiben, denn auch dieser Ort hat sein Neubauviertel bekommen, ist in
jüngerer Zeit dem reinen Bauerndorf entwachsen. Und von den „großen, oft
vertäfelten und roth bemalten Bauernhäusern in dem ziemlich kleinen, aber
freundlichen und reinlichen, schön zerstreuten Dorf — so in einer Ortsbe-
schreibung von 1870 - sind nur wenige mehr zu sehen.2 Und doch hat dieser
Ort etwas von seiner Geschlossenheit bewahrt, dank der Kirche und dem an-
grenzenden Pfarrhof, auf die alle Wege des Dorfes zulaufen. Diese Kirche ist
der reale Zeuge der Vergangenheit dieses Dorfes.

Täferrots Anfang reicht nicht so weit zurück wie die nahen alamannischen
Gründungen auf den fruchtbaren Liasflächen des Albvorlandes. Seine Sied-
lungsfläche ist vermutlich erst im 11. Jahrhundert geschaffen worden, dort,

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