Kissling, Hermann
Die Kirche in Täferrot: [Ostalbkreis] — Täferrot, 1984

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Noch ein Wort zu den Inschriften dieses Gestühls. Die 24 alten Sitze tragen
die Namen ihrer Inhaber von 1683. Eingesetzt sind sie in kleinere und größere
Rollwerkkartuschen, jene in die Leisten der Rücklehne, diese mit geflügelten
Engelsköpfchen in den Baldachinen. Meist nennen die Inschriften noch den
Heimatort, zweilen den Beruf, immer das Jahr 1683. Männern in Täferrot ge-
hören 10 Plätze, 6 Utzstetten, 5 Tierhaupten, 2 Göggingen und je einer
„Hannß Weiß von Mulfingen", „Schulmaister Christoph Schuelin in Ruep-
pertshofen" und „Stab-Amptmann Joann Friderich Dauben zu Lindach".
Der erste Stuhl der Nordseite mit dem Bild Christi ist „Christoph Waltz, P.",
Pastor von 1683—1699 in Täferrot, vorbehalten. Neben ihm „Jacob Miller,
Müller allhier". (Diese Folge wiederholt sich bei dem Gestühl von 1906, wo
nach Pfarrer Balthasar Weinheimer die Mühlenbesitzer Beißwenger als
Stifter genannt sind.) Ihnen gegenüber sitzen unter dem Baldachin „Hannß
Küngater, Bauer allhier", „Kaspar Ruop, Bauer von Utzstetten" und „Georg
Hutelmayer, Bauer von Thierhaupten". Das waren vermutlich die größten,
besonders selbstbewußten Bauern ihres Ortes. Bei 17 Männern fehlt der Be-
ruf, wiewohl auch sie fast alle eine Landwirtschaft betrieben haben.

Brüstungsbilder der Nordempore

Insgesamt 14 bemalte Holztafeln (durchschnittlich 62 x 62 cm) bilden die
Brüstungsfläche der Nordempore (der Männerempore, wie man früher
sagte). Die Szenen veranschaulichen die Passion Christi: Wie bei einer Schrift
links beginnend sind sie abzulesen: Geburt Christi mit Anbetung der Hirten,
Beschneidung, Abendmahl, Fußwaschung, Christus am Ölberg, Christus vor
Hannas und Kaiphas, Verspottung Christi, Christus vor Pilatus, Geißelung,
Schaustellung Christi (ecce homo), Kreuztragung, Kreuzigung, Grablegung,
Auferstehung. Hier sind alle wesentlichen und bildträchtigen, auch von der
Überlieferung anempfohlenen Passionsthemen formuliert, ausgenommen
die Gefangennahme und Dornenkrönung (Abb. 15).

Der Maler hat die Szenen so weit wie möglich in den Vordergrund gerückt,
bildparallel aufgebaut und durch Höherstaffelung der zurückgesetzten Figu-
ren eine einfache Form räumlicher Klärung erreicht. Uberzeugende Raum-
situationen gelingen ihm jedoch nicht. Die architektonischen Bestände wer-
den als eine Zutat, als Staffage empfunden, zumal sie sich nicht immer genau
den Regeln der Zentralperspektive fügen.

Die Figuren sind von einer nicht sehr sicheren Hand ausgeschrieben. Man
sieht, wie das Formulieren der Stand- und Bewegungsmotive, insbesondere
der Hände Schwierigkeiten machte. Hinsichtlich der Farbe liebte der Maler —
wenn der jetzige Zustand den ursprünglichen auch nur einigermaßen richtig
wiedergibt55 — den Helligkeitskontrast, und zwar in der Weise, daß die insge-

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