Kladderadatsch: Humoristisch-satirisches Wochenblatt — 23.1870

Seite: 335
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m. S6

Berlin, den 7. August 1870.

XXIII. Jahrgang.


Diitter 1ttcichl'»gblmig.
(Melodie: crhgltc Franz" u s. w)
Zeit der Wunder, Zeit von Giien.
Lei gegrnßk in fcu, gsm Sä'wnng!
'Zugentluil enlbisnnl ,n «''reisen.
Alte Knochen werden jnng
Neu erwacl'en alle wieder.
Brauien fort im Sun ineslaus;
Sel ge Geister steigen »lieder.
Und die Tobten stehen auf.
Aa. erstanden aus dem Grabe
(Lind der Vorrett Helten all'.
Melken sied rum große» Stabe
Bei dem alten Feltmarfct'all.
Lebt ibr Bluters Atigen bliben'
Sct'aut, sein «' eist stürmt uns voran!
Vov Bomdard und kugelsprikcn —
Vorwärts. InngenS. drauf und dran!
Herrlich rubt eS sich nach harter
Arbeit aus am Seineftrand
Herrlich schaut sich s vom Montmartre -
Glaubt mir s — ius gelobte Land!


Dritter Vochengesang.
(Melodie: ..Gott erhalte Franz " u. s. w.)

Zweimal blickt ich aus die Zinnen
Und Val aste von Baris.
Vorwärts denn, euch zu gewinnen
Das verlorne Barattes!
Wie dem Dnlel geb s dem (5rben?
'vorwärts drum' Doch. Hungens wacht.
Daß die Federn nicht verderben
Wieder, was das Schwert vollbracht.
Schwöret, daß am beim scheu Herde
Sich kein Zavirer niederlabt.
Vis vertilgt von dieier Eibe
Das verfluchte Eorlennest!
Vorwärts, all' ibr kamrfgenossen?
Aus den Feldern, blutgedungr.
Schön in Halm und Helm geschossen.
Siebt die Heltensaat verjüngt
Zeit der Wunder. Zeit von Eisen.
Bring uns gold ne Zeit herein;
Noch von unsrer Entel 'Weilen
Sollst du cinft gesegnet sein!
Kladderadatsch.

Humoristisch - so ly rische wochriMoll.





aarbrücken siel. Triumph! Bictoire!
und 8LIN Söhnchcn war dabei!
-^Das erste Blatt der neuen Moire,
Es ist gepflückt mit Jubelschrci.
Wie herrlich meine Äugeln zünde»!
Wie fest mein Heer bewährt sich hat!
Ich spie ans dreinndzwanzig Schlünden
Ten Tod ans eine — offne Stadt!

O schöne That! — Wie hoch die Flammen
Anslohten von den Dächern rings!
Wie schossen wir das Nest zusammen!
Wie raucht cs lustig rechts und links!
Horch, Söhnchcn, wie im jähen Falle
Gemäuer und Gcbälke kracht!
Den Pechkranz ans die Tcmpelhallc!
Ja, ja, mein Sohn, so wird's gemacht!
Tort liegen mit gelähmter Zunge
Die Feinde röchelnd, Leib an Leib;
lind dort — na, srcu' dich doch, mein Junge! —
Geschichtet liegen Äind und Weib.
Dort hinkt, von Jahren schwer beladen,
Ein Greis — vcrsnch's und drücke los!
Ein bißchen Hebung kann nicht schaden —
So recht! Du triffst schon ganz samos!

Am Fenster — nimm dir gut Distancc —
Schau dort, ein junges Wcibsgesicht!
Zu gutem Schuß ist's günst'gc Ehance —
Leg an, mein Söhnchcn, zittrc nicht!
Du stehst geschützt ja. Immer dreister,
Eh' dir der Zielpunkt ist entfloh»!
Du zauderst? — Ucdnng macht den Meister —
Sie purzelt! — Bravo, lieber Sohn!
Dort wankt — d» würdest leicht ihn fehlen —
Ein todcswundcr Mann einher.
Wie muß der arme Held sich quälen!
Gib, Junge, mir das Ehassepot her,
Daß ich de» Gnadenstoß versetze
Dem Kerl — er thnt mir leid, der Mann. —
Ta schnappt er wie der Fisch im Netze!
Gott nchm' sich seiner Seele an!
So wird's gemacht, mein liebes Söhnchcn!
Bcherz'gc, was ich dich gelehrt.
Erschieße» mußt du dir dein Ärönchcn
Schon jetzt — zeig' dich des Paters wcrth!
Saarbrücken siel — Triumph! Bictoirc!
Paris erbebt von Jubelschrci,
Und rnst so Mir als dir zur Moire:
Auch LR und Lnlu war dabei!


Kladderadatsch.
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