Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 29.1848

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wir seit Jahren den Genuß monatlicher sehr belehrender Knnstaus-
siellnngen, welche nicht nur durch die Verbindung mit dem Bremer
Kunstvereinc uns viele Werke neuerer Malerei zuführtc», sondern
auch, in kuusthistorischer Folge, die Schätze der hier vorhandenen
großherzoglichc» Galerie und Privatsammlungen au uns oorübcr-
führten, und so sehr viel zur Erweckung und Förderung de« Kunst-
sinns bcigetragen haben. Der hiesige Kunstvcrein, dessen Stiftung
znm großen Theil mit sein Werk war, hat mehrere seiner hinter-
laffene» Bilder angekanft, welche im Laufe des Dezember zum Ver-
kauf öffentlich ausgestellt waren.

Augsburg. Am 21. Dezember verschied hier der k. bayerische
Hofgraveur, Johann Jakob Neuß, in einem Alter von 77 Jah-
ren und 3 Monaten.

Löwen. Wenn der Reisende in Belgien die verjüngte Pracht
der Nalhhäusee von Löwen und Audenardc austaunk, nennt man ihm
wohl die verdienten Architekten, von denen die bauliche Restauration
geleitet wurde; selten wird aber des kunstfertigen Mannes gedacht,
der mit dem bescheidensten, aufopferndsten Fteiße sich viele Jahre
hindurch der Wiederherstellung und Ergänzung der Bildhanerarbeiten
unterzogen. Dieses war der Meister Wilhelm Gopcrs, den ein
frühzeitiger Tod am 18. Dezember seinem Vaterland?, der Kunst
und den Seinigen entrissen hat. Wenn die Todesanzeige von diesem
Ehrcnmannc bezeugt, „derselbe war schlecht und recht, gotteSfürchtig
und mied das Böse (Hiob I.)," so ist daniit die strengste Wahrheit
ausgesprochen, ein anderweitiges Lob gebührt indessen dem Wirken
und Schaffen des Künstlers. Aus den unteren Kreisen der Gesell-
schaft hcrvorgegangcu, feine Ausbildung nur sich selbst und der ihm
cingcbornen Knnstlicbc verdankend, hat er den größten Theil seines
Lebens gegen das »ngeniach eines schwächlichen Körpers, gegen den
Druck und die Sorgen, welche eine zahlreiche Familie veranlaßten,
ankämpfen müssen. Ohne fördernde Freunde uud Gönner, von der
Scheelsucht unedler Nebenbuhler, von der Gleichgültigkeit des ihm
näher stchcudcn Publikums in untergeordneter Sphäre zurückgehalten,
hat der Ehrenmann sein schweres Tagwerk, verkannt und unbeachtet,
vollbringen müssen. Keine Zeitung posaunte sein Lob, keine Gunst
der Fürsten oder Mächtigen hob ihn zu freierer. Thätigkeit empor,
keine grvßmüthigc Unterstützung erleichterte jemals seine bedrängte
Lage. In frommem Gottvertrauen, in rastloser Thätigkeit für die
Vervollkommnung seines Talents arbeitete er fort, ohne irgend eine
Klage zu vcrlautbareu. Wer Veranlassung fand, seiner Werkstätte
näher zu treten, sah hier das Bild jenes gemüthrcichen, gottcs-
fürchtigcii Meisters verwirklicht, wovon die vor unfern Tagen fast
in das Gebiet der Sage verwiesenen Berichte aus frühern Zeitaltern
erzählen. Es darf zuversichtlich ausgesprochen werden, daß die Kunst
der Holzschnitzerei ln seinen Händen die höchste Ausbildmtg erlangt
hat, zu welcher sie in Belgien gediehen ist. ■— EilfKinder, worunter
sechs unmündige, weinen an seinem Grabe.

Kopenhagen. Am 24. Dezember starb im 68steu Jahre seines
Alters der berühmte nordische Altcrthumsforscher, Finn Magnus-
sen, dänischer geheimer Archivar. Er war geboren 1781 in Skalholt
ans der Insel Island, und hat außer Kopenhagen auch in Göttingen
und Edinbnrg studirt. Unter seine Hauptwerke, die er theils in
dänischer, theilS in lateinischer Sprache schrieb, gehört seine nordi-
sche Alterthumskundc.

Florenz. Am 18. Dezember verschied nach langwieriger Krank-
heit, wiewohl im besten ManncSalter, der Bildhauer Luigi Pam-
paloni. Er war einer der talentvollsten jünger» Bildhauer seiner
Heiniath, und sein Name wird um so weniger ans der Erinnerung
der Florentiner schwinden, als er das Glück gehabt hat. mehrere
Werke zu schaffen, welche rasche und verdiente Popularität erlangt
haben. Diese ward gerade seinen frühesten Arbeiten zu Theil, dem
betenden Knabe», den mau in Italien überall und in Deutschland
auch, in jeder Größe in Marmor, Alabaster, Gpps antrifft, der
Idee nach eine, vielleicht unbewußte, Nachahmung des bekannten
Bildes Sir Joshua Reynolds', sodann den kolossalen Statuen Ar-
uvlfo di Lapo'S und Brnnnelleöco'S, welche 183t) auf dem Domplatze
an der Canonica ausgestellt wurden. Wie cS so oft geschieht, sindet
sich Pampaloni'ö Eigenthümlichkcit am reinsten und zugleich am
ansprcchcndstcu in diesen ersten Werken wieder; Natürlichkeit und
Einfachheit mit einer gewissen lebendigen und kräftigen Originalität
verbunden. Den feineren Formensinu besaß er nicht in gleichem
Maße, wcßhalb seine Frauenstatucn einen weniger angenehmen und
harmonischen Eindruck machen; bcmcrkenSwerth ist indeß, daß diese
größere Feinheit, im Verein mit sorgfältigerem und eindringenderem
Studium, gerade in seinem letzten bedeutenden Werk, einer büßenden
Magdalena, in ungleich höherem Grade sich entwickelte. Wie manche
seiner Arbeiten würden vollendeter dastchcn, wäre das Gefühl für

Form und Ausführung in Einklang mit dem glücklichen Entwurf!
An größer» Aufträgen hat es ihm nicht gefehlt. In Pisa steht seine
Bildsäule des Großherzogs Leopold I, von den riesigsten Dimen-
sionen und nicht ohne Verdienst, blickt man auf die ungezwungene
Haltung uud die geschickte Anordnung der übrigens vielleicht zu
massenhaften Gewandung. In Lucca sieht man das Denkmal Lazzaro
Papl'S, des Geschichtschreibers der französischen Revolution, in dem
Klostergangc von Santa Eroee Hierselbst jenes der jungverstorbenen
gefeierten Sängerin Virginia de Blasis. Zu der Statuenreihe be-
rühmter ToScaner unter den Uffizien hat er die Bildsäule des Llo-
nardo da Vinci geliefert, welcher etwas mehr Freiheit der Bewegung
zu wünschen wäre. Seine Magdalena ist vielleicht sein vollendetstes
Werk, in Beziehung auf Ausdruck sowohl wie Form. Im Privat-
leben geachtet, einfach und anspruchlos und nur seiner Kunst sich
hingebcnd, nimmt Pampaloni Theilnahme und Trauer seiner Lands-
leute und Aller, die ihn kannten, mit ins Grab. Mehrere Freunde
und Knnstgcnossen Pampaloni'S, namentlich die Professoren Barto-
lini, Santarelli und Bezzuoli', haben eine Subscription eröffnet,
um dem verehrten Künstler ein Grabdenkmal setzen zu lassen.

Toulouse. Der Maler Joseph Rogueö, korrespondircndcs
Mitglied des französischen Instituts, der erste Lehrer Ingres', ist
hier im Alter von 85 Jahren gestorben.

Nachrichten vom Januar.

Persönliches.

Der köuigl. preußische Oberbanrath Stüler in Berlin hat
die Ritterkreuze oc§ schwedischen NvrdsternordenS und des Sachscn-
Ernestinischen HauSordcns erhalten.

Der königl. bayrische Oberbaurath Freiherr v. Pech mann hat
daS Komthurkrenz vom Verdienstorden des h. Michael, der Professor
uud Akademiker Franz v. Ko bell in München und der Historien-
maler Schraudolph in Speyer das Ritterkreuz desselben Ordens
erhalten.

Bei dem großen OrdeuSfestc zu Berlin erhielt der Maler Her-
big, Professor der k. Akademie der Künste, der Professor und Ge-
schichtsmaler v. Klöber, Professor Rabe an der k. Akademie der
Künste, der Architekt, Baurath Rothe zu Berti», dc» gtothen-
Adlerorden vierter Klaffe, und der Konservator der Kunstdenkmäler,
Baurath v. Quast, den Johanniterorden.

Der 81jährige Direktor der Berliner Akademie der Künste,
Schadow, empfing am 25. Januar, an welchem er vor gg Jahren
Mitglied der Akademie geworden war, den Stern zum Rothcn-Adler-
orden zweiter Klasse. Auch stattete ihm der König einen persönlichen
Besuch ab und übergab ihm den Rothen-Adlerorden vierter Klasse
für seinen Schwiegersohn in Dresden, Professor B endemann.

Eugen Neu reu th er ist zum Leiter des artistischen Theils
au der königl. Porzellanmannfaktur in München ernannt worden.

Im Verlag von I. Verth in Karlsruhe erscheint so eben:

Variationen über deutsche Gedichte.

In Radirungen ausgeführte Randzeichnungcn mit
erläuterndem Tert

von

H. IV. Soitau.

1s Heft enthält: Schiller's Geschlechter; Gocthe's Wiege und
Grab; die Thräne von Sutor.

Groß Folio L fl. 42 kr., chinesisch Papier 4 fl.

Phantasien über deutsche Wichtungen.

In Radirungen IS Heft.

von

E. Trost

enthält: 6 Blatt gr. 1. 2 fl. chinesisch Papier 3 fl. c

Aehnlich dem Musiker, der durch verschiedenartige Wieder-
holungen und Abänderungen seinen Grundiert analysirt und zu
näherem Verständniß bringt, hat der Künstler in diesen Zeich-
nungen versucht seine Thema's weiter zu erklären und, indem er
eine neue Kunst zu der Dichtkunst gesellt, mit Hülfe dieser ge-
wissermaßen fortzndichten.

Unter Mitwirkung von Dr. Ernst Förster in München und Dr.' Franz Äuglet in Berlin, und unter Verantwortlichkeit der

I, G. Cotta'scheu Buchhandlung.
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