Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 17.1905-1906

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DER MARKT VON HILDESHEIM

ÜBER KÜNSTLERISCHEN STÄDTEBAU1)

Von Dr. Julius Zeitler in Leipzig

DIE monumentalste Urkunde einer Stadt ist ihr
Plan. Dies Wort ist am letzten deutschen
Denkmalspflegetag gefallen und der es sprach,
Professor Meier-Braunschweig, verlangte auf das leb-
hafteste eine Kulturgeschichte des deutschen Stadt-
planes, als das grundlegende Werk für die Denkmals-
pflege überhaupt. Diese große vergleichende Analyse
der Grundrisse unserer Stadtanlagen haben wir noch

1) Ohne Vollständigkeit zu prästieren, wären zur neueren
Theorie des Städtebaues folgende Werke zu nennen: außer
dem grundlegenden bekannten Buch von Camillo Sitte, Der
Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen. Ein
Beitrag zur Lösung modernster Fragen der Architektur und
monumentalen Plastik unter besonderer Beziehung auf
Wien (188g), Karl Henrici in seinen Beiträgen zur prak-
tischen Ästhetik im Städtebau (1904). Sein 1891 zu Aachen
gehaltener Vortrag: »Die künstlerischen Aufgaben im Städte-
bau« ist grundlegend; Buls (Bürgermeister von Brüssel),
l'Esthetique de la ville (1893), Stubben in seinem ent-
sprechenden Werk über den Städtebau, Lichtwark in
Deutsche Königsstädte« (1898) und »Hamburg und Nieder-
sachsen«:, Schulze-Naumburg in den »Kulturarbeiten«, Fuchs
in »Heimatschutz und Volkswirtschaft« (1904), Gurlitt in
dem Sammelwerke »Die deutschen Städte«, herausgegeben
von R. Wuttke: »Der deutsche Städtebau« (1904) und
»Städtebaufragen: (1904), ferner Theodor Fischer, »Stadt-
erweiterungen« (1904) und Hercher, »Grundfragen der Stadt-
erweiterung« (1905). Einschlägig in die Bauplatzparzel-
lierung ist Dr. Rudolf Eberstadt, »Rheinische Wohnver-
hältnisse und ihre Bedeutung für das Wohnungswesen in
Deutschland« (1904). In den Berichten über die Ver-
handlungen des deutschen Denkmalspflegetages finden sich
Referate von Stubben, Hofmann, Gurlitt über Straßenflucht-

nicht, es wird auch keine leichte Arbeit sein, aber
es ist ganz sicher, daß dieses Werk wird geschrieben
werden müssen. Stadtplänen an sich widmet man
schon seit geraumer Zeit das eifrigste Interesse. In
der Struktur des Grundrisses einer Stadt drückt sich
nicht weniger ihr Charakter aus wie in der Bauten-
kruste darüber. Der Stadtplan enthält alle Ansiedelungs-
kausalitäten einer Örtlichkeit. Ebenso wie alle Stadt-
bautheoretiker ihre Hauptbeispiele immer ihrer engeren
Heimat, ihrer nächsten Umgebung entnommen haben,
von Wien bis Brüssel, von Hamburg bis München
und Dresden, ganz so sahen sie sich ihren einheimischen
Stadtplan, auf dem sie täglich herumgingen, am ge-

linien (Erfurt 1903), ferner von Frentzen, Stubben, mit
Zusätzen von Schaumann und Oauß, über Bauordnungen
(Mainz 1904). Über die rein historischen Verhältnisse, be-
sonders der Kolonialstädte, unterrichten von Betow, »Städte-
wesen und Bürgertum«, Fritz, »Deutsche Stadtanlagen«
(1894), Rietschel, »Markt und Stadt« (1897) und neuestens
Kretzschmar, »Die Entstehung von Stadt und Stadtrecht«
(1905). Kunsthistorisch bietet auch die Sammlung »Be-
rühmte Kunststätten« viel Einschlägiges. — Die ganze
Untersuchung ist aus einem im Leipziger Kunstgewerbe-
verein gehaltenen Vortrage hervorgegangen. Ich mußte
mich gegenüber dem großen Gebiet darauf beschränken,
die Grundlinien zu ziehen, die mir am wichtigsten schienen.
Der Aufbau des alten Stadtbildes insonderheit gehört in
die Konservierung hinein, und beim Aufbau des neuen ist
natürlich einer modernen Architektur das Wort zu reden.
Die ganze Untersuchung betont die Wichtigkeit des Ge-
samtgrundrisses als ausschlaggebend für alle Städtebau-
fragen.
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