Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 17.1905-1906

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FRITZ ERLERS MONUMENTALE MALEREIEN



mus ganz vorbeigegangen. Sie nahmen
zwar nicht mehr so viel Braun als
Medium wie früher, aber sie wählten
weder eine resolut abstrahierende Farbe
noch ein entschiedenes Freilicht. In
nicht wenigen dieser großen Darstel-
lungen begegnet man daher einem
flauen, charakterlosen Atelierton, der
fast durchaus auf der Farbenanschau-
ung beruht, wie sie vor der entschei-
denden Revolution der sechziger und
siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts
Das wird sich bitter
der Inpressionismus
auch das weitere Pu-
und besser sehen.

in Geltung war.
rächen. Denn
lehrt allmählich
blikum richtigfer

Seine mit unvergleichlicher Mannhaf-
tigkeit und Ausdauer, auch zuweilen
mit Unterdrückung anders gearteter
starker Begabungen durchgefochtenen
Siege haben nicht nur dauernd unsere
Farbenbegriffe verändert, sondern auch
die Kunst mit zahllosen neuen Mitteln
bereichert und damit das Material für
eine neue Art von Wandmalerei zu-
bereitet. Nicht als ob es möglich
wäre, mit rein impressionistischer
Konsequenz monumentale Wirkungen
zu erzielen. Es gibt große Meister,
die Versuche in dieser Richtung ge-
wagt haben; sie wurden heroisch be-
gonnen, sind aber kaum gelungen.
Denn weder zum großen Format
noch zum freierfundenen Stoff paßt
der strenge Naturalismus; der freie
Stoff heischt eine freie Farbe — aber
allerdings eben eine solche, die der
durch den Naturalismus revolutionier-
ten Anschauung entspricht. Vielleicht
hätte sich die Erkenntnis rascher ver-
breitet, hätte man aus der sehr be-
wußt gestalteten Entwickelung Böck-
lins die richtige Folge gezogen.
Dieser Meister hat keineswegs aus
mangelnder, »rein« malerischer Bega-
bung plötzlich die Probleme der
Licht- und Luftmalerei verlassen. Als er
durch die Beschäftigung mit ihnen in
den Besitz des neuen Sehens gelangt
war, begann er, sich der glänzenden
Reichtümer freuend, frei mit ihnen zu
schalten: er wandte sich, da es ihm
nur ein paarmal vergönnt war, seine
eigentliche Begabung auf Wänden
auszuleben, dem »großdekorativen«
Bilde zu und eröffnete hier, wenn
auch in kleineren Formaten (worauf
es ja im wesentlichen nicht ankommt)
neue Bahnen, indem er mit vollem
Bewußtsein die naturalistisch gewon-
nene Farbe als architektonisches Ele-

IER VILLA NEISSER IN BRESLAU
.EREI VON FRITZ ERLER
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