Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 17.1905-1906

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Einfamilienhaus für die Villenkolonie in Kemnitz bei Dresden — Gesamtentwurf vom Architekten Oswin Hempel-Dresden, Grundrißanlage Hof-
zimmermeister Ernst Noack-Dresden, Gartengestaltung Garteningenieur Großmann Dresden-Leipzig und Architekt Hempel

DIE DRITTE DEUTSCHE KUNSTGEWERBEAUSSTELLUNG

DRESDEN 1906

Von Paul Schumann-Dresden

VOR zwei Jahren, im März 1904, faßte der Dres-
dener Kunstgewerbeverein unter Vorsitz seines
neuen Präsidenten Architekten Lossow den be-
deutsamen Entschluß, im Jahre 1906 in Dresden eine
allgemeine deutsche Kunstgewerbeausstellung zu ver-
anstalten, und sie im Hinblick auf die beiden voran-
gehenden Veranstaltungen in München 1876 und 1888
als dritte deutsche Kunstgewerbeausstellung Dresden
1906 zu bezeichnen. Alle für Dresdens Kunstpolitik
in Frage kommenden Behörden und Persönlichkeiten
nahmen den Entschluß sofort auf und gingen tat-
kräftig an seine Ausführung. Nachdem auch der
Deutsche Kunstgewerbetag, der 1904 zu Braunschweig
versammelt war, das große Unternehmen gebilligt
hatte, konnte es als gesichert gelten. Am 12. Mai
dieses Jahres ist nun die Ausstellung durch ihren
hohen Protektor König Friedrich August von Sachsen
im Beisein von Vertretern der wichtigsten deutschen
Bundesstaaten und Kunststädte feierlich eröffnet worden.
Sie hat sowohl durch ihren Umfang und ihre
Mannigfaltigkeit, wie durch den Ernst, mit dem hier
die weitschauenden Gesichtspunkte des Grundplanes
verwirklicht worden sind, die allgemeinen Erwartungen
noch übertroffen. Wir haben den wahrhaft bedeut-
samen Grundplan der Ausstellung seinerzeit hier
veröffentlicht und können heute feststellen, daß er
nicht nur von keiner Seite irgendwie angefochten
oder bemängelt, sondern von allen Sachverständigen

Kunstgewerbeblatt. N. F. XVII. H. g

als durchweg ausgezeichnet anerkannt worden ist. Es
sollte sich einerseits darum handeln, das Verhältnis
von Kunsthandwerk und Kunstindustrie zu klären,
und anderseits in einer umfassenden Schaustellung
zu zeigen, welche grundumstürzenden Wandlungen
das deutsche Kunstgewerbe seit der Münchener Aus-
stellung des Jahres 1888 erfahren hat. Alle künst-
lerischen Bedürfnisse der Zeit sollten dabei berück-
sichtigt werden, und zugleich sollte die Ausstellung
in jeder Hinsicht nach menschlicher Möglichkeit nur
Vorbildliches bieten, für die häusliche künstlerische
Kultur im umfassenden Sinne erzieherisch wirken.

Es versteht sich von selbst, daß ein so bedeut-
samer Plan nur bei fester einheitlicher Leitung und
unter Mitarbeit der gesamten künstlerischen Kräfte
moderner Richtung in ganz Deutschland ausgeführt
werden konnte, und diese Mitarbeit ist freudig ge-
leistet worden. Nur zwei deutsche Kunststädte haben
sich an der wichtigsten Abteilung — der Raumkunst
— nicht beteiligt, die eine blieb dem großen natio-
nalen Unternehmen fern, um selbst im nächsten Jahre
eine Landesausstellung zu veranstalten, in der anderen
waren die Mittel nicht aufzutreiben. Im übrigen aber
haben sich alle deutschen Städte, die für Kunst in
Betracht kommen, tatkräftig an der Ausstellung und
ihren Vorbereitungen beteiligt: voran München, dessen
schaffende Kräfte ja auch in der modernen deutschen
kunstgewerblichen Bewegung vorangegangen sind,

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