Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 17.1905-1906

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ZWEI LEIPZIGER WETTBEWERBE

In den letzten Monaten sind in Leipzig zwei Wett-
bewerbe zum Austrag gekommen, welche auch außerhalb
der Grenzen der Stadt Interesse erregen dürften, obwohl
die Beteiligung auf in Leipzig ansässige Architekten be-
schränkt war. Diese hier schon mehrfach geübte Be-
schränkung ist lobenswert und sticht vorteilhaft ab von der
Gepflogenheit vieler anderer Städte und Gemeinden, welche
selbst bei kleinen Bauaufgaben, deren Lösung keinerlei
besondere Schwierigkeiten bereitet und trotzdem oft nur
geringe Beträge für Preise und Ankäufe verfügbar sind,
die ganze deutsche Architektenschaft in Bewegung setzen
und eine Massenproduktion von Projekten veranlassen, die
in gar keinem Verhältnis zur Bauaufgabe steht. In Anbe-
tracht der Unsumme zwecklos vergeudeter Zeit und Arbeits-
kraft muß jede überflüssige Massenbeteiligung an Wett-
bewerben als bedauerlicher Mißstand bezeichnet werden,
zumal auch in solchen Fällen den Preisrichtern eine
Herkulesarbeit erwächst und oft gute Lösungen in der
Sintflut mittelmäßiger und minderwertiger Arbeiten rettungs-
los versinken, da eine genauere Prüfung und Abwägung
schlechterdings unmöglich wird.

ENTW.

MÜNCHENER NEUESTE NACHRICHTEN: BIBLIOTHEK DER REDAKTION
ARCHITEKT SCHLÖSSER (HEILMANN & LITTMANN) AUSFÜHR.: PÖSSENBACHER

Eine Beschränkung der Beteiligung war in den vor-
liegenden Fällen umsomehr geboten, als es sich um die
Bebauung zweier höchst wertvoller Plätze im Inneren der
Stadt in der Nähe hervorragender alter Bauten handelte.
Sowohl aus diesem Grunde wie auch zur Erfüllung der
besonderen Anforderungen der Programme wurde eine
äußerst genaue Kenntnis der örtlichen Verhältnisse und
Bauvorschriften, ein Einleben und liebevolles Versenken
in das Milieu erforderlich, in dem die neuen Schöpfungen
bodenständig wurzeln sollen, und hierfür konnten vornehm-
lich nur heimische Architekten in Betracht kommen. Da
Leipzig eine Reihe hochbedeutender Baukünstler besitzt,
so war zu erwarten, daß die Beteiligung an den Wettbe-
werben eine befriedigende sein würde. Das Ergebnis hat
gezeigt, daß dieser Erwartung entsprochen worden ist, so-
wohl was die Quantität als Qualität der eingereichten Ent-
würfe anlangt.

Bei dem Mitte Dezember 1905 entschiedenen Wett-
bewerb zur Erlangung von Plänen für die Erbauung eines
Geschäfts- und Wohnhauses (gewöhnlich Meßpalast ge-
nannt) auf dem zwischen der Grimmaischenstraße, dem Salz-
gäßchen, der Reichsstraße und dem
Naschmarkt belegenen Baublock waren
36 Entwürfe eingegangen. Von diesen
wurden fünf mit Preisen bedacht und
drei angekauft. Es erhieltenden I. Preis
(5000 M.j die Architekten Baurat
Weidenbach und Tschammer, den
II. Preis (3000 M.) Architekt Herold,
je die Hälfte des III. und IV. Preises
(1625 M.) Architekt Lucht und Archi-
tekt Herold, den V. Preis (750 M).
die Architekten Leopold und Alfred
Stentzler. Angekauft für je 500 M.
wurden die Entwürfe der Architekten
Reichel und Kühn, Alfred Müller und
Kösser.

Bei dem Ende Februar 1906 ent-
schiedenen Wettbewerb, welcher die
BebauungdesGeländes am ehemaligen
Töpferplatz mit Wohn- und Geschäfts-
häusern betraf, wurden 27 Entwürfe
eingereicht, von denen vier preisgekrönt
und zwei angekauft werden konnten.
Es erhielten den I. Preis (3500 M.) die
Architekten Baurat Weidenbach und
Tschammer, den II. Preis (2500 M.)
Architekt Herold, den III. und IV. Preis
(je 2000 M.) Architekt Wiesinger und
Architekt Herold. Angekauft für je
800 M. wurden die Projekte der Ar-
chitekten Müller und Seifert und des
Architekten Lucht.

Mithin stellte sich die überraschende
Tatsache heraus, daß bei beiden Wett-
bewerben annähernd dieselben Archi-
tekten Preisträger wurden. Es ist ein
erfreulicher Erfolg, daß die Architekten
Weidenbach und Tschammer, deren
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