Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 22.1911

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ARBEITEN VON KÄTHE STADTHAQEN IN MITTENWALDE

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KÄTHE STADTHAGEN IN
MITTEN WALDE - BERLIN

ES ist in unseren Tagen für eine Frau immer
noch nicht leicht, mit der männlichen Ar-
beit zu konkurrieren, insbesondere nicht
auf dem Oebiete des Kunstgewerbes, dem
sich so viele außerordentlich begabte männliche
Künstler zugewendet haben. Viele konkurrierende
Frauen verfallen deshalb in den Fehler, männ-
liche Eigenschaften und Ausdrucksformen nach-
zuahmen, ein Beginnen, das in den meisten Fällen
mißlingt und der Produktion karikaturistische Züge
verleiht. □
n Käthe Stadthagen hat sich von diesem Fehler
frei gehalten und dazu mögen die ausgezeichneten
Lehrer, die sie hatte, denen alles Gewaltsame
und Sentimentalische ein Greuel war und noch ist,
einiges beigetragen haben. In der »Steglitzer
Werkstatt« hatten sich zielbewußte und deshalb
sehr aufopferungsfähige Künstler, wie Ehmcke,
Kleuckens und Belwe zusammengefunden, die
nach dem Beispiel von William Morris das Buch
wieder zu einem Kunstwerke gemacht und unsere
Flächenkunst mit aus der Taufe gehoben haben.
Wer zu ihnen in die Lehre kam, erhielt die denk-
bar beste und ich möchte sagen: sittenstrengste,
handwerkliche Schulung. □
□ Die junge Künstlerin hat mit dem Pfunde,
das ihr damals und später auch von William
Müller anvertraut wurde, fleißig gewirtschaftet und
es mit einem beachtenswerten eigenen Vermögen
verschmolzen. Mögen ihre hier abgebildeten Ar-
beiten für sich selbst sprechen; sie scheinen mir in
glücklichster Weise logische Strenge mit Form- und
Farbenreichtum zu verbinden und trotz aller Ener-
gie viel weibliche Anmut zu entfalten.’
F. HELLWAG

Aus


KÄTHE STADTHAGEN IN MITTENWALDE-BERLIN
Decken und Kissen in Kurbelstickerei aus Tuch, Seide und Leinen

»Künstler worte«*.
»Zur Wiedergeburt der
Künste ist vor allem eine
Wiedergeburt der Sitten
notwendig.« Delacroix.
» Vor allen Dingen muß
der Künstler Bürger sein.«
David von Angers.
» Überall ist die Kunst
ein Resultat der Kultur.«
Braquetnond.
»Die Phantasie in der
Kunst besteht darin, daß
man den vollkommensten
Ausdruck für eine existie-
rende Sache finde, nicht
aber, daß man diese Sache
selbst erfinde oder schaffe.«
Courbet.
* Gesammelt von Karl
Eugen Schmidt. Verlag von
E. A. Seemann in Leipzig. Preis
4 Mark.
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