Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 22.1911

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PORZELLANE DER KGL. MANUFAKTUR IN BERLIN

der Malerei unter der Glasur, welche durch ihre Halt-
barkeit besonders für Gebrauchsgeschirr geeignet ist,
ihre besondere Aufmerksamkeit zu schenken und
für dieselbe einfache, geschmackvolle und billig aus-
zuführende Muster entwerfen zu lassen. Es wurde
anerkannt, daß die jetzt vorgelegten Proben erfreuliche
Versuche in dieser Richtung seien, und empfohlen,
auf diesem Wege weiter fortzuschreiten. Man müsse
dahin streben, die aller Orten vorhandenen künst-
lerischen Kräfte, welche gern die Gelegenheit ergreifen
würden, sich mit der Dekoration von Tongeschirren
zu befassen, seit die Liebe zum Kunstgewerbe und
die Achtung vor seinen Leistungen sich überallhin
verbreitet habe, für die Manufaktur nutzbar zu machen.
Es sei weder erforderlich noch zweckmäßig, viele der-

selben dauernd in den Dienst der Manufaktur zu
ziehen; es genüge, wenn ihnen die Möglichkeit er-
öffnet werde, sich zunächst mit der Dekoration von
Porzellan zu beschäftigen, und wenn sie darin Erfolge
erzielen, mit der Manufaktur eine dauernde Verbindung
zu unterhalten. In Frankreich und England beziehen
zahlreiche Künstler und Künstlerinnen den Scherben
und die Farben, deren sie zu seiner Bemalung be-
dürfen, von den Porzellan- und Fayencefabriken, führen
die Malerei in ihren Wohnungen aus und senden
die Gegenstände der Fabrik zurück, um sie zu brennen.
Hier sei hierzu keine Gelegenheit geboten, es sei die
Pflicht der Porzellanmanufaktur, die deutschen Kunst-
gewerbetreibenden in ähnlicher Weise zu unterstützen.
Die Malerei auf Porzellan- und Tongeschirren könne
dann für viele Frauen, beson-
ders innerhalb der besseren
Stände, zu einer ebenso loh-
nenden wie angemessenen
Nebenbeschäftigung im
Kreise ihrer Familie werden.«
* *
*
□ Die Distanz hilft zu
Gerechtigkeit. Wenn man
das Protokoll des Jahres
1878, die darin geäußerten
Bedenken und die oft recht
erheblich in die Irre gehen-
den Besserungsvorschläge
(man gedenke der An-
reizung zum Dilettantismus)
gelesen hat, wenn man
dann die heutigen Erzeug-
nisse anschaut, so lernt man
die Erfolge der letzten
Zeit schätzen. Und wenn
man sich dann weiter er-
innert, daß die Neugeburt
der Manufaktur wirklich
erst den letzten zehn Jahren
gehört, dann wird man dop-
pelt die Arbeit von Sclunuz-
Baudiß zu werten wissen.
Schon bevor er das Direk-
torium übernahm, hatte
Schmuz-Baudiß begriffen,
daß es nicht so sehr darauf
ankomme, aus Porzellan alles
zu machen, was sich nur
irgendwie aus der leicht
modellierbaren Masse ma-
chen lasse; daß vielmehr das
das Entscheidende sei: das
edle Material in Flächen
spiegeln und in sanften,
die Transparenz der Glasur
nutzenden Farben leuchten
zu machen. Er schuf
große Gefäße, deren Wan-
dungen die harte, dem Por-


Kgl. Porzellanmanufaktur Berlin: Altberlin, Pate-sur-päte
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