Lanckoroński, Karl [Hrsg.]
Städte Pamphyliens und Pisidiens (Band 2): Pisidien — Wien, 1892

Seite: 174
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Lage, wie ein See, vor sich zu haben, circa 700 M. von West nach Ost lang- und halb so breit von
Nord nach Süd, eingebettet zwischen zum Theil bewaldeten Ausläufern eines kegelförmigen
Vorberges des Bozborun.

Der Kern der Höhen ist Conglomeratgestein, welches, wagrecht geschichtet, im Grossen
wie im Kleinen überall dieselbe Bildung stufenförmigen Aufbaues zeigt, eine Menge natür-
licher Terrassen bietend, die von nachhelfender Menschenhand anbaufähig gemacht sind:
Getreide, Mais, Wein, Nüsse, Kastanien, diese nur weiter abwärts, Oliven trägt der Boden
auch heute bei nothdürftiger Cultur, zumeist wohl als Erbschaft alter Zeiten, von denen
Strabo a. a. O. berichtet. Vergebens aber suchten wir den von ihm gepriesenen Storax,
auf dessen mit dem Cultus des Herakles verbundene Verehrung Imhoof-Blumer, Monnaies
grecques, S. 342, gewisse Münztypen von Selge bezogen hat. Die oberste Terrassenstufe
bildet meist eine Zwillingskuppe. Die Westspitze der Ebene drängt sich zwischen die Höhen
I[7 III, in welche die weiter westlich liegende höhere Kuppe / sich gabelt. Das Dreibein
(siehe S. 184) in Relief auf einem Stein, der auf der Höhe III liegt, könnte man, wenn es
nicht in Lykien so häufig wäre, als ein Symbol von Selge ansehen. Denn eben jene drei-
schenkelige Höhe I II, fll trägt die Ruinen der alten Stadt. Und dass diese Stadt Selge
ist, haben Schönborn wie Daniell sogleich eingesehen, geleitet durch die Häufigkeit sel-
gischer Münzen am Orte selbst, wie durch den Anklang des heutigen Dorfnamens, dessen
verschiedene Schreibung, bei Daniell Serghe, bei Schönborn Sürk, bei Hirschfeld und
Kiepert Serück, erkennen lässt, wie schwer es ist, einen aus dem Yolksmunde vernommenen
Namen schriftlich zu fixieren, während wir in der Wandelung des antiken Namens von Stieg
— und Estleg — zu Selge vielmehr die von griechischer Zunge vorgenommene mählige Ab-
schleitung pisidischer Sprachrauhheit erkennen.1

Aber auch die Schilderung, welche Strabo S. 569 f. von Selge gibt, fanden jene Rei-
senden mit Recht auf diesen Ort und seine Lage zutreffend. Als Nachbarn der Seigier nennt
der alte Geograph die Städte Sagalassos im Westen, Katenna im Osten, Aspendos im Süden,
so dass ihr Gebiet etwa vom Kestros im Westen bis zum Eurymedon im Osten sich ausge-
dehnt hätte. Auf das engere Stadtgebiet dagegen muss man beziehen, was er von der durch
schroffe Höhen und tiefe Schluchten bewirkten Unzugänglichkeit, von der Fruchtbarkeit des
Bodens so hoch im Gebirge und besonders was er von den umgebenden reichbewaldeten An-
höhen sagt.2

Inschriftliche Bestätigung, welche auch Hirschfeld noch fehlte, haben wir mehrfach
gefunden. (Siehe Inschr. 240, 242 und 244.)
Geschichte. Selge's Gründung wurde dem Kalchas zugeschrieben, aber auch den Lakedaimoniern.

Parteilich klingt das Lob, sie seien volkreich und streitbar (siehe S. 17) bei guter Verfassung,
nicht von Tyrannen beherrscht. Denn wie Termessos lebte auch Selge mit seinen Nachbarn
in Fehde, mit Sagalassos, Pednelissos, Aspendos; und dass andere dem Lobe widersprachen,

1 Vergl.obenS.11 und Zeitschrift für Numismatik 1S74, S. 298 ff. (Friedländer), 1876, S. 76 (Si.x), 1S77,
S. i3J und 1884, S. 3zt) (Imhoof-Blumer).

2 Strabo a. a. O., Polybius 5, 72, Dionysios Perieg. 860.
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