Lanckoroński, Karl
Künstler und Kunsthistoriker: einiges über Wiener und andere Museen von einem alten Kunstliebhaber — Wien, 1924

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II.

Im Wiener Kunstbistoriscben Museum be*
gegnen wir einem besonders frappanten Beb
spiel für das um die Zeit seiner Eröffnung
herrschende Bestreben, alle Kunstwerke,
deren man habhaft werden konnte, in Museen
unterzubringen.

Im Volksgarten steht ein dorischer Tempel,
der Canovas Marmorgruppe des Theseus, der
den Minotaurus erschlägt, beherbergte, für
die er vor einem Jahrhundert gebaut wurde.

Die Gruppe war mit dem Bauwerk in Eins
verwachsen und gelangte so zu entsprechen*
der Wirkung.

Canovas und seines Zeitgenossen und
Rivalen Thorwaldson Skulpturen, in den Tagen
ihrer Entstehung maßlos bewundert, von den
darauffolgenden Generationen gering ge*
schätzt, begegnen jetzt, wenn auch keiner
überschwenglichen, so doch immerhin starker
Anerkennung. Diese Theseusgruppe nun,
wurde vor 36 Jahren aus dem Tempel im
Volksgarten auf die überladene Prunkstiege
des neu erbauten Museums versetzt, und
zwischen aufdringlich Wappen haltenden
Marmorlöwen, unter invita Minerva gemalten
Deckenbildern von Makart und Munkäcsy,
24 welche neben den vollwertigen Werken dieser
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