Lanckoroński, Karl
Künstler und Kunsthistoriker: einiges über Wiener und andere Museen von einem alten Kunstliebhaber — Wien, 1924

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Die Kunstsammlungen begegnen nun ein*
mal in Paris und Berlin, in Dresden und
München mehr dem Interesse der Allgemein»
heit wie in Wien, wo dieses Interesse vorüber»
gehend einzelnen Künstlern, wie beispiels»
weise Makart oder Klimt, sich zuwendete,
aber sonst vom Theater und vor allem von
der Musik absorbiert wird. Vergessen wir
nicht, daß Werke früherer Kunstepochen von
höchstem Wert, wie der große Saal der ehe»
maligen Hofbibliothek, vielen gebildeten
Wienern eine Terra incognita sind, wie es
auch nur wenige Wiener gibt, welche die
neben ihrer Stadt liegende Römerstadt Car»
nuntum besucht haben.

Was allein die Museen der Allgemeinheit
dauernd näher bringen könnte, wäre eine
Vermehrung der Besuchsstunden und die
Öffnung der Sammlungen an Nachmittagen,
da ihr Beruf eine große Zahl von Kunst»
freunden hindert, am Vormittag ein Museum
zu besuchen.

III.

Im verflossenen Frühjahr wurde im Wiener
Künstlerhaus eine Ausstellung von Neuerwer»
bungen der Gemäldegalerie des Kunsthistori»
sehen Museums, mit einem kostspieligen 35

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