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Licht, Hugo [Editor]
Die Architectur Berlins: Sammlung hervorragender Bauten der letzten 10 Jahre — Berlin, [1877]

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https://doi.org/10.11588/diglit.19013#0018
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BLATT 17. 18. 19. 22.

DAS GEBÄUDE DER PREUSSISGHEN BODEN-CREDIT-ACTIEN-BANK

hinter der katholischen Kirche 2,
erbaut von den Baumeistern Ende und Boeckmann in den Jaliren 1871—73.

Hinsichtlich einer effectvollen Gruppirung und einer wirksamen Verwendung der Hauptarchitektur-
theile stellt die Bodencreditbank unter den modernen Neubauten Berlins obenan. Der Mittelbau zeigt
in seinem oberen Geschoss Anklänge an die venetianische Hochrenaissance, speziell an die Markus-
bibliothek. Die glückliche Farbenstimmung zwischen dem Sandstein und den Yerblendziegeln trügt
wesentlich zu dem imposanten Eindruck der Fagade bei. Die schwere Quaderung des Erdgeschosses,
welches u. a. die Kassengewölbe enthält, ist aus dunkelrothem Nebraer Sandstein aufgeführt. Für die
Architekturtheile der oberen Geschosse ist ein hellerer Sandstein gewählt, dem sich die fleischfarbenen
Yerblendziegel in der Farbe noch unterordnen. Die Fagade ist mit reichem plastischem Schmuck ver-
sehen. Die Gruppen Uber dem Gesims des Mittelbaues sind nach Entwürfen des Bildhauers Moser in
Sandstein ausgeführt. Auch gegenüber den kolossalen Verhältnissen der Hedwigskirche nimmt das Ge-
bäude noch eine dominirende Stellung ein. Baukosten: 811,000 Mk.

BLATT 20. 39.

DAS GEBÄUDE DER MITTELDEUTSCHEN (MEININGER) KREDIT-BANK

in der Behrenstrasse 1 und 2,
erbaut von Ende und Boeckmann in den Jahren 1872—74.

Während die Bodencreditbank durch ihre kräftigen Architekturtheile und durch die Gliederung der
Fagade wirkt, erfreut die Meininger Bank das Auge durch das Ebenmaass ihrer Verhältnisse. Die Fenster-
bildung des zweiten Stockwerks erinnert an eine Perle der venetianischen Frührenaissance, den Palast
Vendramin Calergi. Auch für dieses Gebäude ist durchweg echtes Material verwendet worden, für die
Architekturtheile gelber Seeberger Sandstein, für die Flächen gelbe Verblendziegel. Aus dem reichen
plastischen Schmuck ist besonders der prächtige Puttenfries unter dem Kranzgesims hervorzuheben. Wie
aus dem Grundriss auf Blatt 39 zu ersehen, hat die Hauptaxe des Gebäudes in Folge der ungünstigen
Terrainverhältnisse einen Bruch erlitten. Doch ist dieser Bruch durch den halbkreisförmigen Abschluss
des Hofes, dessen Fagade ebenfalls in reichen Architekturformen gehalten ist, sehr geschickt verdeckt
worden. Das zweillüglige Treppenhaus zeichnet sich durch eine ebenso bequeme wie einfache Dis-
position aus. Die malerische Decoration der inneren Räume steht unter dem Einfltiss der maassvollen
Schinkel'schen Richtung, an welche Ende und Böckmann angeknüpft haben, um dann allmälig zu einer
selbstständigen und freien Verwerthung deutscher und italienischer Renaissancemotive vorzugehen. —
Baukosten: 645,000 Mk.
 
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