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Leo Liepmannssohn <Berlin> [Editor]
Autographen-Sammlungen: Ignaz Moscheles und Reserve Alfred Bovet ; bestehend zum größten Teil aus wertvollen Musikmanuskripten und Musikerbriefen ; Versteigerung am 17. u. 18. November 1911 (Katalog Nr. 39) — Berlin, 1911

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https://doi.org/10.11588/diglit.17284#0169
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Wagner. Korrespondenzen.

nicht (zu) vergessen, dem ich, wie Sie mir schonend zu bemerken gaben,
Schwierigkeiten aufgebürdet habe, deren so schöne Lösung wohl einer
besseren Sache werth gewesen wäre!"

II. „So lange ich lebe wird mir unvergesslich bleiben, wie überaus
glücklich Sie mich gemacht haben . . ." „Als ein reines Glück habe ich
Sie gewonnen und will mich dessen ewig freuen, — ich will Sie verehren, lieben
und mein Lebelang zu Ihrem Danke leben."

III. Er äussert sich auf eine Anfrage Spohrs über seine Nichte Johanna
Wagner. Er ist froh, in ihr „endlich ein junges Talent gefunden zu
haben wie sie leider jetzt so selten sind . . . Ich habe als ich sie hierher
zog, rein aus Rücksicht für unsere Oper, nicht im mindesten aber aus
verwandschaftlicher Fürsorge gehandelt." Er bedauert, dass er des
Adressaten neue Partitur [die Kreuzfahrer] noch nicht habe studieren
können, er sei aber jetzt zu sehr mit Arbeit überhäuft, auch mit der
„Instrumentation meiner neuen Oper" [Tannhäuser] beschäftigt, er bedarf
auch zur Durchstudierung „eines gewissen Behagens, das bei leiden-
schaftlichen Naturen leider so selten zu gewinnen ist." Damit der
Geschmack des Publikums „sich aus seiner ekelhaften Versunkenheit
heben möge" wünscht er dem Werke vollen Erfolg. Ein leises Streif-
licht auf seine Geldverhältnisse fehlt auch hier nicht. „Wer würdig
dazu werden will, muss, glaube ich, vor allen Dingen der Hoffnung —
reich zu werden, gründlich entsagen ..." „Wer so denkt u. gedacht
hat, wird wohl vom Alter nicht viel zu fürchten haben: mögen die
das Alter fürchten, deren Productionskraft in der Sinnlichkeit beruhte:
Für mich ist nichts natürlicher, als dass ein Rossini, ein Auber mit den
graifen Haaren auch langweilig wurden: mit der Impotenz der Sinne
musste bei Ihnen wohl auch der Geist impotent werden." Er bedauert
dann, die Oper nicht selbst einstudieren zu können, jedoch müsse er
auf ärztlichen Befehl einen Erholungsurlaub nehmen.

IV. Dieser Brief vom 16. July 1845 trägt ein historisches Datum. An
diesem Tag wurde der Urentwurf der Meistersinger geschrieben. Die drängenden
Gedanken haben ihm nicht mehr die nötige Zeit gelassen, denn der
Brief ist sehr flüchtig geschrieben. Er bedauert, den Adressaten nicht
selbst gesprochen zu haben, doch hinderte ihn ein strenges Verbot des
Arztes daran. „Die Verzögerung Ihrer neuen Oper in Dresden ist ledig-
lich nur die Folge eines gewissen Repertoir-Schlendrians u. es ist mir
unbegreiflich, dass Reissiger Ihnen das nicht genau erklärt hat." . . . „Ein
heftiger Andrang des Blutes nach dem Kopfe verbietet mir leider mich
noch länger mit Ihnen zu unterhalten; bereits habe ich schon wegen der
ungemeinen Flüchtigkeit meiner Zeilen um freundliche Nachsicht zu bitten."

V. Er geht noch näher auf die im vorigen Brief erwähnte Kreuzfahrer-
Angelegenheit ein. „Nach einem widerlich verlebten Winter athme ich nun
in der reizenden Natur, die mich umgiebt, auf." Er ist seinem General-
direktor (Intendant v. Lüttichau) für den gewährten 3 monatl. Urlaub
sehr zu Dank verpflichtet „soll ich nun undankbar sein, und die erste
Freiheit, die er mich gemessen lässt, zur Kritisirung seines Benehmens
gegen Sie verwenden? . . Die Art und Weise seines A^erfahrens, das ich

Leo Liepmannssohn. Antiquariat. Berlin SW. 11, Bernburgerstrasse 14.
 
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