Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 7.1898-1902

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5—6 Nrn. zum Preise von 3 Mark.

'»/Nr. 30.

Jac. Lintz, Verlagsbuchhandlung und Buchdruckerei in Trier.

Ausgegeben am 31. Oktober

1898.

Erdkastell Heidekringen. Die kleine Erd-
umwallung, welche etwa 7 km nördlich
von Wiesbaden, 51/« km südlich vom Limes
und Kastell Zugmantel im Walddistrikte
Heidekringen liegt, hat schon v. Cohausen,
Grenzwall S. 108, als römisch in Anspruch
genommen ; die im Laufe des Jahres 1897
mit mehrfachen Unterbrechungen ausge-
führten Grabungen der B.-L.-K. haben dies
bestätigt und Anhaltspunkte geliefert, um
die Periode und das System der römischen
Grenzverteidigung, welcher die Verschan-
zung angehörte, genauer zu bestimmen —
Das Kastell, jetzt zum grössten Teil in
einer nahezu unzugänglichen Fichtendick-
ung') gelegen, bildet ein etwas unregel-
mässiges Viereck mit abgerundeten Ecken,
von etwa 62x78 m (in der Sohle des
Grabens gemessen) Seitenlänge. Seine
Lage am Nordubhange des „Eichelberges"
bedingt ein nicht unbedeutendes Gefälle
im Inneren des Kastells von Süden nach
Norden, derart, dass die dem sog. „alten
Sonuenberger Wege" zugekehrte, aber
nicht ihm parallel verlaufende Nordseite,
am tiefsten im Niveau liegt. Der Wall-
graben hatte, wie zahlreiche Durchschnitte
lehrten, etwa eine Breite von 3,60 m (am
gewachsenen Boden gemessen) und eine
Tiefe von beiläufig 1 m unter Terrain.
Der Wall, meist noch 1 m über dem ge-
wachsenen Boden erhalten, muss eine
Breite von 6,50—7 m gehabt haben; nach
dem Grabenrande zu besass er eine aus
Steinen geschichtete trockene Stützmauer;

1) Dieser Umstand war bei den Grabungen
vielfach sehr hinderlich; aucli konnte deshalb
eine genaue geometrische und nivellierte Auf-
nahme noch nicht stattfinden; die unten gemach-
ten Maassangaben beruhen nur auf Messungen
mit dem Itandmaas und kennen daher nur auf
annähernde Richtigkeit Anspruch erheben.

denn die in jedem Grabenschnitt ange-
troffenen mehr oder minder grossen meist
flachen, unbehauenen Steine, mit welchen
beide Grabenböschungen, namentlich die
innere, wie belegt erschienen, können nur
diesem Zweck gedient haben. Auch die
regelmässig in bedeutender Menge begeg-
nenden Holzkohlen, welche am dichtesten
auf der Grabensohle und den Böschungen
unter dem von dem zerstörten Wallkör-
per allmählich herabgeschwemmten zarten
Grunde sich befanden, zwingen zu dem
Scbluss, dass sie entweder von den Wall
bekrönenden Palissaden, oder von in die
oben erwähnte Wallstützmauer zur Aus-
gleichung der Schichten und zur weiteren
Festigung eingezogenen Balken herrühren.
— An beiden Langseiten wurden, ziemlich
genau auf einem Drittel ihrer Länge von
Westen aus, äusserlich nicht mehr sicht-
bare Thore nachgewiesen, indem der
Graben hier unterbrochen war (die Breite
des Dammes konnte wegen des Waldbe-
standes nicht ermittelt werden), und so-
wohl hinter, wie in der flucht des Walles,
z. T. auch auf dem Damme, wurde eine
Steinschotterung angetroffen, welche da,
wo sie die Flucht des Walles kreuzte,
auf einer Art Stickung aus grösseren Stei-
nen ruhte. Auf dem Damme der Nord-
seite fanden sich mehrere Pfostenlöcher,
sowie ganze verkohlte Balken, welche viel-
leicht den Schluss auf einen vor die Wall«
flucht etwas vorspringenden hölzernen
überbau des Thores gestatten. An der
östlichen Schmalseite befand sich nach
mehreren Anzeichen wahrscheinlich eben-
falls ein Thor; wegen des starken Terrain-
gefälles aber war der Graben hier mit
einer Holzbrücke überspannt; die west-
liche Schmalseite scheint kein Thor gehabt
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