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Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 7.1898-1902

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LIMESBLATT.

Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission.

Erscheint jährlich in 5—6 Nrn. zum Preise von 3 Mark.

Nr. 33.

Jacob Lintz, Verlagsbuchhandlung- und Buchdruckerei in Trier.

Ausgegeben am 1. Februar

1901.

201. Niederbieber, [Kastell.] Die vorjährigen
in der Zeit vom 29. August bis 13. Oktober
ausgeführten Grabungen der E.-L.-K. be-
schränkten sich auf den zwischen dem
„Prätorium" und der östlichen Umfassungs-
mauer gelegenen Teil des Lagers (latus
dextrum praetorii) und griffen südlich noch
über die via principalis hinüber. Dieses
etwa 60 m breite und 100 m lange Stück
wurde, da alle Grundstücke mit Ausnahme
eines mit Rüben bestellten unmittelbar
hinter dem östlichen Seitenthore gelegenen
Ackers von den Besitzern entgegenkommend
zur Verfügung gestellt wurden, durch dicht
neben einander gezogene Gräben vollstän-
dig untersucht, so dass hier nichts von
Bedeutung der Aufmerksamkeit entgangen
sein kann. Die angetroffenen Gebäude
und sonstigen Anlagen wurden, soweit sie
zugänglich waren, durch vollständiges Ab-
decken des Bodens freigelegt.

Die Erwartung, dass die Hoft'mann'schen
Grabungen sich auf diesen Lagerteil nicht
erstreckt haben, da der Ilundeshagen'sche
Plan hier eine weisse Fläche aufweist,
wurde vollauf bestätigt, indem die Schutt-
schichten namentlich in grösserer Tiefe
sich fast überall unberührt zeigten, welchem
Umstand nicht nur eine verhältnismässig
grosse Anzahl von Kleinfunden, sondern
auch die Möglichkeit verdankt wird, für
bauliche Veränderungen, denen die ver-
schiedenen Anlagen in der Zeit ihres Be-
stehens unterworfen gewesen sind, Anhalts-
punkte zu gewinnen.

Durch die Grabungen ist jetzt festge-
stellt, dass sich in dem ganzen mittleren
Drittel des Lagers keinerlei Unterkunfts-
räume für Mannschaften befanden: wäh-
rend ,in latere sinistro' (westlich) des Prä-
torium abgesehen von einem langen noch

nicht genügend erforschten Bau (valetu-
dinarium?) das Haus des Lagerkomman-
danten sowie die Wohnungen seiner Offi-
zialen lagen, war das latus dextrum (öst-
lich vom Prätorium) mit Gebäuden für die
technischen Bedürfnisse der Kastellbesatz-
ung ausgefüllt: die Werkstätten (Fabrica).

Durch einen etwa 5,50 m breiten mit
Tuffsteinkleinschlag beschotterten Zwi-
schenraum vom „Prätorium" getrennt lag
hier ein Gebäude von etwa 53 m Länge
und 15 m Breite (= 180 x 50 pedes
also 31/*: 1). Ziemlich genau in der Mitte
der Schmal- (Nord- und Süd-)seiten befand
sich je ein 3,45 bez. 3,20 m breites Thor,
die Langseiten, von denen die östliche
ihrer ganzen Länge nach aufgedeckt wurde,
hatten keinerlei Eingänge. Dagegen war
die Ostmauer in der Mitte, sowie in ihrem
nördlichen und südlichen Drittel von drei
genau in der Art von Kellerlöchern ge-
mauerten Nischen von 0,05, 1,20 und
0,80 m Breite durchbrochen; sie können
ihrer Anlage nach nur den Zweck gehabt
haben, dem Innenraum, mit dessen Boden
ihre Unterkante auf gleichem Niveau
lag, Luft zuzuführen. Ob auch auf der
Westseite entsprechende Nischen vorhan-
den gewesen sind, liess sich, da der grösste
Teil derselben unter einem unzugänglichen
Kleeacker liegt, leider nicht feststellen.
Im Inneren des Gebäudes, das einen
Flächenraum von über C50 qm im Lichten
besitzt, fanden sich nirgends Spuren von
Zwischenmauern. Dennoch sind verschie-
dene Abteilungen im Inneren vorhanden
gewesen. Zwei 10,50 m von der Aussen-
kante der Südmauer beginnende Stein-
setzungen zogen sich in 1,80 m Entfernung
von den Längsmauern des Gebäudes diesen
parallel hin und begrenzten so einen im
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