Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 7.1898-1902

Page: 891
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/limesblatt1898_1902/0042
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
— 891 — Linn

Lichten etwa 7,50 m (= 26 pedes) breiten
Baum, dessen Sohle, von dem natürlichen
gelblichen vorrömischen Kulturboden ge-
bildet, um ein Geringes (etwa 30 cm) tiefer
lag, als die beiden seitlichen, von den ge-
nannten Steinsetzungen nach Innen zu be-
grenzten, etwa 2,85 m (= 10 pedes) breiten
Bänke. In der Mitte wurden die Reste
eines Ofens mit Windloeh aufgedeckt, die
seine Wände bildenden Tuffsteine waren
durch die Hitze vollständig zermürbt und
rotgelb gefärbt. Dicht daneben scheint
auf einer festen Steinunterlage der Ambos
gestanden zu haben und eine Vorrichtung
zur Aufstellung eines Kessels oder einer
Pfanne, um kleinere Mengen Metall zu
schmelzen, vorhanden gewesen zu sein.
Eine genau in der Längsachse des mitt-
leren Raumes, die mit derjenigen des
ganzen Gebäudes zusammenfällt, hin-
ziehende Reihe von Holzpfosten, deren
Löcher nachgewiesen werden konnten, hat
wohl weniger zur Befestigung einer tei-
lenden Bretterwand, als vielmehr dazu
gedient, die hier das Dach der übrigen
Teile des Gebäudes vielleicht überragende
Eindeckung zu stützen. Um andere tech-
nische Einrichtungen hier zu übergehen,
sei noch erwähnt, dass auch nahe der
Nordseite des Gebäudes ein kleiner aus
Ziegelplatten hergestellter Ileerd sich be-
fand, auf welchem ein kurzes enges Thon-
röhrchen wohl die Stelle anzeigt, an wel-
cher das Gebläse auf die Flamme ein-
wirkte. Nahe bei diesem Heerde lagen
in einem etwa 30 cm in den Boden ver-
tieften Loche grosse Klumpen von grau-
weissem und blutrotem Bolus, wie er ganz
in der Nähe auf der Höhe nach Melsbach
zu vorkommt. Er wird hier bei Herstel-
lung von Gussformen und überhaupt beim
Schmelzen von Metallen, sowie beim Löten
Verwendung gefunden haben. Alle diese
Funde, sowie in grosser Zahl angetroffene
grössere und kleinere Eisenschlacken und
Stücke einerporösen cokesähnlichenschwar-
zen Masse lassen keinen Zweifel über die
einstige Bestimmung des Gebäudes als
Werkstatt für Bearbeitung der Metalle,
speziell als Schmiede, was auch dadurch
bestätigt wird, dass das ganze Innere der-
artig mit Russ- und Kohlenmassen erfüllt

)latt. — 892 —

sich zeigte, dass der ganze Boden von der
Sohle an bis dicht unter die Ackerkrume
eine gleichmässig tiefschwarze Färbung
hatte, wie sie in gleichem Maasse bisher
im Kastell noch nirgends beobachtet wor-
den war. Trotz der vollständigen Aus-
räumung des grossen Teiles des Inneren
fanden sich Gefässscherben nur sehr we-
nige (Tierknochen fehlten ganz), dagegen,
ausser vielen am Gebäude selbst ange-
bracht gewesenen Eisonteilen, auch Bruch-
stücke von Werkzeugen (Hammer, Spitze
eines Pickels oder eiserner Keil?, Blatt
einer Säge, Meisel, Feile u. s. w. Die
merkwürdige Thatsache, dass in dem mitt-
leren Gebäudeteile, wo sich die Grob-
schmiede befunden haben dürfte und daher
besonders zahlreiche Werkzeuge zu er-
warten gewesen wären, fast gar nichts
sich fand, lässt, da eine spätere Durch-
wühlung ausgeschlossen ist, sich wohl
nur dadurch erklären, dass während oder
kurz nach der Zerstörung eine systema-
tische {Plünderung der für die Eroberer
wertvollen Eisengegenstände stattgefunden
hat. Ein den nördlichen Teil der Ost-
seite einnehmender Bachkiesel- und Kalk-
beton von etwa 20 m Länge und 3,50 bez.
3 m Breite, der kaum 25 m höher lag
als die sonstige Sohle des Inneren, dürfte
nicht der ursprünglichen Anlage ange-
hören : er reichte in die nördliche der
drei erwähnten Mauernischen derart hin-
ein, dass er sie zum Teil überdeckte und
dadurch ihrer eigentlichen Bestimmung
entzog. Auch die beiden anderen Nischen
der Ostseite waren nachträglich in ihrem
untersten Teile mit Sand zugeschüttet und
darüber durch in Lehm gesetzte Steine
zugemauert. In dieser späteren "Zeit haben
vielleicht Heizkästchen, von denen sich an
einigen Stellen wenige Bruchstücke auf
dem Estrich fanden, die Bestimmung, den
Rauch ab- bez. kalte Luft zuzuführen,
gehabt. Gedeckt war das Gebäude in
seinem nördlichen, vielleicht auch im süd-
lichen Teile, mit Schiefern, von denen sich
noch dicke Schichten, grossenteils durch
Brand gerötet und aufgebläht, auf dem
Kalkestrich bez. auf dem die Sohle bil-
denden natürlichen Sande vorfanden.
Nahe der Südostecke des Gebäudes dicht
loading ...