Deutschland <Deutsches Reich> / Reichs-Limeskommission [Editor]
Limesblatt: Mitteilungen der Streckenkommissare bei der Reichslimeskommission — 7.1898-1902

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Limesblatt.

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zu ermitteln, hatte wegen des Wasserstandes
in den Wiesen seine grossen Schwierig-
keiten. Dagegen zieht etwa 50 m hinter
der als Limeszag anzunehmenden Verbin-
dungslinie der fixierten Endpunkte quer
durch die Wiesen ein etwa 5—8 m breiter
erhöhter dammartiger Streifen, der bis an
die Aar hochwasserfrei daliegt. Bei der
Regulierung des Aarlaufes und Anlage eines
Wehres beim Bahnbau waren grosse senk-
rechte Pfähle freigelegt worden, die Prof.
Wolff als vielleicht von einem römischen
Übergänge herrührend erkannte. Auch
hatte Wolff damals durch einen Schnitt (juer
in den Wiesendamm dessen Schichtungen
feststellen und darin einen verschleiften
Kiesweg konstatieren können. Die^jetzigen
Untersuchungen haben dies bestätigt und
es ist anzunehmen, dass zur Römerzeit der
Übergang über die Aar durch ein Pfahl-
werk nach Art eines Knüppeldammes be-
festigt war. Im Mittelalter muss anstatt
der Holzbrücke eine Furt die Verbindung
vermittelt haben, wie sie ein bei Rossel
abgedrucktes Weistum von Adolfseck be-
zeugt. Der Vorgänger der jetzigen Chaussee,
der alte Aarthalweg auf der Adolfsecker
Seite, biegt, wie er an den Wiesendamm
kommt, in der Flur „die Goss" von seiner
Richtung ab und nimmt sie erst etwa nach
50 m wieder auf.

In dieser am nördlichen Ufer des Aar-
bettes über dem Hochwasser gelegenen
Erhöhung wurde das Zwischenkastell
gefunden. Soweit es sich feststellen Hess,
ist seine Länge mit etwa 20 m anzunehmen,
seine Form und Grösse entspricht unserem
Zwischenkastell „Altes Jagdhaus" (L.-Bl.
83). Die Stärke seiner in Lehm aus I
Tauuusschiefern errichteten Umfassungs-
mauern beträgt 1,80 m, die Ecken sind
mit kleinem Radius abgerundet. Um die
Mauern ziehen, anscheinend wie heim
Zwischenkastell „Lochmühle", zwei kleine
Gräbchen, in denen einfache Topfscherben
und Sigillata (Formerstempel REGLN WS
[rückläufig]) lagen. An der noch nicht ge-
nau ermittelten Westfront wurde eine wenig
abgenutzte Silbermünze des Antoninus Pius
von 158 gefunden. Der Limes selbst zieht
etwa 35 m vor dem Kastell südlich vom
Pohlbach durch das Thal.

Hiermit ist die Taunasstrecke in der
Hauptsache entsprechend den zur Verfügung
stehenden Mitteln erledigt, wenn auch immer
noch eins oder das andere Kastellchen,
einige sicher vorhandene Türme und Hügel
nachzuweisen bleiben. Bezüglich derEin/.ol-
heiten, vornehmlich der Konstruktion des
Limes, seiner Türme und Hügel sind uns
aber eine Menge neue Rätsel aufgegeben,
die sich hoffentlich aus anderen Miltein,
wenn nicht ganz lösen, so doch der Lösung
näher bringen lassen.

Kastell Feldberg. Nach Abschluss der
Reichsgrabungen (Limesblatt Nr. 2, 3, 84)
ermöglichten es Mittel von Privaten, die
Untersuchungen weiter fortzusetzen, deren
Hauptergebnis vor 2 Jahren die Auffindung
des Praetoriums bildete. Die Arbeiten in
diesem Herbste haben das Frühere wesent-
lich ergänzt und eine Anlage endgiltig
ergeben, welche genau der bei den dies-
jährigen Schlussarbeiten auf der Capersburg
ausgegrabenen entsprechen. Damit ist für
den Taunuslimes eine weitere bisher unbe-
stimmte Frage beantwortet.

Bekannt war vom Praetorium nur in
der Axe des Kastells ein Raum mit Apsis
und daran links schief anschliessend ein
zweiter als einzige Massivbauten, weitere
Mauerreste waren nicht zu iiudeu. Aber
schon vor zwei Jahren gelang es, in Reihen
liegende Pfostenlöcher festzustellen, die sich
allmählich zu einem Holzbau zusammen-
schlössen, dessen fussdicke eichenen Holz-
pibsten bis 1,50 m und tiefer eingegraben
waren. Soweit sie ausgegraben sind, gieht
sie die Textabbildung. Dieses Bauwerk
hat zwischen den Löchern gemessen eine
Ausdehnung von rd. 20—30 m (Verhältiiis
2: 3) und ist ein Viertel so gross wie das
llolzpnetorium des zweiten Saalburgkastells
(40 : 60 m), welches bei dem Wiederaufbau
des Praetoriums unter dem Steinbau frei-
gelegt wurde. Bemerkenswert ist hierbei,
dass es sich ebenfalls soweit in der Längs-
richtung erstreckt, dass die Queraxe der
sog. Exerzierhalle mit der Kastellaxe zu-
sammenfällt. Ein solcher Raum ist jeden-
falls auch in andern Kastellen, wo er bis-
her fehlte, in Holz vorhanden gewesen,
sei es nun, dass er von Anfang an aus
konstruktiven Rücksichten allein aus Holz
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