Metzger, Wolfgang
Die humanistischen, Triviums- und Reformationshandschriften der Codices Palatini Latini in der Vatikanischen Bibliothek (Cod. Pal. Lat. 1461 - 1914) — Wiesbaden, 2002

Seite: XIX
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EINLEITUNG

im Register. Alle Absender und Adressaten, aber auch in den Briefen erwähnte Per-
sonen sind dort verzeichnet (s.u.). Pal.lat. 1911 ist ein Parallelexemplar zu Pal.lat.
1735 (Gedicht und Städtelob als Geschenk an den Kurfürsten). Bei Pal. lat. 1912-1914
schließlich handelt es sich um heterogene Sammlungen kurzer Texte in zahlreichen
Faszikeln, wobei sich heute lediglich Pal. lat. 1913 in der Bibliotheca Apostolica Va-
ticana befindet, die beiden anderen Bände jedoch im Besitz der Universitätsbiblio-
thek Heidelberg.

Provenienzen

Zu den wichtigsten Provenienzen der lateinischen Palatina-Handschriften kann ich,
als vorläufig letzter in der Reihe der Bearbeiter, im wesentlichen auf die umfangrei-
chen Ausführungen von Ludwig Schuba und Dorothea Walz verweisen.8 Im vorlie-
genden Katalog wird jedoch über das dort bereits Gesagte hinaus auch deutlich, wie
groß die Bedeutung des Augsburger Arztes Achilles Pirmin Gasser und vor allem sei-
nes Patienten, Vertrauten und Geistesverwandten Ulrich Fugger für die Bestände der
Bibliotheca Palatina einzuschätzen ist. Sowohl bei den humanistischen Handschrif-
ten, etwa den auch ästhetisch ansprechenden Manuskripten aus dem Besitz des Ian-
notius Manettus (besser bekannt unter der nicht normgerechten Ansetzung ,Gian-
nozzo Manetti'), als auch bei den Reformationsschriften ist der Anteil der Bände aus
der Bibliothek Ulrich Fuggers an den hier beschriebenen Stücken beträchtlich. Nicht
weniger als 52 Handschriften, d. h. ein Viertel des hier beschriebenen Bestandes,
stammen aus seinem Besitz, dazu kommen versprengte Faszikel in den Sammelbän-
den sowie möglicherweise weitere Stücke, die heute keine direkten Hinweise auf ihre
Herkunft enthalten. Das umfängliche Werk Paul Lehmanns zur Geschichte der alten
Fuggerbibliotheken9 enthebt mich der Aufgabe, die Geschichte der Bibliothek Ul-
rich Fuggers hier ausführlicher nachzuzeichnen. Dennoch bedürfen die für die hier
behandelten Handschriften wesentlichen Punkte der Erläuterung.

Mit der Übersiedlung Ulrich Fuggers und seiner Bibliothek von Augsburg nach
Heidelberg im Jahr 1567 erhielten die Heidelberger Bücherschätze eine sehr um-
fangreiche und qualitätvolle Ergänzung.10 Schon der Vorgänger des zu diesem Zeit-
punkt regierenden Kurfürsten (Friedrichs III.), Ottheinrich, hatte lebhaften Kon-
takt mit dem Augsburger gepflegt. Ulrich Fugger, Freiherr von Kirchberg und Wei-
ßenhorn (1526-84), ein Sproß des berühmten und einflußreichen Augsburger Han-
delshauses, war zunächst für eine geistliche Laufbahn ausersehen, verließ diesen
Weg jedoch schon bald. Zeit seines Lebens war er nicht nur ein Förderer der Wis-
senschaften, sondern oblag auch selbst den Studien, oft weit mehr als ihm bekömm-
lich war. Von seinem Freund und Arzt Achilles Pirmin Gasser wurde er als ,homo
generosus et singularis melancholicus' beschrieben. Den erhaltenen ärztlichen Kon-

8 Schuba 1, S.XVII-XXXII und Walz, S.XVIII-XXXIII.

9 Lehmann, zu Ulrich Fugger dort vor allem Bd. 1, S. 73-192 sowie Bd. 2, S. 67-468.

10 Vgl. auch Walz, S. XXIX.

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