Mitteilungen der Gesellschaft für vervielfältigende Kunst — 1907

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MITTEILUNGEN

DER

GESELLSCHAFT FÜR VERVIELFÄLTIGENDE KUNST.

BEILAGE DER „GRAPHISCHEN KÜNSTE".

1907.

WIEN.

Nr. 2.

Studien und Forschungen.

Albrecht Altdorfers Donaureise im Jahre 1511 und das St. Florianer Altarwerk.1

Der Zweck und das Ziel von Altdorfers Donaureise im Jahre 1511 läßt sich zwar nicht aktenmäßig darlegen,
aber doch in allgemeinen Umrissen auf Grund äußerer Indizien feststellen. P. Albin Czerny, der verstorbene und um
die Kunstpflege seines Stiftes äußerst verdiente Bibliothekar von St. Florian, teilt uns in seinem Buche: »Kunst und
Kunstgewerbe im Stifte St. Florian« (Linz 1886) nach alten Aufzeichnungen der Kirchweihchronik (Folio 21) mit, daß
1509 unter dem kunstsinnigen Propste Peter Maurer in der Florianer Stiftskirche, im Seitenschisfe gegen den Friedhof
an dem ersten Pfeiler, ein Altar errichtet und am 26. April desselben Jahres zu Ehren der Heiligen Florian, Mark-
gras Leopold, der heiligen Jungfrauen Katharina, Barbara, Margareta, Ursula und des heiligen
Sebastian eingeweiht wurde. Papst Leo X. verlieh 1513 allen, diesen Altar an gewissen Tagen Besuchenden unter
Voraussetzung der Beichte und Buße einen Ablaß von sieben Jahren und ebenso vielen Quadragenen.2 Unter dem-
selben Altar bestimmte Propst Peter vorzeitig auch seine Grabstätte und suchte, wie P. Czerny noch mitteilt, zur
Würdigung des Altares die seltensten Reliquien für denselben zusammen. Außerdem erfahren wir über diesen Altar
noch von einem Klosterchronisten des XVII. Jahrhunderts,3 daß es ein Werk admirandae pulchritudinis war und die
Teile desselben als varia artifleioso penicello confeeta monumenta gelten konnten. Von dem Künstler selbst ist
nirgends die Rede.
Nun existieren tatsächlich heute noch verschiedene und zum Teil recht gut erhaltene Reste eines großen Altar-
werkes in der Stiftsgalerie St. Florians, welche einen alten Inventarbestand derselben bilden und, in verschiedene
Abteilungen getrennt, an den Wänden einzeln aufgestellt sind. Sowohl durch ihren Inhalt, indem einige der genannten
Heiligen in der soeben angeführten mageren Altarsbeschreibung vorkommen, als auch durch das gleiche Format
erhalten wir hier zunächst eine Gruppe von Bildern, welche sich mit dem berühmten Altarwerke des Propstes Peter
in Beziehung setzen lassen. Schon P. Czerny konstatierte diesen Zusammenhang, ihm folgten Friedländer und Stiaßny,
jeder nach seiner Auffassung. Ohne uns auf eine ausführliche Beschreibung, welche bereits Stiaßny und H. Ubell*
gegeben haben, einzulassen, müssen wir doch zunächst die drei inhaltlich verschiedenen Gruppen der vorhandenen
Tafeln hervorheben.
Zunächst finden wir acht gleich große Tafeln mit Passionsdarstellungen, alle in dem Ausmaße von 110 : 93 cm,
beginnend mit Christus auf dem Ölberg und endigend mit Christus am Kreuz.5
Dann vier Tafeln von derselben Größe mit je zwei Darstellungen aus dem Martyrium des heiligen Sebastian
und des heiligen Florian, welche jedoch erst gelegentlich einer Restaurierung durch Engerth, durch Absägen von vier

i Vgl. Mitteilungen, 1902, Seite 9 ff.
2 Czerny Albin, Kunst und Kunstgewerbe im Stifte St. Florian, Seite 111 und Anmerkung 2.
5 Codex 179, Archiv-Folio 107.
* Zeitschrift für bildende Kunst, N. F. II, 1891, 256 und 296, serner H. Ubell, Zur Ikonographie der Florians-Legende, Linz, 1904, Seite 18 ss.
5 Friedländer, Altdorfer, Leipzig 1891, Seite 124, Nr. 15.
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