Michaelis, Adolf; Deutsches Archäologisches Institut <Berlin> [Editor]
Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts 1829-1879 (Festschrift zum einundzwanzigsten April 1879) — Berlin, 1879

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40 DIE IMPRONTE GEMMARIE. 1829/31

Erfolgreicher war ein zweites Unternehmen. Jedem Be-
sucher Roms ist es bekannt, welch unendliche Menge ge-
schnittener Steine dort unaufhörlich zum Vorschein kommt,
um meistens sehr schnell im Privatbesitze zu verschwinden.
Ausser Thorvaldsen, Kestner und Vollard, dem Sekretär des
in Rom lebenden Prinzen Heinrich von Preussen, sammelten
damals mit besonderem Eifer die bereits genannten Lords
Beverley und Northampton sowie Dr. Nott dergleichen Schätze
und verehrten dem Institut Abdrücke derselben. Diese
Schenkungen zeitigten einen Plan, welcher schon früher
durch den Antheil Kestners an Cades grösser Sammlung
von Gemmenabgüssen und durch Gerhards reges Interesse
an dieser Klasse von Kunstwerken nahe gelegt worden war,
nämlich aus den seit 1829 neuaufgetauchten Gemmen eine
Anzahl der besten auszuwählen und durch Cades verviel-
fältigen zu lassen. Im Verein mit diesem tüchtigen Künstler
besorgten Gerhard, Kestner und Thorvaldsen die Auswahl
und übernahmen die Bürgschaft für die Echtheit, welche sie
zusammen mit Girometti, Em. Wolff und anderen Künstlern
geprüft hatten. So wurden zuerst 1831 zwei Centurien von
Gemmenabdrücken {Impronte gemmarie delV Institute) zusam-
mengestellt, denen zwei weitere im Jahre 1834, noch zwei
im Jahre 1839 folgten. Nicht lange darauf starb Cades,
und eine Fortsetzung gehörte lange Zeit zu den frommen
Wünschen. Ein kurzer Text zu den Centurien, von Ger-
hard und Braun, erschien im Bullettino. Es möchte schwer
sein in einer verhältnissmässig so knappen Auswahl aus der
fast unzählbaren Masse ähnlicher Denkmäler einen grösseren
Reichthum schöner und interessanter Darstellungen zu ver-
einigen, als es in dieser leider nur wenig verbreiteten Samm-
lung gelungen ist.

Etwa um die gleiche Zeit fand in den Einrichtungen
des Instituts eine Aenderung statt, welche für das ganze
Auftreten desselben nach aussen bedeutend werden sollte.
Je lebhafter das Interesse der in Rom ansässigen oder vor-
übergehend sich aufhaltenden Kunstfreunde und Gelehrten
sich der neuen Anstalt zuwandte, desto stärker machte sich
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