Universitätsbibliothek Heidelberg [Editor]; Miller, Matthias [Oth.]; Zimmermann, Karin [Oth.]
Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 304 - 495) — Wiesbaden, 2007

Page: XII
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Einleitung

faßte (Tfälzische Reimchronik’ 17). Da es sich bei vier der sieben Codices, die u.a. Samm-
lungen aller seiner Lieder enthalten, um Autographe Beheims handelt und ein weiterer
Codex von ihm persönlich durchkorrigiert wurde, sind sie aus literarhistorischer Sicht
besonders wertvoll. An literarischen Sammelhandschriften finden sich im Katalog solche
mit Minnereden 18, Kleinepik 19, Reimpaardichtung 20, geistlichen und weltlichen Liedern 21,
Reden 22 und Sprüchen 23.

Ebenfalls beschrieben werden elf der insgesamt 27 spätmittelalterlichen Bilderhand-
schriften aus drei der bekanntesten deutschen Schreibwerkstätten des 15. Jhs., die sich im
Besitz der Universitätsbibliothek Heidelberg befinden 24. Es sind dies aus der sogenannten
‘Elsässischen Werkstatt von 1418’ Cod. Pal. germ. 323, 338, 359, 365, 371 und 403, aus der
Hagenauer Werkstatt des Diebold Lauber Cod. Pal. germ. 324, 339 und 362 und aus der
schwäbischen Werkstatt des Ludwig Henfflin Cod. Pal. germ. 345 und 353. Alle drei
Werkstätten waren Unternehmen, die sowohl Auftragsarbeiten durch angestellte Schrei-
ber und Illustratoren ausführen ließen als auch ihre Erzeugnisse im Handel anboten 25.
Thematisch wurde von ihnen fast die gesamte Literatur des Mittelalters verarbeitet, wobei
im vorliegenden Katalog ausschließlich höfische Epen und Ritterromane 26 vertreten sind.

Die in diesem Band beschriebenen 53 theologischen Handschriften lassen sich inhaltlich
zu verschiedenen größeren Gruppen zusammenfassen. Die 13 Gebetbücher bilden hierbei
die größte Abteilung 27. Die meist mit kalligraphischem Anspruch gestalteten Beispiele
privater Andacht sind zum Teil mit Miniaturen in Deckfarbenmalerei ausgestattet 28. Um
den verschiedenen Benutzerinteressen gerecht zu werden, sind die Initien der Gebete in
einem gesonderten Register verzeichnet.

Eine weitere größere Gruppe bilden Handschriften mit Sammlungen geistlicher Lieder
und biblischer Liederzyklen. Von besonderem Interesse sind hier die vier Widmungs-
exemplare mit den Liederzyklen der Magdalena Heymair 29, vermitteln sie doch einen di-
rekten Eindruck von ihren Bemühungen, in Lohn und Brot zu kommen. Magdalena

17 Cod. Pal. germ. 335.

18 Cod. Pal. germ. 313, 358 und 393.

19 Cod. Pal. germ. 314.

20 Cod. Pal. germ. 341.

21 Cod. Pal. germ. 329, 343, 349, 350, 357, 360, 379 und 392.

22 Cod. Pal. germ. 384.

23 Cod. Pal. germ. 418.

24 Vgl. http://palatina-digital.uni-hd.de.

25 Für die ‘Elsässische Werkstatt von 1418’ und die Lauber-Werkstatt konnte dies von Lieselotte E.
Saurma-Jeltsch exemplarisch gezeigt werden (Saurma-Jeltsch 1 und 2).

26 Cod. Pal. germ. 323 (Rudolf von Ems, Willehalm von Orlens), Cod. Pal. germ. 324 (‘Virginal’), Cod.
Pal. germ. 338 (Thomasin von Zerklsere, Der welsche Gast), Cod. Pal. germ. 339 (Wolfram von
Eschenbach, Parzival), Cod. Pal. germ. 345 (‘Lohengrin’und ‘Friedrich von Schwaben’), Cod. Pal.
germ. 353 (‘Die Heidin’), Cod. Pal. germ. 359 (‘Rosengarten zu Worms’ und ‘Lucidarius’), Cod. Pal.
germ. 362 (Konrad Fleck, Flore und Blanscheflur), Cod. Pal. germ. 365 (‘Ortnit’ und ‘Wolfdietrich’),
Cod. Pal. germ. 371 (Ulrich von Zatzikhoven, Lanzelet) und Cod. Pal. germ. 403 (Heinrich von
Veldeke, Eneas).

27 Cod. Pal. germ. 409-412, 440-444, 447, 449 und 457-458.

28 Cod. Pal. germ. 440 und 447.

29 Cod. Pal. germ. 381, 413, 421 und 426. Zur Autorin vgl. u.a. Mayr.

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