Minst, Karl Josef [Übers.]
Lorscher Codex: deutsch ; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch (Band 1): Chronicon. Urkunden Nrn. 1 - 166, mit Vermerken, welche die Geschichte des Klosters von 764 - 1175 und mit Nachträgen bis 1181 berichten — Lorsch, 1966

Seite: 69
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URKUNDE 13 (Reg. 2037)
Schenkung der Äbtissin Hiltisnot vom Kloster Baum-Erlenbach im Brettachgau

In Christi Namen, am 7. Juni (788), im zwanzigsten Jahre der Regierung unseres
Herrn, des Königs Karl, mache ich, Hiltisnot, die Gottgeweihte, Tochter des verstorbenen
Swabulcd, die Hinfälligkeit menschlicher Gebrechlichkeit bedenkend, im Hinblick auf
Gott und zum Heile meiner Seele und nicht minder der ewigen Vergeltung wegen, eine
Schenkung an den heiligen Märtyrer Nazarius, dessen Körper ruht . . . wie oben! . . . wo
der verehrungswürdige Richbod als Abt waltet und eine große Schar von Mönchen ver-
einigt ist. Ich wünsche, daß meine Schenkung, von der ich ausdrücklich bestätige, daß sie
aus freiem "Willen gemacht wurde, auf ewig Bestand habe. Gegenstand der Schenkung ist
das Kloster, das wir auf meinem Alod (Eigengut) von Grund auf neugebaut haben, gele-
gen im Brethachgowe (Brettachgau a. d. Brettach) und zwar in der Wachelincheimere
marcha (Gemarkung Wachelinheim = Wüstung Wächlingen bei Ohrenburg nordwestlich
Öhringen) und in der Magelingun marca (Gemarkung Möglingen, ebenfalls nordwestl.
Öhringen), im Gebiet, welches Alirinbach (Baum-Erlenbach) genannt wird. Kloster und
Grundbesitz umfassen eine Basilika, welche zu Ehren des heiligen Erlösers, der heiligen
Maria und der übrigen Heiligen errichtet ist, 16 Hörigenhuben an den bereits genannten
Orten, eine Herrenhube mit Hofreite, hierzugehörige Ländereien, Ackerland, Wohn-
häuser, Stallungen, Felder, "Wiesen, Weiden, Wege, Wälder, "Wasserstellen und Wasser-
läufe, Mühlen mit Zubehör, Leibeigene, Bauern, Vieh beiderlei Geschlechtes und jeglicher
Größe, bewegliche und unbewegliche Habe, alles und in allen Teilen ohne Ausnahme, alles
Hausgerät, benannt oder unbenannt, ganz und unteilbar, genau so, wie wir es im gegen-
wärtigen Augenblick besitzen. Ferner schenken wir in Buttinesheim marcha (Gemarkung
Büttelhausen, Wüstung bei Eichach nördl. Öhringen) alles, was wir dort besitzen, nämlich
zwei Huben und einen dort wohnhaften Hübner, zugleich mit seinem Vieh und allem
Zubehör der Huben, in gleicher Weise auch im Cochengowe (Kochergau) in der "Westheimer
Gemarkung (Westheim a. Kocher südl. Hall) im Orte Raodhaha (Ober-, Mittel- und
Unter-Rod am Rotbach westl. und südl. Westheim) fünf Huben und fünf Hof reiten mit
ihrem Zubehör sowie eine dort errichtete Basilika zum Alleinbesitz, ferner im Gardachgau
in der Gemarkung Gardaro (Großgartach oder Neckargartach westl. Heilbronn) im Orte
Shlothrun (Schluchtern westl. Heilbronn) eine Hof reite und eine Hube mit zugehörigem
Grund und Boden und endlich in Becchingen (Böckingen bei Heilbronn) fünf Huben und
fünf Hofstätten mit Anhang. Eine gewisse Frau mit Namen Wirdun hat einen Teil ihres
Besitztumes in der Gemarkung Olleim (Olnhausen a. Jagst) der bereits genannten Schenk-
masse übergeben und gibt jetzt auch noch den Rest ihres Eigentums in jener Gemarkung,
welcher ihr nach dem Gesetze zusteht. Alle zugehörigen Güter, Felder, Äcker, "Wiesen,
Wälder, Weiden, Wege, stehende und fließende Gewässer, Wohnhäuser, landwirtschaft-
liche Bauten, alle ganz und ungeteilt, wie oben angegeben, sind in die Schenkung einge-
schlossen; ebenso 55 Leibeigene beiderlei Geschlechtes, die in diesen oder anderen Orten
seßhaft sind, mit ihrem gesamten Vieh. Das alles, oben zusammengefaßt, schenke, über-
gebe und übertrage ich in seiner Gänze, einschließlich Kloster mit allem Zubehör, aus
meinem rechtlichen Besitz in das Eigentum und unter die Herrschaft des Hl. Nazarius.
Im Namen Gottes soll es sein immerwährendes Eigentum bleiben, in dem Sinne, daß es
(die Mönche) vom heutigen Tage an innehaben, verwalten und besitzen und ihren Nach-
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