Minst, Karl Josef [Übers.]
Lorscher Codex: deutsch ; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch (Band 1): Chronicon. Urkunden Nrn. 1 - 166, mit Vermerken, welche die Geschichte des Klosters von 764 - 1175 und mit Nachträgen bis 1181 berichten — Lorsch, 1966

Seite: 124
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Gütern zerstört oder entzogen werden sollte, möge er dafür die erwähnte Kirche in
Viernheim als ewiges Eigentum erhalten. Er möge sie in seinem ungeschmälerten Besitz
behalten und innehaben und mit ihr nach seinem Gutdünken verfahren. Zur Bekräftigung
dieser königlichen Schenkungsurkunde haben wir sie eigenhändig unterschrieben und mit
unserem Siegel versehen lassen. Konrad, der König. Monogramm unseres Herrn, des gnä-
digsten Königs Konrad. Ich, der Kanzler Salomon, habe im Auftrage des Erzkaplans
Piligrin gegengezeichnet. Gegeben am 3. November im Jahre 916 (richtig: 917) nach des
Herrn Menschwerdung, in der 6. Indiktion, im 6. Jahre der glorreichen Regierung des
Königs Konrad. Geschehen in Frankfurt, glückverheißend in Gottes Namen. Amen.

URKUNDE 65

Beschreibung des Viernheimer Waldes

Die Beschreibung der Gemarkung und des Waldes, der bei Virnunheim (Viernheim)
liegt, so wie ihn König Konrad besaß und durch seinen Gaugrafen Lütfrid und dessen
Leute mit Grenzzeichen, Erderhebungen und -Einschnitten, Marksteinen, Steinhaufen und
Wegen abgrenzen ließ, siehe unten!

Marksteine und Grenzraine

Die Grenzziehung beginnt im Osten beim Markstein, welcher an der Aldaha (Altach,
Landgraben in der „Altan" bei Hüttenfeld, Zufluß zur Weschnitz) steht. Die Grenze läuft
von dort weiter zum Damm, der die Gemarkungen Liuthereshuson (Leutershausen sädl.
Weinheim) und Hetenesheim (Heddesheim nördl. Ladenburg) scheidet, dann zum Kalk-
ofen, von dort mitten durch das Michilinrieth (Michelsried) und mitten durch die Rinc-
wison (Ringwiese, die Kreisfläche der heutigen Neuzerlache), von dort zum Sol (Suhle,
Sumpf; heute Rindlache südl. Viernheim), der die Grenze zwischen Strazheim {Straßen-
heim nördl. Ladenburg, an der alten Römerstraße Ladenburg—Worms) und Viernheim
bildet, dann zum Stochwege (Stockweg, Knüppeldamm über sumpfiges Gelände), weiter
zum Grenzstein, welcher im Weiler steht, der Gerberti-Vicus (Geberendale, Kefferendale,
Käfertal; dale, teile = Vertiefung, vielleicht bei „Weiherspitz"), von hier zum Grenz-
Steinhaufen und dann an die Landstraße (die eben erwähnte alte Heerstraße), dann zum
Markstein in der Musahe („Moor-Fluß"), zu einem anderen, der zwei Föhrenwälder
trennt, zum dritten bei Hohenwarta (erhöhte Stelle), zum letzten an der Lorscher Straße
und dann wieder zurück an die alte Ache zum Ausgangspunkt. (Hier erstmaliges Auftre-
ten der Wortform „Lorsa".)

VERMERK 66

Nach dem Tode König Konrads (I., 23. Dez. 918) wurde auf einem Reichs- und
Fürstentag (zu Fritzlar) Heinrich, genannt „der Sachse", der Sohn des sächsischen Herzogs
Otto (der „Erlauchte", gest 912) zum König erhoben (919—936), der zum Ahnherr der
erlauchten Dynastie der Ottonen (919—1024) wurde. Heinrich behauptete gegen Rut-
pert (Robert I.), den König des gallischen Frankenreiches (Westfranken) in vielen Gefech-
ten die Grenzen von Lothars Königreich (Lothringen), wie sie heute noch bestehen. Ebenso
war er in viele kriegerische Unternehmungen gegen die Ungarn, Slawen und Burgunder
verwickelt, mit denen er sich häufig herumschlug und stets als Sieger hervorging. Zum
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