Rott, Hans
Kunst und Künstler am Baden-Durlacher Hof bis zur Gründung Karlsruhes — Karlsruhe, 1917

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Abbild, i. Der bad. Hofnarr Hansel von Singen.
Medaille von Friedr. Hagenauer

EINLEITUNG.

/jSpXür die Freunde der engeren heimischen Geschichte, nicht für die fernerstehende Zunft
«JsT4 der Kunstliteraten, ist der folgende Abriß einer Darstellung der Kunst am Hof der
Q^tfi) Baden-Durlacher Markgrafen geschrieben, ein Versuch auf Grund der noch vorhandenen
Monumente und literarischen Quellen. Ein Versuch wird es wohl bleiben, da bei Betrachtung
der Denkmäler nicht nur die Fluchzahl von 1689 wie ein nicht zur Ruhe kommendes Gespenst
immer wieder auftaucht, sondern weil vor allem auch die kunstgeschichtlichen Dokumente
größtenteils vernichtet sind. In Trümmern liegen Hochberg, Badenweiler und Rütteln, ver-
schwunden sind die Schlösser zu Friedlingen, Sulzburg, zu Graben, Staffort, Mühlburg,
Pforzheim und Durlach; einzig die trotzige Warte des Pfinzgaues, der Turmberg, einst Hohen-
berg genannt, ragt noch ins Land hinaus.

Nur mit Hilfe älterer Pläne, unterstützt durch neueste Grabungen im Zusammenhang mit
den vom badischen Kultus- und Unterrichtsministerium veröffentlichten Kunstdenkmälern, können
wir eine Vorstellung von dem Zerstörten gewinnen. Hat sich von dem Pforzheimer Residenz-
schloß seltsamerweise keine einzige Abbildung erhalten, so können wir das ehemalige Schloß
Mühlbursr an der Hand einer Ansicht Schmalkalders und eines eleichzeitigfen Grundrisses in
ziemlich annäherndem Bild wieder erstehen lassen Von der berühmten Karlsburg, dem
Stammsitz der Baden-Durlacher Linie, vermittelte keine Abbildung eine sinnenfällige Kunde,
bis uns ein glücklicher Zufall jetzt nach über 200 Jahren einen schönen Prospekt in die Hand
gab, gezeichnet von einem ebenfalls bis heute unbekannten Durlacher Hofbaumeister.

Da die Bearbeitung der Kunstdenkmäler im Kreis Karlsruhe sich in Vorbereitung be-
findet und eine Geschichte des heutigen Residenzschlosses bereits vorliegt, schließt die folgende
Darstellung, um nicht Wiederholungen zu bringen, mit der Gründung Karlsruhes und behandelt
somit genau den Zeitraum von zwei Jahrhunderten (1515—1715). Die Beobachtung, daß ein
Fürstenhaus trotz der mehr als 50 Kriegsjahre, die für diesen Zeitraum auf das Baden-Durlachische
entfallen, nach Brand, Verheerung und völliger Verarmung das Land immer wieder aufrichtete,
tüchtige Künstler an seinen Hof zog und der Baukunst vor allem neue Aufgaben stellte, be-
rechtigte dazu, die dürftigen Bruchstücke kunstgeschichtlicher Urkunden, fast durchgängig bis

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