Rott, Hans
Kunst und Künstler am Baden-Durlacher Hof bis zur Gründung Karlsruhes — Karlsruhe, 1917

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Abbild. 38. Medaille Friedrichs VI.
Von Georg Pfründt.

MARKGRAF FRIEDRICH VI.

rte et Marte« steht auf dem großen Porträtkupfer Friedrichs VI., das Philipp Kilian
nach einem Gemälde des jüngeren Merian anläßlich der Durlacher Hochzeitsfeierlich-
keiten 1670 stach. Damit ist in Kürze der Lebensinhalt dieses Fürsten umschrieben,
dessen Studien schon in seiner Jugend »sonderlich der Ingenieur Kunst« gewidmet waren
und der später »an raren Schüllereyen und mancherley der berühmtesten Künstler Arbeiten«
seinen Genuß und Erholung fand.1)

Der Durlacher Hofrat J. Chr. Keck, dem später Schöpflin als Quelle in seiner Badischen
Geschichte folgte, berichtet in seinem schwungvollen Panegyricus auf Markgraf Friedrich VI.,
wie dieser die teilweis noch vom großen Krieg her in Asche liegenden, teilweis 1674/75 aufs neue
zerstörten Schlösser Hochberg, Rötteln, Kandern, Sausenberg, Badenweiler, Pforzheim, Graben2)
und Staffort wieder aufbaute und stärker befestigte.a) Nur das Lustschloß Gottesau, wo
die Gespenster umgingen, überließ man seinem Verfall und allmählichen Ruin.4) Aus der
gleichen Quelle erfahren wir, wie der Markgraf das Mühlburger Schloß wiederherstellte und
ausschmückte, wie er namentlich die Karlsburg vergrößerte und so verschönerte, »daß man
sie seitdem in Friedrichsburg hätte umtaufen können«. Er befolgte dabei den Rat seines
gelehrten Freundes, des großen Münzkenners und Kunstliebhabers Charles Patin, »de se
relächer de cette antique matiere de bätir en se servant de tant de commoditez que nous
fournit cette belle architecture moderne«.0) Vom Glanz und der vortrefflichen Einrichtung
dieses Schlosses sprachen allenthalben die Fremden mit Bewunderung. Herrliche Garten-
anlagen entstanden hinter dem Schloß;'') nicht weit von Durlach wurde eine Fasanerie ein-

') Joh. Fecht, Liecht, Sieg und Cron, 1677, p. 4, 10.

2) Von Graben sagt Sam. Chappuzeati noch 1669: »qu'im bon chäteau accompagne«. L'Allemagne protestante,
1671, p. 80. Aber 1675 wird schon das »chateau raze« erwähnt. »Was gestalt von dem Commandanten in Philipps-
burg das schloß zu Graben demolirt, auch nachgehends dieser flecken gantz abgebrandt worden. Ao 1675.« G.L.A.
Mühlburg Amt. Kriegssachen.

3) J. Chr. Keck, Panegyricus honori et memoriae Friderici Sexti, Durlach 1677, p. 71.

4) »Sola prudenter neglecta, praeteritorum temporum admonitrice, Gottesavia, ubi hodienum pendent opera
interrupta minaeque murorum ingentes.« L. c. p. 72.

5) Ch. Patin, Relations historiques et curieuses, Straßburg 1671, p. 105 f.

°) Schöpflin IV, 274 und Keck, 1. c. p. 71. — Vielleicht empfing Friedrich VI. Anregung von dem ihm befreun-
deten Basler Remigius Fäsch, dessen Garten damals berühmt war. O. Teichert, Gesch. der Ziergärten und Zier-
gärtnerei in Deutschland, 1865, p. 183.

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