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Rott, Hans
Kunst und Künstler am Baden-Durlacher Hof bis zur Gründung Karlsruhes — Karlsruhe, 1917

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https://doi.org/10.11588/diglit.8256#0015
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burg-Ansbach.') Verloren sind die Bauakten der Karlsburg, während sie für den späteren Barock-
bau Dom. Eg. Rossis in genügendem Umfang erhalten sind. Ein Glückszufall hat uns auch
einige Bruchstücke für die Baugeschichte der Gottesau noch im XVIII. Jahrhundert zurück-
gegeben, die E. von Czihak in einem Aufsatz über Kloster und Schloß kurz verwerten und zum
erstenmal das Dunkel zerstreuen konnte, das bis ins XIX. Jahrhundert hinein über diesem
schicksalsreichen Bauwerk lag.2) Bis dahin brachten Schöpflin und ihn nachschreibend Sachs
und Leichtlin direkt sich widersprechende, ganz dürftige Nachrichten über die Genesis des
Renaissanceschlosses, und Theod. Hartleben entwarf noch 1815 ein »statistisches Gemälde«
von der Gottesau mit den Worten: »Das Schloß, eine ehemalige Benedictinerabtey, von
italienischer massiver Bauart, in seinen Fundamenten deutlich das Gepräge von denjenigen an
sich tragend, die einst darin gewohnt haben.«;i) Ebenso unsichere Nachrichten liegen vor über die
Verlegung der fürstlichen Residenz von Pforzheim nach Durlach und über den Bau der Karlsburg.

Ausgeschlossen bleiben im allgemeinen bei der kurzen Betrachtung der Fürstenbildnisse
die Ölgemälde. Die Ikonographie bedarf nach dieser Richtung noch der kritischen Untersuchung,
die sich im Augenblick verbietet. Sichtende Vorarbeiten fehlen bislang völlig, da wir einstweilen
nur die verdienst- und mühevolle Zusammenstellung von W. Brambach besitzen.4) Die Veröffent-
lichung von Müller versagt nach dieser Richtung trotz der trefflichen Einleitung so ziemlich gegen-
über grundlegenden Werken wie jenem über die Fürstenbildnisse des Hauses Wettin oder mono-
graphischen Arbeiten wie der über die Porträtdarstellungen des Landgrafen Philipp von Hessen.5)

Aus Gründen der gegenwärtigen und knapp bemessenen Zeit und der besonderen Ver
anlassung, wie im Interesse einer einheitlichen Schilderung folgt hier die Darstellung der
Kunst am Baden-Durlacher Hof, der später vielleicht einmal die entsprechende am Baden-Badener
Hof angereiht werden mag, wozu eine umfassendere Benützung der auswärtigen Archive not-
wendig wird.6) Durch das weitgehende Entgegenkommen des Königlich Württembergischen
Haus- und Staatsarchivs konnte für die vorliegende Untersuchung trotz der augenblicklichen
Zeitläufte wenigstens das Hauptsächlichste der Baden-Württembergischen Korrespondenz für
das XVI. Jahrhundert in Karlsruhe durchgesehen werden.7)

') Im Kgl. Allg. Reichsarchiv-München ist nur noch ein kleiner Rest aus der Brandenburg-Fränkischen Regi-
stratur vorhanden. In den Napoleonischen Kriegen gerieten die mit diesen Akten beladenen Wagen bei der Extra-
dierung an das Berliner Archiv zwischen die operierenden Truppen, welche die Papiere als Pulver- und Kugelpfropfen
für ihre Vorderlader benützten. Persönl. Mitteilung von Geh. Archivrat Dr. Petz-München.

2) Seltsamerweise redet er von den »fast vollständig erhaltenen Bau- und Korrespondenzakten von Gottesau«.
Z.G.O.a ( Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins) IV (1889), 4 u 17.

3) Theod Hartleben, Statist. Gemälde d Stadt Karlsruhe und ihrer Umgebungen, 1815, p. 422; E. J. Leichtlin,
Gottsauer Kronik 1810 p. 81 u. 85; Schöpflin, Hist. Zar.-Badens. IV (1766), 417: »Vicina Carolsruhae est Godes-
avia . . . Garolus II aedificium novum ibi in suos usus a 1553 construxit, quod filius eius Ernestus Fridericus ampliavit.«
Ib. 118 von Ernst Friedrich: »Nec silentio praetereundum, quod . . . novum palatium exstruxerit, amoenum et elegans,
in quo saepe versatus est.« In der Anmerk.: »Coeptum est aedificari a 1588«; Sachs, 1. c. IV, 279; V, 353

4) W. Brambach, Bildnisse zur Geschichte des badischen Fürstenhauses, 1884 (- Mitt aus d Großh. Bad
Hof- u Landesbibl. V).

5) H Müller, Badische Fürstenbildnisse 1893, I. II. — Die noch aus der Zeit des Galerieinspektors E. Richard
stammenden handschriftlichen Verzeichnisse über die in den Großh. Badischen Schlössern aufbewahrten Gemälde,
namentlich die Fürstenbildnisse, kommen für wissenschaftliche Zwecke nicht in Betracht. Wie viele Meister sich
gleichwohl feststellen lassen, ergibt die Untersuchung der Bilder im Bmchsaler Schloß. Vgl. Die Kunstdenkm. d.
Großh. Baden (IX, 2). Bruchsal p. 166 ff. — J. L. Sponsel, Fürstenbildnisse aus dem Hause Wettin, 1911; A. v. Drach
und G. Könnecke, Bildnisse Philipp des Großmütigen, 1905.

6) Die Fürstensachen, die badischen Vormundschaftsakten wie andere einschlägige Literalien des Münchener
Allg. Reichsarchivs sind von mir bereits an Ort und Stelle durchgesehen worden. Die reichhaltige Kunstkorre-
spondenz Herzog Albrechts V. von Bayern und seines Nachfolgers ergab für Baden nichts.

') Dem Direktor des Großh. Bad. G L.Archivs, Herrn Geh. Archivrat Dr. K. Obser, gebührt der besondere Dank
für seine Unterstützung bei dieser Arbeit, ebenso der Direktion der Großh. Bad. Hof- u. Landesbibliothek und deren
sehr dienstbereiten Beamten und Beamtinnen.

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