Rott, Hans
Kunst und Künstler am Baden-Durlacher Hof bis zur Gründung Karlsruhes — Karlsruhe, 1917

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Kanzlers Oswald Gut großgezogen, wurde 1553 anläßlich einer badischen Mission an den
Wiener Hof von König Ferdinand infolge seiner hervorragenden Verdienste und Kenntnisse
geadelt und beim Tode Oswald Guts mit 28 Jahren markgräflicher Kanzler. Im Jahre 1556
trat er besonders durch die energische Durchführung der Reformation in der Markgrafschaft
hervor, die er mit Hilfe der auswärtigen Theologen Diller, Heerbrand, Andreä u. a. ins
Werk setzte.

In der Baukunst war Achtsynit besonders erfahren und hatte sich selbst zu Pforzheim
ein schönes Haus errichten lassen. Als er 1555 von Markgraf Karl zur Belohnung für seine
Verdienste das »alt Burgstadel« zu Niefern als Geschenk erhalten, erbaute er im folgenden
Jahre aus den Fundamenten die heute noch vorhandene, mit einem lustigen Treppenturm und
Staffelgiebeln gezierte Niefernburg, nach der er sich auch nannte.*) Große Inschriften bekunden
die dankbare Gesinnung des Bauherrn gegen seinen gütigen Fürsten. In der Tiefburg an
der Enz verbrachte dann Achtsynit nach mehr als 4ojähriger Dienstzeit unter drei Mark-
grafen die letzten Jahre seines Ruhestandes, beschäftigte sich hier mit Landwirtschaft, mit
Architektur und antiquarischen Studien, besuchte zuweilen die lieben Freunde in der Nach-
barschaft und trollte des Abends wieder heim »zum reizenden Nest seines Greisenalters«:

Ingressus Niefernburgum, nidum senectutis amoenum,

quod illustris Caroli subsidio antidorali

ad Entium fluvium illum Deo dante ad usum,

opibus collectis lapsis construxeram annis,

ibi agricultura nec non et architectura

et duce natura antiquarum rerum lectura

multum delectatus desidiaque valde levatus,

interdum amicos mihi in vicinia charos

pro tempore visitans iterumque ad nidulum rotans.2)

Der Basler Polyhistor und Pfarrer Pantaleon, der den Kanzler persönlich kannte, sehr
hoch schätzte und durch ihn mit seinem Werk dem Markgrafen empfohlen worden war,
berichtete über Achtsynit im Jahre 1566: »Wreil er auch in der Bawkunst wol erfahren,
hat er dem Margraffen gerathen, das er sein Fürstenthumb hin und wieder mit lustigen
Gebeuwen bezieret, darzu etliche starcken Vestungen aufgerichtet.«3) Humorvoll urteilte
der Basler Besucher im Jahre 1565 von dem markgräflichen Kanzler und »Herrn von Niefern-
burg«: »Er ist ein schöner ansichtiger Mann, so zu Schimpff und Ernst zu gebrauchen.«4)

Außer diesem trefflichen Berater in Bausachen, der in dankbarer Ergebenheit am Treppen-
turm seiner Niefernburg über dem Auslauf der Spindel den Spruch anbringen ließ:

Der solch Gebew will bhalten frey,
soll disem Fürsten sein recht trew,

hatte Markgraf Karl ein schönes Vorbild in dem Bruder seiner Stiefmutter, dem früheren
Schloßhauptmann seines Vaters auf Hochberg, Georg Bombast von Hohenheim, der später
als Komtur der Johanniter zu Heitersheim residierte. »Er bawet sehr gern,« heißt es von

') G.L.A., Kopialb. 101 fol. 201 — 205. Die Belehnimg vom 20. Oktober 1555.

2) Inschrift über seinem Epitaph zu Pforzheim.

3) Pantaleon III (1570), 450: »Es hat auch Martinus selbs zu Pfortzen ein schönes hauss gebawen, darzu ein
halb meyl von der Stadt an einem lustigen waßer von dem fundament här ein schön schloß ausgerichtet und Niefern-
burg genennet. . . Als er auch mein vorhaben verstanden (die Herausgabe des Heldenbuchs), hat er mich in meiner
reissfart im 1565 jar zu Pfortzen mit sampt Casparo Herwagen . . . freundtlichen empfangen und mein arbeit dem
fürsten commendieret,« p. 451. Der Jurist Kasp. Herwagen war 1565 bad. Rat u. 1570 Landschreiber zu Rötteln.

4) Uber Achtsynit ferner Melch. Adam, Vitae german. Jureconsult., Heidelb. 1620, p. nof. Er schreibt fast
wörtlich Pantaleon aus. Aus der gleichen, sonst unbenutzten Quelle schöpfte auch der markgr. Archivar Drollinger,
der Verfasser des betr. Artikels in J. Chr. Iselins Basler Lexicon2 (1729) I, 151, u. Sachs IV, 175 f.

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